Maik Franz ist gut gelaunt, als er von einer längeren Einheit vom Trainingsplatz kommt. Auf seine Situation bei Hertha angesprochen, sagt er ohne zu zögern: „Ich bin glücklich.“ Dann macht der Verteidiger eine Pause. Er weiß selbst, dass er in dieser Saison noch keine einzige Sekunde gespielt hat. Und er fügt an: „Das klingt vielleicht blöd, aber ich bin wirklich glücklich.“ Als wirkliche Leidenszeit betrachtet er seine Verletzungen, die ihn fast eineinhalb Jahre aus der Bahn geworfen haben. Nun stehen die Chancen gut, dass er am Freitag gegen Stuttgart nach fast zwei Jahren wieder ein Bundesligaspiel bestreiten kann.

„Ich bin einfach froh, dass ich seit Beginn der Vorbereitung jedes Training mitmachen konnte. Jetzt fühle ich mich gut und fit und mache auch die Extraschichten für meine Knie und die Schulter“, sagte der Abwehrspieler am Rande des Trainingsplatzes.

Ein Kreuzbandriss veränderte alles

Am 3. Dezember 2012 riss ihm in Kaiserslautern das Kreuzband. Ein einschneidendes Erlebnis. Als er vom Platz getragen wurde, stand Hertha noch im gesicherten Bundesliga-Mittelfeld auf Platz neun. Nach gut acht Monaten konnte er wieder mit der Mannschaft den Rasen betreten. Doch statt sich auf eine erneute Erstligasaison vorzubereiten, stand das Team wieder vor einer Zweitliga-Spielzeit. Doch schon im September verletzte er sich erneut. Wieder auf dem Betzenberg in Kaiserslautern. Dieses Mal musste er an der Schulter operiert werden.

Danach benötigte er lange, um wieder Anschluss zu finden an ein Team, dass in der Zweiten Liga zu einer Einheit verschmolz. Zudem fand sich in der Innenverteidigung mit Nachwuchsspieler John Brooks, 20, und dem jetzigen Kapitän Fabian Lustenberger ein sicheres Duo. Für Jos Luhukay gab es keinen Anlass, dieses Paar auseinanderzureißen.

Die Rückkehr auf den Platz ist für Maik Franz schwierig. Doch der 32-Jährige, der auf dem Feld gerne hart zur Sache geht, lamentiert nicht über seine fehlende Einsatzzeit. „Das muss man anders sehen“, fängt er an. „Ich darf den schönsten Job ausüben, den es gibt und bin jetzt im 13. Jahr Profifußballer. Jetzt habe ich eine lange Zeit hinter mir, in der mir das durch Verletzungen genommen wurde. Ich durfte nicht mit ins Stadion einlaufen und war brutal weit hinten dran. Deshalb kann ich meine Situation jetzt ganz gut einordnen.“

Der Ehrgeiz ist bei dem Verteidiger nicht weg. Davon konnte sich in der vergangenen Woche jeder Beobachter bei der Niederlage im Test gegen den FC Erzgebirge Aue (1:3) ein klares Bild machen. Da kam Jakub Sylvestr vom Zweitligisten nach einem Zweikampf mit Franz im Strafraum zu Fall. Der Schiri entschied zwar auf Weiterspielen, doch Franz ist plötzlich wieder in der Rüpel-Rolle. Ein Etikett, das ihm schon lange anhaftet. Nase an Nase steht er sich mit dem Auer Angreifer gegenüber. So ist er bekannt. Aufbrausend, hitzig, kompromisslos. Dieses Image pflegt er als „Iron Maik“. „In der Situation war ein bisschen Feuer drin“, gab er danach lachend zu.

An einem Handicap, das seine Einsatzchancen zu Saisonbeginn auf null reduzierte, hat er selbst einen Anteil. Im letzten Zweitliga-Spiel gegen Cottbus (1:1) kassierte er für eine Notbremse die Rote Karte und wurde daraufhin für die ersten zwei Bundesligaspiele gesperrt. „Ich wusste, dass ich dadurch nach der Vorbereitung hinten dran sein werde.“ Zusätzlich war Hertha erfolgreich gestartet. Der Trainer hatte kaum Grund zu wechseln. Zumal Luhukay auch im Fußballoberhaus seinen Kapitän Fabian Lustenberger durchaus in der Innenverteidigung einsetzt.

Konkurrent Langkamp fällt aus

„Ich bin aber überhaupt nicht sauer, wenn ich nicht spiele. Auch wenn ich natürlich enttäuscht bin, dass ich nicht berücksichtigt werde.“ Wie am 3. Spieltag, als er nach der abgelaufenen Sperre endlich wieder hätte im Kader stehen dürfen, aber Jos Luhukay auf ihn verzichtete. „Da brauchte ich ein paar Stunden, um das zu verarbeiten. Aber dann konnte ich das wieder einordnen.“

Nun winkt Franz ein Ende seiner Durststrecke. Das aktuelle Verletzungspech von Hertha wird seine Rückkehr beschleunigen. Am Freitag, wenn Hertha den VfB Stuttgart im Olympiastadion empfängt, wird Konkurrent Sebastian Langkamp wegen eines Muskelfaserrisses ausfallen. Innenverteidiger-Rivale Roman Hubnik wurde Anfang vergangener Woche an den tschechischen Klub Viktoria Pilsen verkauft. Somit sucht Trainer Jos Luhukay einen Innenverteidiger. Dafür kommt einerseits Kapitän Fabian Lustenberger in Frage. Oder eben Maik Franz, der sein erstes Bundesligaspiel seit jenem Dezembernachmittag in Kaiserslautern 2011 bestreiten will. Franz ist die routinierte Lösung: Der 32-Jährige kennt nach 192 Erstliga-Einsätzen das Geschäft.

Gleichwohl ist Franz lange genug dabei. Und er weiß, dass man sich als Profi manchmal auch zurückhalten können muss. Zumal er noch einen Vertrag bis 2015 besitzt. Er fordert öffentlich keinen Einsatz.

Stattdessen sagt er mit Blick auf die verletzten Kollegen: „Solche Verletzungsphasen sind einfach schlimm. Marcel Ndjeng weiß beispielsweise nicht, wie lange er noch ausfällt. Deshalb genieße ich die Situation, dass ich spielen könnte. Darum bin ich froh und glücklich“ – selbst wenn Franz nur Runden um den Platz dreht.