Hertha

Nach 439 Minuten - Ramos beendet Torflaute im richtigen Moment

Weil der an den HSV ausgeliehene Pierre-Michel Lasogga derzeit Tore am Fließband schießt, kamen Zweifel an Herthas Personalpolitik auf. Nun bringt Adrian Ramos die Kritiker zum Schweigen.

Foto: Ole Spata / dpa

Adrian Ramos ist ein ziemlich schweigsamer Geselle. Und so hatte Herthas kolumbianischer Angreifer am Sonntagmorgen auch keine Lust, über sein Siegtor beim 1:0-Erfolg der Berliner gegen Borussia Mönchengladbach zu parlieren. Kopfschüttelnd stapfte der 27-Jährige nach dem obligatorischen Auslaufen vom Schenckendorffplatz und verschwand fix in die Kabine.

Treffer gegen den Ex-Trainer

Dabei hätte der schlanke Stürmer gute Gründe dafür finden können, vielleicht doch ein paar Worte zu verlieren. Denn seit der 36. Spielminute der Partie gegen seinen Ex-Trainer Lucien Favre darf dieses kleine Gespenst, das sich da in den vergangenen Wochen heimlich umzutreiben begann, offiziell als vertrieben bezeichnet werden. 439 Minuten nämlich dauerte die Durststrecke, in der Ramos toremäßig auf dem Trockenen saß.

Nachdem er am ersten Spieltag gegen Eintracht Frankfurt (6:1) fulminant mit zwei Treffern in die Saison startete und auch gegen den Hamburger SV (1:0) erfolgreich war, blieb Ramos in den fünf Spielen danach ohne eigenes Tor. Als zeitgleich auch noch der zum HSV verliehene Pierre-Michel Lasogga für die Hanseaten am Fließband zu treffen begann, fragte sich mancher, ob die Berliner nicht doch auf den falschen Stürmer gesetzt hätten.

Luhukay hatte nie Zweifel am Kolumbianer

Jos Luhukay hat diese Zweifel nie gehabt. Herthas Trainer hatte sich früh auf Ramos als seinen Stürmer Nummer eins festgelegt und sieht sich nun erneut bestätigt: „Adrian ist einfach sehr wichtig für uns“, sagte der Niederländer am Sonntag. „Mit ihm können wir kombinieren und schnell umschalten, weil er technisch gut und sehr schnell ist.“

Das Erfolgserlebnis nach wochenlanger Torlosigkeit sei für ihn wichtig, aber auch ohne eigene Treffer sei Ramos ein elementarer Bestandteil für den Berliner Erfolg: „Er hatte eine kleine Durststrecke. Aber das hat seine Leistung nicht geschmälert. Adrian war auch in den vergangenen Spielen wichtig für uns.“ So bereitete Ramos gegen Mainz (3:1) vor drei Wochen den Ausgleichstreffer von Sami Allagui vor, der zur Wende im Spiel führte.

Spezialität von Ramos sind die Führungstreffer

Nun aber hat Ramos seinen zwischenzeitlich verloren gegangenen Torinstinkt wiedergefunden und gleichsam eine Qualität, die ihn bereits in der vergangenen Zweitligasaison auszeichnete: Da hatte der Angreifer bei elf Treffern zehn Mal das erste Tor für Hertha im Spiel erzielt und die Blau-Weißen damit oft in die Erfolgsspur geschoben. Sein Kopfballtor gegen Borussia nun war das dritte 1:0 durch Ramos in dieser Saison. „Das ist seine Klasse“, befand Luhukay. Jetzt hofft er, dass Ramos bald eine weitere Durststrecke beendet: Bisher hat er auswärts noch nicht getroffen. Beim FC Bayern am Sonnabend wäre ein guter Zeitpunkt, damit anzufangen.