Träumen ist erlaubt. Augsburg, Eintracht Braunschweig, Werder Bremen – da sind neun Punkte zu holen, ehe es zum Vorrundenabschluss nach Dortmund geht. Doch Mannschaft und Trainer wissen: Für Hertha BSC ist kein Bundesligaspiel ein Selbstläufer. „Wir müssen auch gegen Augsburg ans Optimum gehen“, sagte Jos Luhukay vor dem Spiel am heutigen Sonnabend im Olympiastadion (15.30 Uhr). Und auch Manager Michael Preetz warnt vor Gedankenspielen gegen den vermeintlich leichten Gegner: „Augsburg steht für mutigen Fußball.“

Trainer Luhukay erinnerte seinen Kader zudem daran, „dass wir intern nach der Hinrunde Bilanz ziehen. Alles steht auf dem Prüfstand: Die Torhüter, aber auch die anderen Mannschaftsteile.“ Er werde mit seinem Trainerteam analysieren: „Wer hat sich wie entwickelt.“ Bei den Torhütern ließ Luhukay offen, ob im Winter ein erfahrener Mann geholt werde. Oder ob Hertha auch in die Rückrunde geht mit der vergleichsweise jungen Crew um Thomas Kraft, 25, Sascha Burchert, 24, Philip Sprint, 20, und Marius Gersbeck, 18.

Rony und die „Dosenöffner-Qualitäten“

Was der Trainer meint: Es bleiben noch vier Spiele, um positiv auf sich aufmerksam zu machen. Da gibt es einige Kandidaten, die in einer insgesamt funktionierenden Mannschaft unbedingt zulegen sollten. Allen voran darf sich Ronny angesprochen fühlen. In der Annahme, dass Augsburg, Braunschweig und auch Bremen ihr Glück gegen Hertha aus einer defensiven Grundhaltung versuchen dürften, sagt Manager Preetz: „Eigentlich sind das Spiele, wo wir die Qualitäten von Ronny brauchen.“ Die Stärke des Brasilianers bei Standardsituationen etwa, oder das grandiose Gespür von Ronny, auch gegen eine vielbeinige Hintermannschaft freie Räume zu finden. Luhukay bezeichnet das als die „Dosenöffner-Qualitäten“ von Ronny, die Hertha in engen Spielen auf die Siegerstraße bringen können.

Das Phlegma von Ronny und die Dynamik von Mukhtar

Wer aber Ronny in dieser Woche im Training gesehen hat, wie er im Dauertrab über das Spielfeld zockelt, versteht, warum der Trainer von Hany Mukhtar schwärmt. Der 18-Jährige kann ebenfalls den Spielmacher geben. Und bringt neben einer feinen Technik eine Dynamik und Sprintfreudigkeit mit, die auch die Teamkollegen Skjelbred, Cigerci, Hosogai und Ramos auszeichnet.

Luhukay sagt: „Ich denke immer über Ronny nach“. Hebt dann aber zu einer langen Lobrede an auf dessen Mittelfeldkollegen, deren Einsatz– und Willensstärke. Und deren Bereitschaft, defensiv zu arbeiten. Der Trainer räumt ein: „Nur mit Laufen gewinnt man keine Spiele.“ Aber das Risiko liegt auf der Hand: Vier Monate nach Saisonbeginn ist Ronny körperlich immer noch nicht so weit, bei der Seriensprint-Sportart, zu der sich der Bundesliga-Fußball mittlerweile entwickelt hat, wenigstens 60 Minuten mithalten zu können. Ronny verliert zu rasch zu viele Bälle. Vor allem im Spielaufbau, wenn alle Kollegen im Vorwärtsgang sind, können daraus brandgefährliche Situationen entstehen.

Weihnachtsurlaub gestrichen

Kein Wunder, dass Ronnys Berater Dino Lamberti in diesem Herbst wiederholt angekündigt hat, Ronny werde über Weihnachten nicht in die Heimat fliegen. Statt Urlaub in Brasilien zu genießen, soll er mit einem Personaltrainer in Berlin an seiner Fitness arbeiten.

Der Vorteil von Ronny: Herthas Torjäger der vergangenen Zweitliga-Saison steht im 18er-Kader gegen Augsburg. Er wird also weiter Gelegenheiten erhalten, Argumente in eigener Sache zu sammeln. Das wird für andere Kandidaten, die ebenfalls auf dem Prüfstand stehen, schwieriger. Bei Maik Franz und Ben Sahar lautet der Zwischenstand nach 13 Bundesliga-Runden: Beide haben null Minuten in dieser Saison gespielt. Beide waren Teil jener enttäuschenden Mannschaft, die im Zweitrunden-Pokalspiel bei Zweitligist 1. FC Kaiserslautern (1:3) scheiterte.

Preetz: Wir reden im Winter

Beide stehen gegen Augsburg nicht im Aufgebot – wie schon seit Wochen nicht. Manager Preetz will sich derzeit noch nicht festlegen. Merkt aber an: „Wenn ein Spieler auch für die Rückrunde keine Perspektive hat zu spielen, müssen wir die Situation im Winter genau abwägen.“

Eine Beschreibung, die auch auf Fabian Holland (ein Saisoneinsatz) zutrifft. Im Klartext: Bei diesen Spielern ist eine Trennung im Januar möglich.

Anders liegen die Dinge bei Peter Niemeyer und Peer Kluge. Beide sind nicht zufrieden, weil ihre Rolle im aktuellen Team kleiner ausfällt, als sie das angenommen hatten. Dennoch wird Luhukay auch 2014 auf dieses erfahrene Duo setzen. „Eine Saison ist lang, wir werden alle Spieler aus dem Kader brauchen“, sagt der Trainer.

Hertha zum ersten Mal in der Favoritenrolle

Und die Vorzeichen verändern sich im Laufe einer Saison. Bisher ist Aufsteiger Hertha in jedes Bundesliga-Spiel als Außenseiter gegangen. „Gegen Augsburg sind wir zum ersten Mal Favorit“, sagt Luhukay. Auf die Frage, ob sich vom Druck oder für das Auftreten der Mannschaft etwas ändert, schüttelt der Trainer den Kopf. „Wir wollen unser Spiel durchsetzen. Wir schauen auf unsere Strategie. Egal, ob der Gegner Leverkusen heißt wie am vergangenen Wochenende oder Augsburg. Taktisch macht das keinen Unterschied Wir wollen dominieren und uns für den Aufwand belohnen.“

Das gelang Hertha in den Heimspielen gegen die Champions-League-Starter Schalke (0:2) und Leverkusen (0:1) nicht. Gegen Augsburg sollte etwas gehen. Die Gäste haben von ihren 16 Punkten nur drei in der Fremde geholt.