DFB-Pokal

VfL Wolfsburg vermasselt Klopp den Abschied

Grün-weiße Nacht in Berlin: Der VfL Wolfsburg ist im Olympiastadion DFB-Pokalsieger geworden. Für die vielen BVB-Fans, die in die Stadt gekommen sind, ein bitterer Abschied von Trainer Klopp.

Foto: Stuart Franklin / Bongarts/Getty Images

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Ein kleiner, schwarz-gelber Ballon flog vom Marathontor gen Himmel. Unter ihm war das Endspiel im DFB-Pokal zwischen Borussia Dortmund und dem VfL Wolfsburg am Sonnabend gerade wenige Sekunden alt, da schwebte er über das Dach des Olympiastadions und ward nicht mehr gesehen.

Alles danach, die grandiose Partie, das beste Pokalfinale seit dem 5:2 des BVB gegen den FC Bayern 2012, musste ohne ihn auskommen. Ebenso der erste Triumph des VfL in diesem Wettbewerb, ja der erste Titel für Wolfsburgs Trainer Dieter Hecking in seiner Laufbahn überhaupt – als Profi und als Fußballlehrer. Mit 3:1 (3:1) gewann Wolfsburg das Spiel gegen die Borussia verdient, und die Niedersachsen tanzten nach dem Abpfiff frenetisch vor der Ostkurve.

Jürgen Klopp schwebte nicht, als er sich 90 Minuten nach dem Ballon vom Marathontor abwendete – dort, wo die meisten Dortmunder Fans saßen. Er war ganz alleine dorthin geschritten und hatte flüchtig gewunken. Dann hatte er sich umgedreht und war gegangen. Es war das 319. und letzte Pflichtspiel des 47-Jährigen als Cheftrainer des BVB. Nach sieben Jahren und fünf Titeln hört er auf. Und Klopp muss sich den Titel des erfolgreichsten BVB-Trainers aller Zeiten weiter mit Ottmar Hitzfeld teilen, statt allein mit sechs Erfolgen auf Platz eins in die Vereinshistorie einzugehen.

Schmerzhafter Abgang für Jürgen Klopp

Als der Schlusspfiff der Partie ertönt war, war Klopp zunächst langsam zur Rasenmitte gegangen. Dann drehte er sich zur Haupttribüne um und fasste sich da hin, wo sein Herz schlägt. Ein schmerzhafter Abgang für ihn. Dortmund verliert das zweite Pokalfinale in Folge, nachdem man sich vor einem Jahr 0:2 nach Verlängerung dem FC Bayern geschlagen geben musste. Klopps Traum von einer letzten Triumphfahrt mit dem Lastwagen um den Borsigplatz muss ausfallen. Damit verpasst der Revierklub auch die direkte Qualifikation für die Gruppenphase der Europa League. Wolfsburg veredelt eine starke Saison, die der VfL in der Bundesliga als Zweiter abgeschlossen hatte, und feiert nun den ersten Titel seit der Meisterschaft 2009.

Klopp wollte mit seinen Gefühlen dann auch nicht hinter dem Berg halten. „Ich versuche, diese Niederlage zu verarbeiten“, sagte der scheidende BVB-Coach. Dann ein kurzes Luftholen: „Aber ich bin weit davon entfernt, es gut zu können.“

Wenn man wissen wollte, wie das Spiel verlief, hätte man dazu nicht den 22 Profis auf dem Rasen zuschauen müssen. Es hätte gereicht, Klopp zu beobachten, wie er an der Seitenlinie in seinem Trainingsanzug und mit gelber Baseballkappe auf und ab durch seine Coaching-Zone tigerte. Als Klopp nach fünf Minuten die Fäuste ballte, hatte Shinji Kagawa gerade geflankt und Pierre-Emerick Aubameyang sich quer in die Luft gelegt, um die Dortmunder Führung zu erzielen. Als Klopp wie irre mit dem Arm durch die Luft wedelte, als stünde er mit einem Handtuch in der Sauna, hatte Marco Reus aus fünf Metern freistehend vergeben (18.). Hier wollte einer zum letzten Mal mächtig Dampf machen für seinen Klub.

Erster Titel „wahnsinnig bekloppt“

Aber dann brach die Zeit an, da Klopp nicht mehr wedelte. Sein Gesicht verfinsterte sich und wurde zornig – auch das kennt man von ihm –, als Wolfsburgs Naldo per Freistoß so hart aufs Dortmunder Tor drosch, dass Schlussmann Mitchell Langerak nur nach vorn abwehren konnte und Luiz Gustavo zum Ausgleich für den VfL abstaubte (22.).

An diesem Abend, das war das skurrile, übertraf der sonst eher biedere Hecking in puncto Emotionalität an der Seitenlinie seinen für Erregung berühmten Kollegen. So sagte Hecking nach dem Triumph: „Der erste Titel fühlt sich wahnsinnig bekloppt an.“ Um flugs hinzuzufügen: „Jürgen Klopp ist ein herausragender Kollege. Jeder weiß, dass wir ihn irgendwann wieder in der Bundesliga sehen werden. Und ich freue mich schon jetzt darauf.“

Der so Gelobte wirkte Mitte der ersten Halbzeit jedoch mehr und mehr erschöpft. Die Schultern ließ er hängen, als Kevin De Bruyne nur elf Minuten nach dem Ausgleich zur Wolfsburger Führung traf. Bas Dost hatte den Ball abgelegt, und der grandiose Belgier traf mit einer Direktabnahme aus 18 Metern ins kurze Eck zum 2:1 (33.). Die Dortmunder gaben nun dieses Finale aus der Hand, und Klopp schien das zu spüren.

Schlusspunkt durch Dost

Als nur fünf Minuten später Dost hochstieg und aus kurzer Distanz zum 3:1 einköpfte, da verschränkte Klopp die Hände hinter dem Rücken. Es war vorbei. Den Rückstand konnte der BVB nicht mehr aufholen, trotz unermüdlichen Einsatzes und der guten Möglichkeiten durch Kagawa kurz nach der Pause (50.) und Henrich Mchitarjan nach 71 Minuten.

„Ich bin einfach stolz auf meine Mannschaft“, sagte Hecking, nachdem Kapitän Diego Benaglio um 22.15 Uhr den goldenen Pokal von Bundespräsident Joachim Gauck bekommen hatte. Klopp fügte sich derweil schweren Herzens in die Rolle des Unterlegenen: „Es war ein würdiges Finale von zwei Mannschaften, die richtig Gas gegen haben. Dass die Fans mich gefeiert haben, tröstet mich nicht. In so einem Moment kann dich nichts trösten. Ich bin aber sehr dankbar dafür.“