Frauen-Fußball

Annike Krahn ist besser als Zlatan Ibrahimovic

Anders als die Männer von Paris St. Germain hat das Frauenteam des französischen Klubs das Champions-League-Finale in Berlin erreicht. Die Deutsche Annike Krahn steht für die Franzosen auf dem Platz.

Foto: imago sportfotodienst / imago/foto2press; Frank Lehmann

Wenn Annike Krahn in diesen Tagen durch ihren Lieblingspark in St. Germain Au Laye, etwas außerhalb des Pariser Stadtzentrums, bei 25 Grad die Sonne genießt, ist sie mit den Gedanken bereits in Berlin. Am Donnerstag (18 Uhr, ZDF und Eurosport) steigt dort im Jahn-Sportpark das Champions League-Finale der Frauen zwischen dem 1. FFC Frankfurt und Paris St. Germain, jenem Verein, bei dem Krahn seit drei Jahren spielt.

Berlin ist für die 29-Jährige zu einem wiederkehrenden Moment in ihrer Karriere geworden. Mit ihrem ehemaligen Verein FCR Duisburg gewann sie in der Hauptstadt schon den DFB-Pokal. Und dann war da einer der größten Momente ihrer Karriere: 26. Juni 2011, Auftaktspiel der Weltmeisterschaft im eigenen Land, ausverkauftes Olympiastadion, 2:1-Sieg gegen Kanada. „Ein großartiges Erlebnis“, sagt Krahn, „das niemand vergessen wird, der dabei war.“

Auch gegen Frankfurt hat Krahn schon in Berlin gespielt, erinnert sich daran aber weniger gern zurück. Man könnte sagen, dass sie noch eine Rechnung zu begleichen hat. Mai 2007, DFB-Pokalfinale der Frauen. Frankfurt, damals noch mit Birgit Prinz im Sturm, gewinnt gegen Krahns Duisburgerinnen im Elfmeterschießen. „Das ist witzig, das sich das wiederholt,“ sagt Krahn, „das Ergebnis damals fand ich aber überhaupt nicht lustig.“

„Es fehlt der große Titel“

Jetzt aber trifft sie mit Paris St. Germain auf Frankfurt. Und sieht sich wieder als Außenseiter. „Frankfurt war in den letzten Jahren einige Male im Finale. Die haben einfach mehr Erfahrung.“ Generell sei der Frauenfußball in Frankreich noch auf einem niedrigerem Niveau als in Deutschland. Auch wenn gerade in Paris in den letzten Jahren viel passiert sei. „In Frankreich sind wir vielleicht dort, wo Deutschland schon vor ein paar Jahren war.“ Hierzulande hat der Vereinsfußball durch die großen Erfolge der Nationalmannschaft profitiert. Frankreich ist bei der letzten WM bis ins Halbfinale gekommen, bei den olympischen Spielen ebenfalls. „Was fehlt ist der eine große Titel, der auch auf Vereinsebene für Schwung sorgt.“

Aber Krahn merkt, dass es voran geht, das sich was tut. Es scheint ihr, die in Bochum geboren ist und bis zu ihrem Wechsel 2012 nach Paris in der Heimatstadt lebte, wichtig zu sein, nicht stehen zu bleiben. Oder, wie es Herbert Grönemeyer, ebenfalls bekennender Bochumer, einmal sang: „Stillstand ist der Tod.“ Der Wille, sich zu verbessern, voranzukommen, er hat Krahn vom Bochumer Vorortverein SV Weitmar 09 bis in die Nationalmannschaft gebracht. Obwohl andere vielleicht mehr Talent hatten als sie, steht sie auch für die Weltmeisterschaft im Sommer in Kanada wieder im Aufgebot von Bundestrainerin Silvia Neid.

An die Weltmeisterschaft allerdings denkt sie noch nicht. Ihr Fokus ist auf das Champions-League-Finale gerichtet. In Frankreich ist in letzter Zeit schön zu beobachten, wie es ihr eine ganze Nation gleichtut. Die Frauen-Spiele werden seit zwei Jahren live im Fernsehen gezeigt, mit dem Einzug ins Champions-League-Finale hat auch die mediale Aufmerksamkeit zugenommen. „Man hat das Gefühl, dass das ganze Land hinter uns steht.“ Ein Land, das Krahn in den vergangenen drei Jahren, zu schätzen gelernt hat. Dabei war der Start gar nicht so leicht, an einiges musste sie sich erst gewöhnen. „Ich bin vor dem Spiel sehr ruhig, fokussiert.“ Dass ihre Mitspielerinnen vor den Partien in der Kabine getanzt haben, das kannte sie aus Deutschland nicht.

Fünf Deutsche spielen für Paris

Aber auch das habe sich verändert. Die Professionalisierung geht voran. Besonders in Paris, dem millionenschweren Team von Gönner und Präsident Nasser Al Khelaifi. Der Scheich hat bei den Männern in viele Topstars wie Zlatan Ibrahimovic investiert – aber auch in die Frauen. Und diese stehen nun sogar im großen Finale von Berlin.

Im Gegensatz zu den Topteams aus Deutschland können sich Krahn und ihre Kolleginnen in Paris ausschließlich auf den Fußball konzentrieren. Für Krahn sieht das nicht unbedingt als Vorteil. „Ich würde gern nebenbei noch arbeiten“, sagt sie, „der Fußball allein reicht mir nicht.“ Daheim hatte sie an der Ruhr-Universität in Bochum studiert, nebenbei beim Organisationskomitee zur WM 2011 mitgearbeitet und ein Praktikum in der Marketingabteilung des VfL Bochum gemacht.

Doch dann hat Krahn ihre Komfortzone Bochum doch verlassen. Damals, gerade 27 Jahre alt, war sie die erste deutsche Legionärin im Team. Mittlerweile spielen auch ihre deutschen Kolleginnen Lira Alushi, Linda Bresonik, Josephine Henning und Ersatztorhüterin Ann-Katrin Berger für PSG. „Es ist sicher einfacher, wenn man auch mal in der Muttersprache miteinander sprechen kann“, sagt sie. Privat unternimmt Krahn eher etwas mit zwei ihrer französischen Mitspielerinnen.

Legendäre Partys in Berlin

Doch als Deutsche in einer französischen Mannschaft gegen ein deutsches Team in Berlin zu spielen – das ist etwas ganz Besonderes für sie. „Mit dem Duisburger Team hatten wir legendäre Partys in Berlin.“

Bis dahin taucht sie noch einmal ins Leben der französischen Metropole ein. Wie lange Krahn noch in Paris bleiben wird, weiß sie nicht, ihr Vertrag endet im Sommer. „Vielleicht ist das am Donnerstag mein letztes Spiel für PSG“, sagt sie. Beim Gang durch den Park im Pariser Stadtteil St. Germain Au Laye, den sie so mag, ist noch kein Platz für derlei Gedanken. Lieber genießt sie noch die Sonne. Und freut sich auf Berlin. Es gibt da noch eine Rechnung, die sie gern begleichen würde.