Bundesliga

Hertha BSC holt in Hannover hochverdient einen Punkt

Ronny erlöste Hertha in der 81. Minute. Der Einwechselspieler verwandelte einen Freistoß zum hochverdienten Punktgewinn in Hannover. Trainer Luhukay bewies wieder einmal ein goldenes Händchen.

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Als er zum Freistoß anlief, brüllten die 2500 mitgereisten Hertha-Fans schon seinen Namen: „Ronnyyy!“

Eben erst wurde Herthas Mittelfeldspieler elf Minuten vor Spielende eingewechselt. Nun lag der Ball in 18 Meter Entfernung vom Tor von Hannover 96 zum Freistoß für ihn parat. Langer Anlauf. Dann drosch Ronny das Spielgerät mit seinem allerersten Ballkontakt durch die Mauer hindurch in den Torwinkel.

Der Ausgleich in der 81. Minute, der den Berlinern einen hochverdienten Punktgewinn beim 1:1 (0:1) gegen die heimstarken Hannoveraner sicherte. Damit bleibt der Aufsteiger für zumindest 24 Stunden auf Tabellenplatz fünf.

Ben-Hatira als Spielmacher

„Das war wie ein Kanonenschlag“, sagte Herthas Manager Michael Preetz nach der Partie. „Das war, ehrlich gesagt, fast unfassbar. Ein unglaubliches Tor.“ Und auch Trainer Jos Luhukay schwärmte: „Das war ein fantastisches Tor. Nach so viel Aufwand, den wir betrieben haben, war dieser Ausgleich verdient.“

Der Weg zum dritten Saison-Remis der Blau-Weißen war ein langer und schwerer. Zunächst war der Plan der Gäste vor 46.500 Zuschauern nur gut 20 Minuten aufgegangen. Hertha verteidigte bei den Gastgebern, die die ersten vier Heimspiele alle gewonnen hatten, extrem aggressiv.

Zum Teil hatte Hannover Schwierigkeiten, den Ball überhaupt aus dem eigenen Strafraum herauszuspielen, so offensiv gingen die Berliner die Partie an. 96 kam anfänglich nicht zu den schnellen Offensivaktionen, welche die Mannschaft von Trainer Mirko Slomka auszeichnen.

Erstes Tor fiel auf der Gegenseite

In einer intensiven Partie hatten die laufstarken Gäste die erste Chance: Nico Schulz zog aus 14 Metern ab, Hannovers Torwart Ron-Robert Zieler konnte den Ball mit den Fingerspitzen aus dem Eck holen, am Abpraller rutschte Sami Allagui nur um den Bruchteil einer Sekunde vorbei (20.).

Das erste Tor der Partie fiel aber auf der Gegenseite: Nach einer Ecke der Niedersachsen klärte Hajime Hosogai den Ball per Kopf direkt vor die Füße von Christian Schulz. Der Hannoveraner zog wuchtig aus 13 Metern ab und hatte Glück, dass der Ball durch die Beine von Sebastian Langkamp zum 1:0 ins Netz rauschte (23.).

Nun zog sich 96 noch weiter zurück und ließ Hertha anrennen. Das Team von Trainer Luhukay startete diverse Konter. Doch es fehlte an der Präzision beim letzten Pass. Zudem gingen sowohl Schulz als auch Änis Ben-Hatira, der für Ronny auf der Spielmacherposition beginnen durfte, schludrig mit guten Gelegenheiten um.

Qualitäten mit einem ruhenden Ball

Nach der Pause gab es Hektik bei Bastian Dankert, dem Vierten Offiziellen an der Mittellinie. Aufgebracht forderten Herthas Torwarttrainer Richard Golz und die Co-Trainer Markus Gellhaus sowie Rob Reekers einen Elfmeter. Adrian Ramos war zu Fall gekommen, aber Schulz hatte zuvor den Ball gespielt, kein Grund zur Aufregung (54.) also.

Nun waren die Gäste am Drücker. Der agile Adrian Ramos setzte sich auf der linken Seite durch, bediente Ben-Hatira in der Mitte, der den Ball in die lange Ecke befördern wollte. Doch vom rechten Pfosten prallte die Kugel zurück ins Feld (58.).

In der 70. Minute verpasste Ramos eine Eingabe von Schulz. Wenig später spielte Per Skjelbred Ramos im 96er-Strafraum frei. Der Herthaner konnte sich die Ecke aussuchen – schob den Ball aber links am Tor vorbei (72.). „Das muss vielleicht schon ein Tor sein“, haderte Luhukay später.

Das fiel dann erst kurz darauf: Nach 79 Minuten brachte Luhukay mit Ronny und Stürmer Sandro Wagner frische Kräfte (für Ramos und Allagui). Schiedsrichter Günter Perl tat Hertha den Gefallen, pfiff 18 Meter vor dem 96-Tor einen Freistoß.

Und endlich bewies der Brasilianer seine Qualitäten mit einem ruhenden Ball auch in der ersten Liga. Bei Ronnys Freistoßkracher schob Wagner in der Hannoveraner Mauer eine kleine Lücke frei, exakt dort hindurch jagte Ronny den Ball hoch in den linken Winkel, Nationaltorwart Zieler schaute regungslos zu, 1:1 (81.).

„Was die Schusskraft angeht, hat Ronny eine fast einzigartige Qualität“, sagte Luhukay, der den Topscorer der vergangenen Saison (18 Tore, 14 Vorlagen) noch unter der Woche kritisiert hatte. „Er ist noch nicht da, wo er im vergangenen Jahr gewesen ist“, hatte der Niederländer am Mittwoch gesagt. Nach dem Spiel lag Genugtuung in Luhukays Worten: „Bei diesem fantastischen Freistoß war vielleicht auch etwas Frust dabei.“

Luhukays goldenes Händchen

Der 50-Jährige hatte in Hannover wieder einmal ein goldenes Händchen bei den Einwechslungen: Ronnys Ausgleich war bereits der fünfte Treffer eines Einwechselspieler in dieser Saison – Ligaspitze.

Hannover versuchte am Ende noch einmal alles. Doch weil Herthas Keeper Thomas Kraft den Kopfball von Artur Sobiech glänzend parierte, blieb es beim letztlich gerechten Unentschieden. „Die Art und Weise, wie wir hier gespielt haben, macht mich sehr zufrieden“, sagte Luhukay und lächelte.