Euro 2012

Für Philipp Lahm ist Spanien "das Maß aller Dinge"

Der Kapitän der Deutschen fordert seine Kollegen zur Verschwiegenheit auf - und richtet sich an den angeschlagenen Schweinsteiger.

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Am ersten vollen freien Tag während der EM-Endrunde nahm sich Philipp Lahm ein wenig Zeit für eine Hommage an den Welt- und Europameister Spanien. „Sie sind immer noch das Maß aller Dinge, sie gilt es zuschlagen. Wenn man die Raumaufteilung sieht, dann ist das beeindruckend, genauso, wie sie gegen den Ball arbeiten und den Gegner vom Tor weghalten“, sagte der Kapitän der deutschen Fußball-Nationalmannschaft am Sonntag auf der Pressekonferenz am Teamquartier „Dwor Oliwski“ in Danzig.

Lahm, der den 2:0-Erfolg der Iberer gegen Frankreich am Sonnabend im Fernsehen verfolgt hatte, wandte sich aber auch der Qualität des Kaders der Mannschaft von Bundestrainer Joachim Löw und zwei brennenden Themen zu.

In der „Maulwurf-Affäre“ vergatterte der 28 Jahre alte Weltklasseverteidiger von Bayern München die 22 Kollegen zu Verschwiegenheit. Und für das Halbfinale am Donnerstag in Warschau stellte der Kapitän klar, dass alle aufgebotenen Spieler topfit sein müssten – auch der angeschlagene Klubkollege Bastian Schweinsteiger.

Interna müssen bei der Mannschaft bleiben

„Dass man seiner Frau, Familie und was weiß ich wem Bescheid sagt, ist normal. Ich kann aber nicht die Aufstellung weitergeben, nicht meinem Berater, nicht meiner Frau oder wem auch immer. Das mache ich nicht. Das bleibt bei uns, ich kann mich mit den Mannschaftskameraden austauschen, mit dem Trainer, das sollte genug sein“, sagte Lahm, nachdem Wirbel um eine „Maulwurf-Affäre“ entstanden war.

Vor den bislang vier EM-Spielen der deutschen Mannschaft waren Stunden vor Anpfiff bereits Details zur Aufstellung bekannt geworden. Löw hatte sich dazu nach dem 4:2 im Viertelfinale gegen Griechenland verärgert geäußert.

Für Aufsehen sorgte auch ein Interview von Schweinsteiger, der öffentlich über seine Probleme mit dem rechten Sprunggelenk sprach und grundsätzlich Bereitschaft signalisierte, Platz für einen Kollegen zu machen, wenn er am Donnerstag Probleme hätte. „Wir brauchen fitte Spieler, das steht außer Frage. Wir stehen im Halbfinale einer Europameisterschaft, da können nicht zwei, drei, vier Prozent fehlen. Natürlich wäre es wichtig, wenn Bastian spielen könnte“, sagte Lahm, zeigte sich aber auch zuversichtlich: „Ich mache mir keine Sorgen um Bastian. Er wird wieder gut spielen.“

Schweinsteigers Saison war begleitet von schweren Verletzungen, einem Schlusselbeinbruch in der Hinrunde und einem Außenbandriss im rechten Sprunggelenk am 8. Februar im DFB-Pokal-Viertelfinale beim VfB Stuttgart. „Das ist nicht optimal verheilt. Aber die Zeit ist noch nicht gekommen, wo ich mich schonen kann. Wir haben hoffentlich noch zwei Spiele, da beiße ich mich durch. Danach muss ich allerdings sehen, dass ich endlich mal wieder ganz gesund werde“, sagte Schweinsteiger. Für den Fall der Fälle stünde sein Klubkollege Toni Kroos parat, der sich schon über seine Reservistenrolle beschwert hatte.

Freier Tag mit Ehefrauen und Lebenspartnerinnen

Schweinsteiger konnte wie der Rest der Mannschaft am Sonntag verschnaufen und die frei verfügbare Zeit nutzen. Die Ehefrauen und Lebenspartnerinnen kamen zu Besuch, am Abend sollte das letzte Viertelfinale verfolgt werden, in dem zwischen Italien und England der Halbfinal-Gegner Deutschlands ermittelt wurde.

Das DFB-Team wird am Mittwoch nach Warschau reisen und nicht mehr nach Danzig zurückkehren. Die letzten Tage in der Stadt an der Ostsee sind nach drei Wochen angebrochen.