Gegen die Bayern

Herthas Thomas Kraft hätte das zweite Tor halten müssen

Drei Gegentreffer bei Herthas 2:3 gegen Meister Bayern München: Haben die Berliner ein Torwart-Problem? Einige Anhänger sagen: Ja. Die Statistik stärkt jedoch Schlussmann Kraft.

Foto: Tobias Hase / dpa

Thomas Kraft schlug mit der flachen Hand auf den Boden, stand auf, trat gegen Pfosten und hämmerte mit den Händen gegen das Aluminium. „Das ist ärgerlich“, schimpfte Kraft am Sonnabend, „ausgerechnet der kleinste Spieler auf dem Platz macht ein Kopfball-Tor.“

Gemeint war Mario Götze, der aus spitzem Winkel eine Flanke in die lange Ecke köpfte. An diesem Treffer konnte der Torwart von Hertha BSC nichts ausrichten, hier patzten die Defensivkollegen Peter Pekarik und Tolga Cigerci.

Doch Kraft war bei den ersten beiden Bayern-Toren beteiligt. Die Rückkehr zu jenem Verein, in dem er ausgebildet worden war und den Sprung ins Profigeschäft geschafft hatte, hat sich Kraft anders vorgestellt. Beim 1:1 von Mario Mandzukic lief der Schlussmann heraus, erreichte den Freistoß von Bastian Schweinsteiger jedoch nicht, so dass der Bayern-Stürmer den Ball problemlos ins leere Tor nicken konnte.

Kraft sagte: „Ich will da den Weg des Balles mitgehen. Ich kann nicht drinbleiben und auf der Linie hin und her laufen.“ Dennoch gilt in solchen Fälle die Regel: Wenn der Torwart rausgeht . . .

Guardiola: Mandzukic ist der beste Kopfballspieler der Welt

Dass es für die Torleute im modernen Profifußball schwierig ist, zeigte sich beim 1:2. Erneut köpfte Mandzukic ein, Kraft landet zu spät im bedrohten Eck, der Ball rutscht ihm durch die Hände. Im Internet sind sich viele Fans einig: klarer Fehler. Und die Diagnose ist auch klar: Hertha hat ein Torwartproblem. Kraft sagt: „Das zweite Tor ist meines, ich bin weggerutscht und komme dann nicht mehr richtig runter.“

Um die Szene zu verstehen, muss man aber anfügen, dass der Hertha-Torwart nicht ausbügeln konnte, was zuvor passiert war. Hertha-Trainer Jos Luhukay geht mit der Aufstellung von Fabian Lustenberger (1,80 Meter) als Innenverteidiger stets das Risiko ein, dass der Hertha-Kapitän von einem wuchtigen Angreifer übersprungen wird. Wie von Mandzukic in jener 51. Minute. Bayern-Trainer Pep Guardiola: „In diesen Situation ist Mario der beste Kopfball-Stürmer der Welt.“

Niemand spricht von den Kraft-Paraden

Zudem gehen in der Beurteilung mancher Anhänger, Kraft habe die Partie verloren, die guten Szenen des Torwartes unter. Jene Parade gegen einen 13-m-Schuss von Toni Kroos (19.). Oder seine Ruhe beim Hackentrick von Ribery, als Kraft in der kurzen Ecke stehen bleibt und das 2:4 verhindert (83.).

Dass Kraft von den eigenen Fans kritisch gesehen wird, hat mehrere Gründe.

Der Schatten der Fiedler-Entlassung

So haben einige nicht vergessen, dass der Klub im Sommer die Entlassung des ehemaligen Torwarttrainer Christian Fiedler damit begründet hatte, dass die Hertha-Torwarte besser werden sollen. Nun wird bei jedem Torwartfehler dessen Nachfolger Richard Golz angeschaut: Und? Ist Kraft nun besser? Die Zahlen jedoch sagen anderes aus. Hertha (zwölf Gegentore) stellt die viertbeste Defensive der Liga. Daran hat auch Thomas Kraft seinen Anteil.