Bundesliga

Hertha sehnt sich nach Belohnung - und will auswärts siegen

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Jörn Meyn und Sebastian Fiebrig

Foto: Boris Streubel / Bongarts/Getty Images

Herthas Trainer Jos Luhukay fordert mehr Effizienz von seiner Mannschaft und gegen Hoffenheim den ersten Auswärtssieg in dieser Saison. Mut macht dem Niederländer dabei eine große Schwäche der TSG.

Sebastian Langkamp hat sich seit seiner Ankunft in Berlin im vergangenen Sommer beharrlich den Ruf erarbeitet, ein ziemlich eloquenter Bursche zu sein. Wenn sich das Taktische mal nicht erschließt, frag’ Langkamp! Wenn es auch mal ein paar kritische Einordnungen sein dürfen, frag’ Langkamp! Dann plaudert der 25 Jahre alte Innenverteidiger von Hertha BSC los, erklärt lang und breit und – das kommt ja nicht allzu oft vor in der Branche – danach ist man schlauer.

Vor der Partie seiner Mannschaft beim Tabellenneunten TSG 1899 Hoffenheim am Sonnabend (15.30 Uhr/im Liveticker bei immerhertha.de) benötigte Langkamp jedoch keine ausschweifenden Reden, um seine und die Gemütslage seiner Kollegen zu erläutern.

Zwei Sätze genügten: „Ein Auswärtsdreier wäre mal schön. Wir arbeiten dran“, sagte der ehemalige Augsburger. Eine feine Sache wäre das für Langkamp und Hertha in der Tat, hatte es doch bei den bisherigen fünf Versuchen in der Fremde in dieser Saison nie zum Sieg gereicht. Drei Remis, zwei Pleiten, das heißt, nur drei Punkte brachten die Berliner von ihren Auswärtsreisen mit.

28 Torschüsse und nur zwei Treffer

Ein bisschen frustrierend ist das für Langkamps Partner im Abwehrzentrum, Fabian Lustenberger, besonders deshalb, weil das Team nach eigener Einschätzung eigentlich etwas mehr verdient gehabt hätte: „Ich glaube, dass wir auswärts gute Spiele hatten“, sagte der Hertha-Kapitän. „Es fehlen vielleicht noch die letzten paar Prozent, um die Spiele zu gewinnen.“

Allerdings müsse man beachten, dass man auswärts bisher ja auch nicht gegen die allereinfachsten Gegner antreten musste. „In München, in Hannover und gegen welche, die schwierig zu spielen sind wie Freiburg“, sagte der Schweizer.

Da habe sich schließlich auch der übermächtige FC Bayern mit nur einem Punkt zufriedengeben müssen. Dennoch sei es an der Zeit, „auch einmal auswärts zu siegen“.

Für Jos Luhukay steckt in der Feststellung, vor fremden Publikum zwar gut gespielt aber zu wenig Punkte gesammelt zu haben, eine höhere Wahrheit, welche der Cheftrainer auf das gesamte Abschneiden seiner Mannschaft in den vergangenen Wochen überträgt: „Die Eindrücke, die wir hinterlassen, sind positiv. Nur die Ergebnisse passen nicht“, sagte Luhukay.

Fünftbeste Abwehr der Liga

Zweimal war Hertha zuletzt gegen die Champions-League-Teilnehmer München (2:3) und Schalke (0:2) keineswegs das schlechtere Team. Dennoch musste der 50-Jährige mitansehen, wie Hertha erstmals unter seiner Führung zweimal hintereinander verlor. Diskussionen über mangelnde Abwehrkräfte bei hohen Bällen (vier von fünf Gegentoren kassierten die Blau-Weißen dabei durch Kopfbälle) gehen Luhukay an der eigentlichen derzeitigen Unzulänglichkeit seiner Mannschaft vorbei.

Mit insgesamt nur 14 Gegentoren belege der Aufsteiger schließlich Platz fünf unter den Abwehrreihen der Liga. „Unser Problem liegt nicht in der Defensive“, sagte Luhukay. „Es lag zuletzt in unserem Offensivverhalten.“ Man habe sich zahlreiche Chancen erspielt (28 Torschüsse in den beiden Spielen zusammen), aber eben zu wenige Tore geschossen (2).

„Wir stolpern da manchmal über uns selbst“, sagt der Niederländer und formuliert eine klare Forderung an seine Offensivabteilung: „Wir brauchen im gegnerischen Strafraum mehr Effizienz. Wir sind noch nicht in der Lage, uns mit Toren für gute Spiele zu belohnen.“

Respekt vor Hoffenheims Angriffstrio

Wie man das macht mit der Effizienz, zeigte Luhukay seiner Mannschaft am Mittwoch in der Videoanalyse des Gegners aus Hoffenheim. Mit 26 Treffern hat Trainer Markus Gisdol den zweitbesten Angriff der Liga – hinter Dortmund (31). „Die Offensivabteilung von Hoffenheim hat das, was wir noch brauchen“, sagte Luhukay.

Mit U21-Nationalmannschaftskapitän Kevin Volland (fünf Tore), dem Brasilianer Roberto Firmino (sieben) und dem bulligen, französischen Stoßstürmer Anthony Modeste (sechs) verfügen die Nordbadener über ein Angriffstrio, das zusammen mehr Tore (18) erzielt hat als alle Herthaspieler zusammen (17).

Er selbst, sagte Luhukay, habe eben nur Adrian Ramos, der als Stammspieler regelmäßig trifft (5). Sami Allagui habe seine fünf Treffer meist als Einwechselspieler gemacht. Und dann komme schon Ronny (drei Tore) – die personifizierte Ultima Ratio der Berliner in dieser Saison. „Wir haben zu wenige Spieler, die sich mit Toren beteiligen.

Das ist der nächste Schritt, den wir gehen“, so Luhukay. Vor allem die Mittelfeldreihe hinter Ramos mit Nico Schulz, Änis Ben-Hatira und Per Skjelbred müsse ihre Torgelegenheiten besser nutzen.

TSG ist die Schießbude der Liga

Eine Zahl dürfte Luhukay bei allem Ärger über den mangelnden Lohn für den eigenen hohen Aufwand zuversichtlich stimmen: 25. So viele Gegentreffer musste Hoffenheim in den vergangenen elf Spielen bereits hinnehmen – mehr als zwei pro Spiel.

Damit vereint die TSG neben dem Titel der zweitbesten Offensivmannschaft auch den der Schießbude der Liga auf sich. „Wenn meine Mannschaft vor dem Tor effizienter ist, dann haben wir da auch eine echte Chance zu gewinnen“, sagte Luhukay.

Die Sehnsucht nach Belohnung ist groß beim Niederländer. Gut spielen reiche ihm nach rund einem Drittel der Saison eben nicht mehr: „Wir bekommen viel Lob, aber ich möchte jetzt auch gern viele Punkte mit nach Hause nehmen.“