Bundesliga

Kampfansage von Trainer Luhukay kommt bei Hertha gut an

Jos Luhukay überraschte mit seiner Ansage, auch in der Bundesliga wolle Hertha das Olympiastadion zur Festung machen. Größenwahn? Keineswegs, sagen die Spieler.

Foto: Rainer Jensen / dpa

Damit es vor der großen Kulisse im Berliner Olympiastadion klappt, übt Hertha BSC derzeit auf einem verborgenen Waldsportplatz. Am Scharmützelsee, beobachtet von drei Dutzend Anhängern und vielen Mücken nimmt Trainer Jos Luhukay seine Profis in die Pflicht.

„Wir müssen die Bereitschaft wieder haben für das Miteinander. Das hat uns in der vergangenen Saison ausgezeichnet. Wenn wir in der Bundesliga bestehen wollen, muss jeder für jeden mitarbeiten.“ Also wird im Konditionstrainingslager nicht nur die Fitness, sondern auch der Zusammenhalt verbessert.

Der Trainer hat seine Mannschaft überrascht. Mit einer für Hertha-Verhältnisse sensationell selbstbewussten Ansage. Beim Vobereitungskick in Strausberg sagte Luhukay am Stadionmikrofon: „Ich möchte, dass wir auch in der kommenden Saison im Olympiastadion kein Heimspiel verlieren.” Er bezieht sich auf die vergangene Saison, als Hertha eben dieses Kunststück als einziger Mannschaft im deutschen Profifußball gelang.

Erschütternde Heimbilanz

Aber Luhukay ist weder ein Fantast noch ein Großmaul. Er weiß, dass die Heimstärke in der Zweiten Liga nachgewiesen wurde. Und er weiß, dass der Grund für die beiden bitteren Abstiege in den vergangenen drei Jahren jeweils Herthas desaströse Heimbilanz in der Bundesliga war. „Wie viele Heimspiel haben wir da im Olympiastadion gewonnen?“, stellt Manager Michael Preetz eine rhetorische Frage: „Eins und zwei?“

Genau gerechnet haben die Berliner 2011/12 von 51 möglichen Heimpunkten nur 15 geholt (vier Siege, drei Unentschieden, zehn Niederlagen). 2009/10 waren es lediglich neun Zähler (1/6/10). „Ist doch klar, dass das besser werden muss“, sagt Preetz. Und unterstützt den Trainer in dessen Herangehensweise: „Ich begrüße das ausdrücklich.“

Wer in der Bundesliga bleiben will, muss zu Hause regelmäßig punkten

Auch Luhukay weiß um den Ballast der Historie – und fordert, sich komplett davon zu lösen. „Die Grundlage für eine erfolgreiche Saison ist, dass du zu Hause regelmäßig punktest.“ Nun sind Trainer und Manager lange genug dabei, um zu wissen, dass Branche und Medien nichts so gern hören wie kernige Ansagen. Und sie kennen den Mechanismus, dass die Ansagen den Ansagern sofort aufs Brot geschmiert werden, falls sie sich in der Liga-Realität nicht erfüllen. Häme und Spott gibt es gratis dazu.

In der Mannschaft kommen die Ansprüche des Trainers jedoch anders an. Peer Kluge (32) verfügt über die Routine von 218 Erstliga-Einsätzen. „Natürlich wissen wir, dass es in der Bundesliga schwerer wird als in der Zweiten Liga. Aber es ist auch mein Anspruch, dass wir im Olympiastadion kein Spiel verlieren. Ob wir das hinbekommen, werden wir sehen.“ Levan Kobiashvili (35), 336-maliger Bundesliga-Spieler, sagt: „Ich habe in meiner Karriere viele Trainer erlebt. Jeder hat einen anderen Stil. Manche sagen in so einem Trainingslager: Wir haben heute dreimal Training. Ich will, dass du jedes Mal Vollgas gibst.“ Da sei Luhukay anders. „Er steckt Ziele, die weiter in der Zukunft liegen. Und damit sind wir gut gefahren.“

Schon mehrfach mit Ankündigungen für Aufsehen gesorgt

Schon mehrfach hatte Luhukay in Berlin mit seinen Ankündigungen für Aufsehen gesorgt. Etwa im vergangenen August, als der Trainer nach einem holprigen Saisonstart orakelte: „Wenn wir so weitermachen, werden wir ab Oktober nur noch sehr schwer zu schlagen sein.“ Die Skeptiker schüttelten den Kopf: ein klarer Fall von Realitätsverkennung. Luhukay habe wohl keine Ahnung, was nach der ersten Niederlage im November in der Medienstadt Berlin über ihn hereinbrechen werde.

Tatsächlich blieb das Team von August 2012 bis in den März dieses Jahres ungeschlagen und verlor nur noch eine Partie (0:1 in Dresden). Auch die anderen Vorgaben des Trainers erfüllten sich: Braunschweig überholen, Tabellenführung verteidigen, die Zweitliga-Meisterschaft holen, einen neuen Punkterekord aufstellen.

Peer Kluge verspricht: Niemand wird jetzt übermütig

Das sind vertrauensbildende Schritte für das Verhältnis Trainer/Mannschaft. Das Vorhaben, auch in der Bundesliga gegen Bayern und Dortmund eine weiße Heimweste zu behalten, ist für einen Aufsteiger so ehrgeizig wie riskant. Doch Kluge sagt: „Bei uns ist niemand übermütig. Wir wissen, was uns erwartet.“