Man kennt sie, die Jubelbilder von Sportlern aus der Kabine. Von Instagram, Facebook und Twitter. Mit Pokal, halbnackt und im Handtuch. Mit Mitspielern (häufig), Vorstandsvorsitzenden (selten) und Kanzlerin (einmalig). Mit Lächeln, Schweiß und Schampus.

Sie suggerieren Nähe, Emotionen, Freude, lassen teilhaben an der Stimmung in der Kabine, vermittteln das Seelenleben von Spitzensportlern und auch, wie diese es schaffen, sich die sozialen Medien in Sachen Eigenwerbung zunutze zu machen.

Und so postete auch Jerome Boateng nach dem wegweisenden 5:1 des FC Bayern München gegen Borussia Dortmund: „Well done boooyyyyssss #FCBBVB #GreatGame #Nike“. Doch was aussieht, wie ein normaler Schnappschuss aus den Katakomben des wahrscheinlich kommenden Meisters, könnte sich bei genauerem Hinsehen als perfider Werbegag erweisen.

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Kein Torschütze unter den Jublern

Denn, mal ehrlich: Wer hält bei einer spontanen Fußballfeier ausgerechnet seinen Schuh in die Kamera? Außer dem Gewinner des „Goldenen Schuhs“ natürlich, Europas Torschützenkönig der jeweiligen Saison? Vielleicht ein Torschütze, aber unter den fünf Schuhhaltern ist weder ein Götze, noch ein Müller, noch ein Lewandowski.

Vielmehr verbindet die fünf Poseure eine ganz andere Sache: Sie tragen Schuhe von Nike, dem großen Konkurrenten von Bayern-Ausrüster Adidas. Dass Profifußballer Spezialverträge mit einem Ausrüster haben, der durchaus ein anderer als der ihres Vereins sein kann, ist gang und gäbe.

Schließlich kann man ja nie wissen, wie lange etwa ein Arturo Vidal bei einem Adidas-Verein spielt. Dass der Ex-Leverkusener und Ex-Juventus-Spieler 2015-2016 die „Nike Mercurial Superfly Fußballschuhe“ trägt, ist sein privater Vertrag mit dem Unternehmen.

Götze erhielt Geldstrafe

Allerdings sollte er nicht zu aggressiv für seinen Privatsponsor werben. Vielmehr müssen bei offiziellen Terminen die Münchner Spieler Kleidung des Sponsors und Miteigentümers Adidas tragen. Die Firma hält schließlich 8,33 Prozent der Anteile an der FC Bayern AG und zahlt dem deutschen Meister als Ausrüster bis 2030 insgesamt 900 Millionen Euro.

Abweichler werden hart bestraft. Dies mussten vor zwei Jahren Mario Götze, Jan Kirchhoff und Mario Gomez spüren. Götze und Kirchhoff tauchten ausgerechnet bei ihrer Präsentation mit einem T-Shirt ihres Privatsponsors Nike auf.

Und Mario Gomez erschien mit einer Kappe desselben Herstellers bei der Ankunft der Bayern im Trainingslager am Gardasee. Eine saftige Geldstrafe an den FC Bayern München war die Folge für das Trio.

Schuh-Wahl bleibt frei

Lediglich die Wahl der Fußball-Schuhe ist den Profis freigestellt. Trotzdem ist das Kabinenbild vom Sonntag ein wenig heikel. Nicht nur, weil die Logos der Schuhe gut auf dem Bild zu sehen sind. Sondern weil Boateng auch noch den amerikanischen Fabrikanten explizit als Hashtag nennt.

Solch aggressive Werbung im Adidas-Trikot für einen Konkurrenten wird man in Herzogenaurach nicht gerne sehen. Für die Firma mit den drei Streifen ist das möglicherweise mehr als nur ein blöder Schuh-Fall.