Bundesliga

Dortmunder Schmähungen gegen Hummels

Dortmunder Gala gegen Wolfsburg wird von übelsten Schmähungen gegen Hummels überschattet. BVB-Chef Watzke verurteilt Fanverhalten.

Dortmunder Fans und ihre Meinung zum bevorstehenden Abgang von Kapitän Mats Hummels

Dortmunder Fans und ihre Meinung zum bevorstehenden Abgang von Kapitän Mats Hummels

Foto: Sascha Steinbach / Bongarts/Getty Images

Dortmund.  Böse Zungen werden behaupten, Mats Hummels sei ja ohnehin schon nicht mehr so richtig bei der Sache gewesen, als er hinter André Schürrle hinterherjagte. Anders sei der Gegentreffer, den Borussia Dortmund beim 5:1 (2:0) gegen den VfL Wolfsburg in der 86. Minute kassierte, ja gar nicht zu erklären.

Die Akte Hummels überstrahlte selbst den überragenden Sieg des besten Zweiten der Bundesliga-Geschichte gegen den tief gestürzten Vorjahres-Zweiten aus Wolfsburg. Der sich abzeichnende Wechsel des Weltmeisters zum FC Bayern ließ die Fanseele in Dortmund hochkochen.

Derart hoch, dass Hans-Joachim Watzke jene Fehlgeleiteten zurechtwies, die Hummels als Hurensohn beschimpften. „Wer Mats beleidigt, hat das Recht verwirkt, zu uns zu gehören. Das ist nicht Borussia Dortmund“, sagte der BVB-Geschäftsführer auf WDR2. Dortmunds Coach Thomas Tuchel zeigte sich ähnlich verärgert: „Ich finde, es gibt einen Unterschied zwischen Pfiffen und Schmähgesängen.“

Watzke kritisiert Hoeneß-Äußerung

Vor dem Anpfiff vor 81.359 Zuschauern in Dortmund hatte Watzke noch auf die Äußerungen von Uli Hoeneß reagiert: „Ich weiß auch nicht genau, wie Mats jetzt mit der Situation umgeht. Was da gestern aus München gekommen ist, das fand ich auch ein bisschen komisch. Es ist sicherlich eine schwierige Gemengelage aktuell. Ich fand es nicht gut.“

Der ehemalige Bayern-Präsident Hoeneß hatte geäußert: „Wenn einer an die Tür klopft, dann wird der FC Bayern schlecht beraten sein, die Tür nicht aufzumachen.“ Und wurde selbst von Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge zurückgerufen: „Da hat der Uli sicher etwas falsch verstanden. An die Tür geklopft hat schon der FC Bayern und nicht Mats Hummels. Ich glaube aber auch, dass die Frage dahin ging, ob der FC Bayern einen Gegner schwächen will. Dies ist jedoch nicht der Fall, wir suchen immer Spieler, um uns zu verstärken. Nur die findet man eben nicht in der unteren Tabellenhälfte.“

Das Verhältnis beider Vereine sei „sehr seriös“, Rummenigge sei optimistisch, „dass wir eine seriöse Lösung finden“.

Hummels: „Habe mich nicht angeboten“

Hummels selbst bestätigte Rummenigge. „Ich habe mich nirgendwo angeboten. Das ist der größte Humbug, den ich je gehört habe“, sagte der Nationalspieler. Und erlebte in den 90 Minuten gegen Wolfsburg genau das, was er befürchtet hatte: einen Spießrutenlauf. Schon bei der Vorstellung der Mannschaft wurde sein Name nur verhalten gerufen. Während des Spiels wurde Hummels bei jedem seiner Ballkontakte gnadenlos ausgepfiffen – von den eigenen Fans.

Nach dem Abpfiff, als sich die Mannschaft wie üblich in Richtung Südkurve aufmachte, um sich für die Unterstützung zu bedanken, schlug Hummels teilweise blanker Hass entgegen. Mehrere Unverbesserliche deuteten an, Hummels solle endlich verschwinden.

Die Dortmunder Elf reagierte unbeeindruckt von den Pfiffen und lieferte eine wahre Gala ab. Dank des frühen Doppelschlags durch Shinji Kagawa (7.) und Ex-Herthaner Adrian Ramos (9.) sowie weiterer Tore durch Marco Reus (60.) und Pierre-Emerick Aubameyang (77./78) wahrte der Tabellenzweite die Chance, die bisher beste Saison-Punktausbeute aus der Meistersaison 2012 (81) noch zu toppen. Und die Mini-Chance auf die Meisterschaft.