Bundesliga

0:0 gegen Augsburg - Hertha tritt auf der Stelle

Zum dritten Mal in Folge gelang Hertha im Olympiastadion kein Treffer - trotz zahlreicher Chancen. Die ideenlosen Berliner mussten sich zum Schluss mit einem 0:0 gegen Augsburg zufrieden geben.

Foto: Matthias Kern / Bongarts/Getty Images

John Anthony Brooks haute den Ball rein. Zack. 3:0. Fertig die Sache. Den Gegner platt gemacht, so wie es sein soll. Dann sah Herthas Innenverteidiger hoch vom Bildschirm, und seine Wollmütze wippte im Wind. Doch anders als bei ihm auf der Spielkonsole, auf welcher der verletzte 20-Jährige während der Bundesligapartie von Hertha BSC gegen den FC Augsburg einen Fan bei der Fußballsimulation Fifa 2014 deklassierte, war auf dem echten Rasen ein paar Meter vor Brooks nur Tristesse zu beobachten. Kein Spielfluss. Keine Tore. Ja nicht mal eine veritable Fehlentscheidung des Schiedsrichters, über die es sich aufzuregen gelohnt hätte.

Hertha trennte sich am 14. Spieltag mit 0:0 von Augsburg, sammelte damit Punkt Nummer 19 ein und kletterte sogar um einen Rang auf den für einen Aufsteiger mehr als respektablen Tabellenplatz sieben. Die 38.667 Zuschauer im Olympiastadion aber – das ist anzunehmen – hätten im Nachhinein lieber Brooks’ Partie an der Konsole verfolgt.

„Heute war es eine zähe Veranstaltung, aber den einen Punkt nehmen wir sehr gern mit“, sagte Herthas Manager Michael Preetz. Es war der Ton, den auch seine Profis nach der Begegnung zumeist anschlugen. Von „schwerer Kost“, sprach Peter Niemeyer. „Wir wollten den Fans etwas bieten. Aber es gibt eben nicht immer Hurrafußball.“

Ndjeng gibt sein Startelf-Comeback

Hurrafußball hatte es zuvor ja meistens gegeben, wenn Hertha zum Heimspiel geladen hatte, auch wenn dabei zuletzt gegen Schalke 04 und Bayer 04 Leverkusen zweimal Niederlagen heraussprangen. Gegenüber der 0:1-Pleite gegen die Werkself vor einer Woche hatte Trainer Jos Luhukay seine Mannschaft gegen seinen alten Arbeitgeber nur auf einer Position verändert: Für Sami Allagui begann Marcel Ndjeng auf dem rechten Flügel und gab damit sein Startelf-Comeback, nachdem sich der 31-Jährige am ersten Spieltag eine komplizierte Fußverletzung zugezogen hatte.

Nach neun Minuten probierte es Adrian Ramos zum ersten Mal aus 20 Metern, doch den Schuss des Kolumbianers konnte Augsburgs Innenverteidiger Jan-Ingwer Callsen-Bracker noch entschärfen. Und das war irgendwie symbolisch für die trostlosen ersten 45 Minuten: Immer hatte einer der bayrischen Schwaben seine Gliedmaßen im Weg, wenn Hertha doch einmal nach vorn spielte.

Nach 16 Minuten zeigte Herthas Innenverteidiger Sebastian Langkamp an, dass es für ihn nicht weitergehen konnte. Der 25-Jährige hatte sich in einem Zweikampf mit Arkadiusz Milik verletzt und musste mit Verdacht auf Muskelfaserriss im linken Oberschenkel ausgewechselt werden. Luhukay aber hatte keinen weiteren Innenverteidiger in Reserve. Brooks saß ja verletzt draußen. Maik Franz und Christoph Janker standen nicht im Kader. So rückte der kleine Japaner Hajime Hosogai aus dem Mittelfeld ins Abwehrzentrum, und Niemeyer übernahm dessen Position.

Spiel der vergebenen Chancen

Niemeyer war noch nicht auf dem Feld, da hätte es schon 1:0 für Hertha stehen müssen: Ramos schickte Ndjeng über die linke Seite, der drang in der Strafraum ein, legte den Ball zurück auf den heranstürmenden Änis Ben-Hatira, doch dessen Schuss aus zehn Metern strich über den Querbalken (18.). Ebenso sorglos wie der Deutsch-Tunesier ging wenig später Tolga Cigerci mit seiner Gelegenheit um, als er sich im Strafraum freistehend nicht entscheiden konnte, ob er schießen oder passen wollte. Der Ball landete im Seiten-Aus (27.).

Dass Augsburg, das Team von Trainer Markus Weinzierl, gekommen war, um vielleicht doch ein Tor zu erzielen, ließ der Versuch von Matthias Ostrzolek aus 20 Metern erahnen. Es war der erste Torschuss des FCA, und er ging zehn Meter daneben (31.). Kurz vor der Pause hatte Ndjeng Herthas beste Gelegenheit, als er Marwin Hitz im FCA-Tor aus zehn Metern und einem ziemlich spitzen Winkel zur Parade zwang (37.).

Zehn Minuten lang nach Wiederanpfiff passierte nichts, bis Ben-Hatira einen Freistoß an die Strafraumgrenze schlug und Ramos es schlitzohrig auf die kurze Ecke versuchte. Hitz war wieder zur Stelle (55.). Danach wiederum nur gähnende Leere. Hertha fehlte es an Ideen. Augsburg, das zuvor nur einmal auf fremdem Platz punkten konnte, hatte wenig mehr im Sinn, als mit dem 0:0 wieder die Heimreise anzutreten.

Wenigstens ein Punkt

So zog sich die Partie zäh wie Kaugummi über die Minuten. Ja, hin und wieder hatte Schiedsrichter Tobias Welz mal nicht genau hingesehen, was die Ostkurve erboste. Luhukay wechselte: Für den diesmal schwachen Per Skjelbred kam der erst 18 Jahre alte Hany Mukhtar in die Partie und für den ebenfalls schwachen Ben-Hatira Nico Schulz.

Zweimal noch raunte es im weiten Rund: Erst drosch Ramos einen Ball aus 20 Metern aufs Tor, der hauchdünn am langen Pfosten vorbeistrich (81.). Dann versuchte es Cigerci aus ähnlicher Position, doch dem glücklosen Mittelfeldmann rutschte das Spielgerät über den Spann und landete auf der gegenüberliegenden Seite im Aus. Nach der Partie freuten sich Luhukay und Weinzierl über den gewonnenen Punkt – ein Ertrag, mit dem beide Teams leben können. „Wir haben damit wieder einen Zähler gegen den Abstieg gut gemacht“, analysierte Luhukay. Wenn man spielerisch keine Lösungen finden könne, müsse man auch mal mit einem Punkt zufrieden sein. Dass es seiner Mannschaft im dritten Heimspiel in Folge nicht gelungen war, ein Tor zu erzielen, verschwieg er.