6,7 Millionen Euro

Wolfgang Niersbach erhebt schwere Vorwürfe gegen Beckenbauer

Mit den 6,7 Millionen Euro des DFB soll die Wiederwahl Joseph Blatters gekauft worden sein. Wolfgang Niersbach klagt an.

Joseph Blatter und Franz Beckenbauer (r.) mit „Goleo“, dem Maskottchen der Fußball-WM 2010.

Joseph Blatter und Franz Beckenbauer (r.) mit „Goleo“, dem Maskottchen der Fußball-WM 2010.

Foto: dpa Picture-Alliance / Diether Endlicher / picture alliance / AP Photo

Frankfurt/Main.  Franz Beckenbauer droht im Korruptionssumpf der Fifa zu versinken. Bei der Aufklärung der WM-Affäre 2006 ist der frühere Organisationschef vom ehemaligen DFB-Präsidenten Wolfgang Niersbach schwer belastet worden. Es geht um 6,7 Millionen Euro, die den Deutschen Fußball-Bund (DFB) in die Krise stürzten. Laut „Bild“ führt die Spur zu Joseph Blatter – und dessen dann gekaufter Wiederwahl zum Fifa-Boss im Jahr 2002.

In der Befragung durch die Frankfurter Wirtschaftskanzlei Freshfields Bruckhaus Deringer im November soll sich Niersbach daran erinnert haben, dass Beckenbauer ihm nach der Blatter-Wahl gesagt habe: „Der ist auch mit meinem Geld gewählt worden.“ Ex-Vize-Generalsekretär Stefan Hans sagte, Beckenbauer habe auf sich gezeigt, als es darum ging, wem Blatter seine Wiederwahl zu verdanken habe.

Das geht laut „Bild“ aus den Verhörprotokollen hervor. Freshfields äußerte sich nicht zu den streng vertraulichen Befragungen, die lange vor dem geplanten Abschluss der Untersuchung im Februar an die Öffentlichkeit gelangten. Der DFB nahm die Veröffentlichung „mit großem Befremden“ zur Kenntnis und stellte klar, dass „weder der Präsidialausschuss, noch das gesamte DFB-Präsidium zu irgendeinem Zeitpunkt Zugang“ zu den Protokollen hatten. Es sei eine „äußerst ärgerliche Indiskretion“. Zu den Darstellungen von Niersbach und Hans wollte sich Beckenbauer am Dienstag nicht äußern.

Es ist fraglich, was mit dem Geld passierte

Er selbst hatte Ende November eine andere Version der Millionen-Zahlung erzählt. Er wisse nicht, wohin das Geld geflossen sei, „weil ich die Überweisung nicht getätigt habe“, hatte Beckenbauer bekräftigt. Die 6,7 Millionen Euro seien „einzig und allein“ dafür dagewesen, um einen Fifa-Zuschuss in dreistelliger Millionenhöhe für das Sommermärchen 2006 zu bekommen. So hatte vor seinem Rücktritt auch Niersbach die Geschichte zusammengefasst.

Das geforderte Geld hatte der verstorbene Ex-Adidas-Chef Robert Louis-Dreyfus im Jahr 2002 per Darlehen bereitgestellt. Was dann mit dem Geld passierte, ist die entscheidende Frage. Die Rückzahlung könnte drei Jahre später über ein Fifa-Konto gelaufen sein. Der DFB hätte die Millionen dann nicht richtig deklariert. Die Frankfurter Steuerfahnder ermitteln, auch die Schweizer Bundesanwaltschaft hat sich eingeschaltet.

Der Ex-Generalsekretär und spätere DFB-Schatzmeister Horst R. Schmidt berichtete laut „Bild“ in seiner Befragung von einem Vier-Augen-Gespräch, das am 13. Dezember 2001 zwischen Beckenbauer und Blatter stattgefunden haben soll. Den Inhalt kenne Schmidt nicht. Laut Niersbach habe Beckenbauer bei einem Treffen im August 2015 mit Blick auf den WM-Zuschuss erklärt, dass der, der etwas von der Fifa will, der Fifa auch etwas geben müsse. Blatter hatte die DFB-Darstellung im „Spiegel“-Interview als „absurd“ bezeichnet. Der Zuschuss für die deutschen WM-Macher sei „an keinerlei Bedingungen durch die Fifa geknüpft“ gewesen.

Dokument soll Bestechung von Charles Dempsey nahelegen

Bei ihren Ermittlungen ist Freshfields zudem auf ein Dokument gestoßen, das eine Bestechung des verstorbenen Fifa-Exekutivmitglieds Charles Dempsey nahelegt. Der Neuseeländer hatte vor der entscheidenden dritten Abstimmungsrunde den Raum verlassen, Deutschland gewann im Anschluss mit 12:11 Stimmen gegen Südafrika.

Die Frage, ob aus der Codierung des Papiers zu schließen sei, dass Dempsey am Vorabend der WM-Vergabe 250.000 US-Dollar erhalten habe, verneinte Niersbach. Das Dokument soll eine Vorzimmer-Dame Niersbachs entdeckt haben. Laut „Bild“ legte Freshfields in den Vernehmungen keine Belege dafür vor.