Trainer Jos Luhukay führt zurzeit sehr viele Gespräche. Deutlich sichtbar war das am Tag nach dem Sieg über Mainz, als der Niederländer lange mit seinem Kapitän Fabian Lustenberger in der Mitte des Trainingsplatzes stand und auf ihn einredete. In der Zwischenzeit ging Ronny vom Platz. Er konnte schon wieder lachen, nachdem er am Vortag noch mit Unverständnis und Frust auf seine Auswechslung reagiert hatte.
Doch auch für den Brasilianer wird es eine längere Unterredung mit seinem Trainer geben. Der sieht noch viel Potenzial in der Leistung des Aufstiegshelden der vergangenen Saison: „Ich werde mit ihm sprechen. Ronny hat unser Vertrauen bekommen, durfte in den letzten drei Liga-Partien von Beginn an spielen. Doch er zeigt noch nicht das Niveau des letzten Jahres.“
Nach der Kreuzbandverletzung von Alexander Baumjohann ist der Platz im zentralen Mittelfeld bei Hertha vakant. Für Ronny eigentlich die Chance, die immer wieder geäußerten Zweifel an seiner Bundesligatauglichkeit zu widerlegen. Allerdings ist es nicht die immer wieder thematisierte Fitness, die den Brasilianer behindert. Die körperliche Verfassung ist zwar noch nicht so, dass Luhukay den Mittelfeldspieler in drei Spielen innerhalb von einer Woche einsetzen würde, doch das ist nicht entscheidend.
Nicht mehr konkurrenzlos
Manager Michael Preetz bringt es auf den Punkt: „Es fehlt an Tempo. Ronny hat noch nicht das Gefühl gefunden für die richtigen Entscheidungen. Er hat gegen Stuttgart ein gutes Spiel gemacht. Aber gegen Freiburg und Mainz war das nicht genug.“ Die Bemühungen sind dem Brasilianer nicht abzusprechen, doch manchmal trennt er sich zu spät vom Ball, oder er schafft es nicht, sich als Anspielstation anzubieten. Selbst bei den Standardsituationen, Herthas stärkster Waffe in der zweiten Liga, kann er sich noch nicht richtig in Szene setzen. Das mag zu einem großen Teil am verbesserten Kopfballspiel in der Bundesliga im Vergleich zum Unterhaus liegen.
Trotz der langwierigen Verletzung von Baumjohann ist Ronny im zentralen Mittelfeld nicht konkurrenzlos. Sowohl Leihspieler Tolga Cigerci als auch Änis Ben-Hatira können die Rolle übernehmen. Vor allem der tunesische Nationalspieler hat sich gegen Mainz nach der Auswechslung von Ronny eine halbe Stunde für eine Weiterbeschäftigung auf dessen Position beworben.
Integration von Ronny soll gelingen
Änis Ben-Hatira hat nie einen Hehl daraus gemacht, dass er am liebsten hinter den Spitzen spielen würde. Sein Trainer kam nicht umhin, ihn für den Einsatz zu loben: „Er hat diese Unberechenbarkeit in seinem Spiel und hat das sehr gut umgesetzt. Man muss schon sagen, dass er da aufgeblüht ist und in der Entstehung der Tore sehr wichtig war.“
Sowohl der Manager als auch der Trainer sind sich aber einig, dass es für das Team am besten wäre, wenn die Integration von Ronny gelingt. „Er ist weiter ein wichtiger Bestandteil des Teams“, machte Preetz deutlich. Auch Luhukay sagte klar: „Ich habe von Anfang an keinen Druck auf Ronny aufgebaut, weil ich weiß, wie hart die Bundesliga ist. Da müssen wir als komplettes Team bestehen. Da verzeihe ich ihm auch, wenn er nach einer Auswechslung aus Frust eine Flasche umtritt. Das ist menschlich. Schlimmer wäre, wenn er lachend vom Platz gehen würde.“





