Hertha-Torwart

Thomas Kraft antwortet seinen Kritikern mit Topleistung

Der Torwart von Hertha BSC sollte gegen die TSG Hoffenheim zur Pause ausgewechselt werden. Dazu kam es jedoch nicht. Trainer Luhukay lobt: „Thomas ist ein klasse Torwart. Es geht wieder bergauf.“

Foto: Uwe Anspach / dpa

„Jungs, ich kann nicht. Ich hab’ Schmerzen“, sagte Thomas Kraft, als er nach dem Duschen durch die Katakomben der Rhein-Neckar-Arena von Sinsheim marschierte und die wartenden Journalisten erblickte. Ein paar Sätze sollte Herthas Torwart am Sonnabend nach dem 3:2 (1:0) seiner Mannschaft gegen die TSG 1899 Hoffenheim sagen. Schließlich war es ein Sieg, den die Berliner auch den diversen Paraden ihres Schlussmannes zu verdanken hatten.

Dass seine Kollegen dies durchaus zu schätzen wussten, zeigte sich, als nach dem Schlusspfiff das Innenverteidiger-Pärchen Fabian Lustenberger/Sebastian Langkamp schnurstracks zu Kraft lief, um ihn zu umarmen. Reden aber wollte der 25-Jährige danach nicht. Zumindest nicht mit den Berliner Journalisten. Sie hatten ihn unter der Woche noch heftig für drei Patzer kritisiert, die Hertha gegen den FC Bayern (2:3) und Schalke 04 (0:2) um den verdienten Lohn gebracht hatten. Kraft ist ein ziemlich stolzer Torwart, der derartiger Kritik wenig abgewinnen kann.

Sascha Burchert hatte sich bereits sein Trikot angezogen

Reden aber wollte sein Trainer Jos Luhukay über Krafts Leistung: „Eigentlich hätte Thomas schon in der Pause raus gemusst, denn er hatte Schmerzen“, sagte der Niederländer. Schon im ersten Durchgang musste Kraft sich an der Leiste behandeln lassen. Ersatzmann Sascha Burchert machte sich warm und hatte in der Halbzeitpause schon das Trikot angezogen, als sich Kraft entschied, weiterzuspielen. „Er hat sich heute durchgebissen“, sagte Luhukay. Auch der 50-Jährige hatte Kraft nach einem Fehler beim Herauslaufen gegen Schalke nicht geschont. „Wenn er rauskommt, muss er den Ball haben. Also ist es ein Fehler“, hatte Luhukay nach dem Spiel gegen die Königsblauen gesagt.


Die Antwort von Kraft auf die Kritiken: Der Torsteher zeigte in Hoffenheim seine beste Saisonleistung. Als die Kraichgauer immer wütender im zweiten Durchgang auf das Berliner Tor drängten und zu Chancen kamen, parierte Kraft mehrfach im Eins-gegen-Eins – erst gegen Fabian Johnson (49. Minute), dann gegen Kevin Volland (51./72./ 90.+1.). Der Kapitän der U21-Nationalmannschaft, der in dieser Saison bereits sechs Mal getroffen hatte, fand an diesem Tag kein Vorbeikommen an Kraft. Beim Freistoß zum 2:2 durch Sejad Salihovic nahm ihm Langkamp die Abwehrchance, als der Innenverteidiger zurück auf die Grundlinie sprintete, Kraft damit behinderte und unter dem Ball hindurchsprang (80.).

Extralob von Trainer Luhukay

Luhukay fand diesmal nur lobende Worte für seinen Torwart: „Das war nur ein Thema außerhalb von Hertha BSC. Innerhalb nicht. Heute hat Thomas gezeigt, was er für ein klasse Torwart er ist und dass es bei ihm wieder bergauf geht“, sagte Luhukay. Weil das aber auch als ein kleines Eingeständnis einer Kraft-Krise der vergangenen Wochen zu lesen wäre, schob Herthas Trainer noch schnell folgenden Satz nach: „Daran haben wir aber nie gezweifelt.“