Sommermärchen

„Der Schaden für den Fußball wird immer größer“

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Michael Färber
DFB-Präsident Wolfgang Niersbach gerät in der Sommermärchen-Affäre immer mehr unter Druck

DFB-Präsident Wolfgang Niersbach gerät in der Sommermärchen-Affäre immer mehr unter Druck

Foto: Simon Hofmann / Bongarts/Getty Images

Berlins Verbandschef Schultz fordert von DFB-Präsident Niersbach eine schnellere Aufklärung des Skandals um die WM-Vergabe 2006.

Berlin.  Bislang haben sich die Präsidenten der Landesverbände im Deutschen Fußball-Bund (DFB) zurückgehalten, wenn es um den Skandal im Zuge der Vergabe der WM 2006 nach Deutschland ging. Seit die Staatsanwaltschaft Frankfurt wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung in einem besonders schweren Fall gegen DFB-Präsident Wolfgang Niersbach, dessen Vorgänger Theo Zwanziger und den langjährigen DFB-Generalsekretär Horst R. Schmidt ermittelt, ist die Zeit des Schweigens aber vorbei.

Zumal die angeblich falsche Steuererklärung des DFB zur WM 2006 nach Informationen der „Süddeutschen Zeitung“ vom damaligen Generalsekretär unterschrieben ist: Wolfgang Niersbach.

„Ich erwarte Teilergebnisse in naher Zukunft“, sagte Bernd Schultz, Präsident des Berliner Fußball-Verbandes (BFV). Zur Sache selbst will sich der 58-Jährige „momentan nicht äußern. Es gab keine weitergehenden Informationen des DFB zu diesem Thema, ich weiß auch nur das, was in den Medien berichtet worden ist. Das Ansehen des DFB ist aber beschädigt. Ich hoffe für den Verband, dass er die Kraft hat, die Dinge zu regeln und zügig aufzuklären“.

Landesfürsten halten noch zu Niersbach

Es ist diese Desinformation, die viele DFB-Landesfürsten immer mehr verärgert. „Wir werden alle in einen Pott geworfen. Je länger das alles dahindümpelt, desto größer wird der Schaden für den Fußball“, sagte Hessens Verbandsvorsitzender Rolf Hocke in der „FAZ“. Thomas Schmidt vom südbadischen Verband hofft, dass nun „die Aufklärung schneller vorangeht“.

Bislang halten die Verbandsoberen noch zum DFB-Präsidenten. „In unserem Land gilt die Unschuldsvermutung“, sagte Schultz. Thomas Schmidt machte deutlich: „Letztendlich stehen wir nach wie vor zu unserem Präsidenten. Der Druck von außen auf ihn wird aber größer, wenn nicht eine konkrete Aufklärung passiert.“

Rainer Koch, DFB-Vizepräsident und Chef des bayerischen Verbandes, erklärte: „Ein Problem wäre es dann, wenn Wolfgang Niersbach nicht bereit wäre, umfassend die Aufklärung mit uns zu betreiben. Dem ist aber nicht so.“ Das Bild, das Niersbach abgibt, widerspricht dem des Aufklärers. Und der Rückhalt für ihn dürfte durch die Steuererklärung schwinden.

Versammlung ohne den DFB-Chef

Am Mittwoch fehlte der DFB-Chef auf der Mitarbeiterversammlung des DFB in Frankfurt, in der Generalsekretär Helmut Sandrock die Beschäftigten über die Entwicklungen informierte. Informationen, die sich auch die Landesverbände wünschen würden.

„Die Themen Fifa, Uefa und DFB sinken ja bis in die Landesverbände hinein, und dort werden ja auch Fragen gestellt“, erklärte Masuch.

Auswirkungen der Affäre auf den Berliner Verband sieht Bernd Schultz jedenfalls nicht, „da wir nicht involviert sind. Unsere Arbeit ist nicht beeinträchtigt, wir verfallen jetzt auch nicht in Schockstarre.“ Durch die Kanzlei Freshfields-Bruckhaus-Deringer, die DFB-Untersuchungskommission und die Staatsanwaltschaft „wird in drei Ebenen an der Aufklärung gearbeitet“.

Zwanziger setzt Beckenbauer unter Druck

Derweil hat Theo Zwanziger die Debatte um die Rolle Franz Beckenbauers in der Affäre befeuert. Er rät dem DFB, finanzielle Ansprüche gegen Beckenbauer zu prüfen. Es sei die Aufgabe des derzeitigen Präsidiums, zu entscheiden, ob die Zahlung in Höhe von 6,7 Millionen Euro von Beckenbauer zurückgefordert werden müsse und etwaige steuerliche Verpflichtungen nachträglich zu erledigen seien, schrieb Zwanzigers Anwalt Hans-Jörg Metz in einem Brief an den Verband. Beckenbauer wird in dem Schreiben als Begünstigter bezeichnet, weil die von ihm persönlich eingegangene Schuldverpflichtung möglicherweise zu Unrecht getilgt wurde.

Über allem steht die Frage, was mit jenen 6,7 Millionen Euro passierte, die 2005 – als Beitrag für ein WM-Kulturprogramm getarnt – an Robert Louis-Dreyfus fließen sollten. Der ehemalige Adidas-Chef soll die Summe 2002 für das deutsche WM-Organisationskomitee (OK) an den Weltverband Fifa überwiesen haben, um einen Organisationszuschuss von 170 Millionen Euro zu erhalten.

Hierzu hat Bernd Schultz eine klare Meinung: „Wer eine Überweisung von 6,7 Millionen Euro tätigt, der kann sich ein Leben lang daran erinnern.“