Fußball

Tennis Borussia startet zu neuen Höhenflügen in der Oberliga

Im Frühjahr gelang TeBe der lang ersehnte Aufstieg in die Oberliga. Auch dort legten die Veilchen einen imponierenden Start hin.

Tennis Borussia und seine Fans: So feierte der Verein seinen Aufstieg in die Oberliga

Tennis Borussia und seine Fans: So feierte der Verein seinen Aufstieg in die Oberliga

Foto: imago sportfotodienst / imago/Sebastian Wells

Berlin.  Die Heimstätte von Tennis Borussia Berlin, das Mommsenstadion, wirkt wie aus einer anderen Zeit. Es dominieren Backsteine und der Farbton beige, die hohen Flutlichtmasten werden von ungepflegter Graslandschaft umgeben. Die Farbe auf den Steintribünen ist verblichen. Doch genau das lieben sie bei TeBe. An diesem Freitag wird das 1930 eingeweihte Stadion Schauplatz eines besonderen Spiels in der Oberliga Nord.

Der Tabellenführer zu Gast im Mommsenstadion

Tennis Borussia empfängt den FSV Union Fürstenwalde, der Zweite gegen den Ersten (Anpfiff 19.30 Uhr). Nach dem überlegenen Aufstieg aus der Berlin-Liga setzen die Charlottenburger ihren Erfolgskurs in Liga fünf fort und sind nach fünf Spieltagen in der Oberliga noch ungeschlagen. Am letzten Spieltag haben die „Veilchen“ den bisherigen Tabellenführer Anker Wismar auswärts mit 1:0 geschlagen, die erste Heimniederlage von Anker seit über zwei Jahren. 200 Auswärtsfans waren mitgefahren, um ihre Mannschaft zu unterstützen. Eine für diese Liga außergewöhnliche Zahl.

TeBe, 1902 gegründet, ist ein Traditionsklub in Berlin, der wieder einmal dabei ist, sich neu zu erfinden. Nach Jahren hochfliegender Pläne in den Neunzigern und einem tiefen Fall von Liga zwei hinunter in die Berlin-Liga, geht es nun wieder aufwärts. Im letzten Jahr schaffte die Mannschaft den Aufstieg aus der Berlin-Liga in die Oberliga Nord. Der große Fußball wird bei Hertha ­gespielt, die alternative Nische besetzt der 1. FC Union.

Nirgendwo sonst gibt es solch eine Wendeltreppe zur Tribüne

TeBe setzt auf eine kleine, feine Fan-Kultur. Am Eichkamp wird die Anhängerschaft intensiv gelebt. Das typische Lila-Weiß der Trikots und die ehrwürdige Heimstätte sind für die Anhänger Kult. Fan Denis Roters sagt: „Diese Haupttribüne ist einzigartig. Unsere Wendeltreppen zu den Sitz­plätzen beispielsweise gibt es sonst so nirgendwo auf der Welt.“ Er ist seit 1992 bei Tennis Borussia dabei: „Wir Fans wollen das Pure. Das bekommt man nirgendwo so wie bei ­TeBe“.

Und es wächst gerade wieder etwas heran in der Waldschulallee. Der Oberliga-Gipfel ist ein Flutlicht-Spiel, großartige Stimmung programmiert. „Endlich können wir das wieder erleben. Leider haben wir in unserer Liga relativ selten Spiele unter Flutlicht. Dabei macht die spezielle ­Atmosphäre einen besonderen Reiz aus“, sagt Roters.

Zwei Spielzeiten sogar in der Bundesliga dabei

Der Klub, der 1974/75 und 1976/77 sogar in der Bundesliga unterwegs war, hat sich unter der Leitung von Trainer Daniel Volbert wieder gesammelt. „Es ist das große Verdienst von unserem Vorstand um Andreas Voigt und Jörg Zimmermann, dass hier Ruhe in den Verein eingekehrt ist“, sagt Volbert. „Dadurch kann ich mich voll auf das Sportliche konzentrieren.“

Ein besonderes Augenmerk liegt bei TeBe auf der Defensive. Als einzige Mannschaft der Liga hat die Abwehr um Torhüter Niko Varrelmann, der vom BFC Dynamo kam, noch kein Gegentor kassiert. Die Bilanz: Vier Siege, ein ­Remis, 5:0 Tore. „Unser Pressing fängt im Sturm an und hört in der Abwehr auf. Es ist eine Leistung des gesamten Teams“, sagt Volbert. Der Verein schwimmt momentan auf einer Erfolgswelle. Auch Fan Roters stellt fest: „Es stimmt einfach in der Mannschaft, auch von den Charakteren. Die Spieler identifizieren sich mit dem Verein.“

Im Casino werden die wichtigsten Szenen noch mal besprochen

Sollte auch das kommende Spitzenspiel erfolgreich bestritten werden, dürften wieder die berühmten „Lila-Weiße“- Sprechchöre durch das Stadion hallen. Auch Denis Roters wird dann dabei sein und nach dem Spiel im urigen Casino des Mommsenstadions die wichtigsten Szenen Revue passieren lassen. Dabei wird er auf die Backsteine, die Flutlichtmasten und auf die Steintribünen ­schauen.