München

Guardiola kann heute fast schon Meister werden

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Patrick Strasser

München.  Pep Guardiola hat das größte aller Duelle Spaniens oft genug miterlebt. FC Barcelona, sein Barcelona, gegen Real Madrid. 15 Mal als Trainer, zuvor in elf Jahren etliche Male als Spieler der Katalanen. „Jedes Land hat ein spezielles Spiel“, sagte der Bayern-Coach am Freitag, „so ist auch Bayern gegen Dortmund sehr speziell.“ Der Clásico auf Deutsch. Er weiß: Es geht um weit mehr als Punkte, auch wenn er öffentlich das Gegenteil behauptet.

„Es ist erst Oktober“, sagte Guardiola vor dem Spiel, dem ganz Fußball-Deutschland entgegenfiebert. Soll heißen: Noch ist die Zeit für Entscheidungen nicht gekommen. Viele empfinden das anders. Sollten die Bayern am letzten Wiesn-Tag gewinnen, stünden sie bereits sieben Punkte vor dem BVB. Und dafür, dass es so kommen wird, gibt es gute Gründe.

Robert Lewandowski zum Beispiel, Münchens menschgewordene Torgarantie. Letzten Sonnabend gelang ihm nach der Fünf-Tore-Gala gegen Wolfsburg in Mainz zwar „nur“ ein Doppelpack. Gegen Zagreb zeigte er am Dienstag aber alte Vollstreckerqualitäten, traf dreimal. „Er hat meinen Lauf abgekauft“, witzelte Thomas Müller, der nun schon seit vier Partien ohne Tor ist.

Unterstützung erhält Lewandowski seit dieser Saison von „CoCo“, mit vollem Namen Douglas Costa und Kingsley Coman. Erstgenannter ist mit einem Treffer und zehn Vorlagen der beste Scorer der Liga, Jungspund Coman, 19, hat in fünf Pflichtspielen zwei Tore und drei Assists verbucht. Anders als im Pokalhalbfinale, als die Bayern ohne die verletzten Arjen Robben und Franck Ribéry gegen Dortmund ausschieden, verfügen sie nun wieder über eine spektakuläre und effiziente Flügelzange.

Beide (Costa durch sein 1:0, Coman durch seine Vorarbeit zum 3:0) waren außerdem mitverantwortlich dafür, dass die Münchner einen kleinen Makel abgelegt haben: den Stotter-Start. Während der Rekordmeister in der Liga bislang erst in Hälfte zwei ins Rollen kam, stand es gegen Zagreb schon nach 28 Minuten 4:0. „Wir haben ein bisschen getauscht, die erste Halbzeit war besser, die zweite schlechter“, analysierte Weltmeister Jerome Boateng. „Wir haben von Anfang an gut gespielt, das war unser Ziel. Dann haben wir einen Gang rausgenommen.“ Für Sonntag.

Über den Glanzlichtern der jüngsten Vergangenheit schwebt zudem ein vierter Trumpf: die Chance auf einen weiteren Meilenstein. „Wir können in dieser Saison Geschichte schreiben“, bläut Sportvorstand Matthias Sammer dem Team immer wieder ein. Vier Meistertitel in Folge hat noch kein Klub geholt. Zur Visualisierung der Mission hängt im Trainingszentrum eine Tapete mit Bildern der Titelgewinne 2013, 2014 und 2015. Das Motto: „Champions4ever“.

„Ich erwarte das beste Borussia Dortmund“, sagt Guardiola. Vier Siege und vier Pleiten hat er bislang gegen den BVB zu verantworten. Eine Bilanz, die nicht nur er, sondern auch Philipp Lahm gerne verbessern würde. „Wenn wir unsere Punkte einfahren“, sagt der Kapitän, „wird es für jede Mannschaft schwierig, dran zu bleiben.“ Borussia Dortmund bildet da keine Ausnahme.