Fans mögen sich an den Zahlen ergötzen. Hertha BSC hat eine erstaunliche Bilanz gegen Bayer Leverkusen. Seit sechs Jahren haben die Berliner gegen Leverkusen nicht mehr verloren. Drei Siege und vier Unentschieden weist Hertha seit 2007 gegen den Dauerteilnehmer an der Champions League auf. Manager Michael Preetz sagt jedoch: „Statistiken beeinflussen nicht das Selbstbewusstsein der Spieler. Selbstbewusstsein holen sich Spieler aus eigenen starken Auftritten.“ Gut möglich, dass Sebastian Langkamp zum Zweck der Eigenmotivation bei Youtube vorbeischaut, der größten Videoplattform im Internet. Dort ist jene Szene aus dem Dezember 2008 zu betrachten, die im Anschluss sogar bei ESPN in den USA gezeigt wurde.

Langkamp-Treffer aus 42 Metern

Langkamp, damals 21 Jahre jung, spielte seine erste Bundesliga-Saison mit dem Karlsruher SC. Er grätschte irgendwo am Mittelkreis in einen Konter von Bayer Leverkusen. „Ich wollte den Ball einfach nur weghauen und klären. Ich bin reingegrätscht, habe mich sofort umgedreht, um wieder zurückzulaufen“, sagte Sebastian Langkamp. Und dann wurde es auf einmal sehr laut im Stadion. „Plötzlich sehe ich, wie unsere Fans jubeln, drehe mich um – und der Ball liegt im Leverkusener Tor.“

Im Nachhinein stellte sich heraus, dass es eine Bogenlampe aus 42 Metern war, die sich über dem sichtlich verdutzten Bayer-Torwart Rene Adler ins Tor senkte. Der KSC, der in Abstiegsnöten steckte, gewann 1:0 durch den ersten Bundesliga-Treffer seines Innenverteidigers. Langkamp, seit Saisonbeginn bei Hertha BSC tätig, schmunzelt: „Auch heute werde ich darauf noch oft angesprochen. Das ist schon lustig. Da blickt man immer wieder gern zurück, das bleibt fürs Leben.“

Sami Hyypiä warnt vor Hertha

Am Sonnabend empfängt Hertha BSC, mit Langkamp, Bayer Leverkusen (Olympiastadion, 15.30 Uhr). Die Ausgangssituation ist wie immer: Die Gäste, die in der Königsklasse Kurs Richtung Achtelfinale halten, stöhnen über die Dreifach-Belastung und die Länderspiel-Reisen. „Hertha spielt gut diese Saison, es wird nicht einfach für uns“, sagte Bayer-Trainer Sami Hyypiä, „Zumal einige unserer Nationalspieler eine sehr lange Reise über Tausende Kilometer hinter sich haben. Das ist nicht ideal.“

Bei allem Respekt hofft Aufsteiger Hertha auf seine Chance. Trainer Jos Luhukay sieht eine Menge Ähnlichkeiten. „Da treffen zwei Mannschaften aufeinander, die totale Offensive predigen. Beide pflegen gutes Kombinationsspiel. Beide wollen rasch Möglichkeiten herausspielen. Da begegnen sich zwei Teams, die eine ähnliche Philosophie haben.“

Manager Preetz wünscht sich einen Sieg

Aber keine Bange, Luhukay ist die bisher über Erwarten gut verlaufene Saison – Hertha liegt auf Rang sieben – nicht zu Kopf gestiegen. „Natürlich spielt Leverkusen seit Jahren auf Topniveau, nicht nur national, sondern auch international. Sie sind uns einige Schritte voraus.“ Der Trainer lobt die individuell „herausragend besetzten“ Gäste. Die Qualität von Heung-Min Son und Sydney Sam „im blitzschnellen Umschaltspiel“.

Und die „seit Jahren anhaltende hohe Effizienz“ von Torjäger Stefan Kießling. Die Motivation bei Hertha formulierte Manager Preetz: „Hertha hat gegen Bayern und Schalke zwei gute Spiele abgeliefert, ist aber zwei Mal als Verlierer vom Platz gegangen. Das wurmt die Mannschaft. Sie will sich jetzt belohnen und im dritten Anlauf einen Sieg gegen eine Topmannschaft, die in der Champions League startet, einfahren.“

Schulz und Burchert fallen aus

Personell wird es beim Hauptstadtklub eng auf der linken Seite. U21-Nationalspieler Nico Schulz laboriert an den Nachwirkungen einer Beckenprellung, er fällt aus. Änis Ben-Hatira wird weiter von Problemen am Schambein geplagt. Sein Einsatz entscheidet sich kurzfristig. Zudem fehlt Ersatztorwart Sascha Burchert (Fußverletzung).

Ausreden lässt Luhukay nicht gelten. Gefragt, wie geknickt die tunesischen Nationalspieler Ben-Hatira und Sami Allagui nach dem K.o. in der WM-Qualifikation sind (0:0/1:4 gegen Kamerun), sagte der Trainer: „Beide sind unterschiedliche Charaktere. Aber das müssen sie verkraften.“ Die Mannschaft hat sich einiges einfallen lassen, um das Duo auf positive Gedanken zu bringen. Allagui sagte zur Partie gegen den Tabellendritten: „Wir müssen darauf achten, hinten keine Fehler zu machen. Bayer ist unglaublich stabil und spielt mit Bayern und Dortmund fast in einer anderen Liga.“ Langkamp hat schlechte Erinnerungen an Bayer-Torjäger Kießling: „Gegen Augsburg hat er mal einen Kopfballtreffer gegen mich gemacht. Da müssen wir auf der Hut sein. Es wird Zeit, dass wir die Gegentore bei Standardsituationen abschalten.“

Der Matchplan von Luhukay: „Leverkusen ist eine unglaubliche Herausforderung. Wir müssen einen sehr guten Tag haben – und ein Quäntchen Glück.“