Autobiografie

Top-Fußballerin Nadine Angerer vermisst Berlin

| Lesedauer: 7 Minuten
Tina Molin

Foto: Ralf Hirschberger / dpa

Zweifache Weltmeisterin, Weltfußballerin: Nadine Angerer ist eine Frau der sportlichen Superlative - aber auch eine Querdenkerin. Nun ist ihre Autobiografie erschienen. Ein Gespräch.

Berliner Morgenpost: Schauspielerin und Sängerin Jasmin Tabatabai schrieb das Vorwort zu Ihrem Buch, wie kam es dazu?

Nadine Angerer: Wir haben uns in einem Berliner Restaurant kennengelernt. Sie hat mich erkannt und dann durchs ganze Lokal gerufen, denn Jasmin ist total sportverrückt. Sie liebt Männer- und Frauenfußball gleichermaßen. Ich hingegen bin total begeistert vom Film, vor allem dem Deutschen. Seit 2010 sind wir befreundet, hören und sehen uns – selbst wenn sie dreht und ich in Australien oder Amerika spiele.

Sind Sie noch mit anderen Berühmtheiten befreundet?

Jetzt kommt’s: mit Mutter Beimer! Das ist eine richtig coole Frau. Wir haben haben uns auf einer Spendenaktion kennengelernt, seitdem pflegen wir einen engen Kontakt. Ich höre ihr wahnsinnig gerne zu, weil sie so warmherzig ist und so viel zu erzählen hat.

Während Sie 2001 bis 2007 für Turbine Potsdam im Tor standen, haben Sie in Berlin gewohnt. Vermissen Sie die Stadt?

Mir fehlt Berlin. Ich mag die Architektur, das Lebensgefühl. Hier ist alles Rock’n’Roll und in einer stetigen Bewegung. Geht man mal zwei Wochen nicht durch eine Straße, gibt es bereits ein neues Café. Die Stadt verändert sich ständig, das finde ich inspirierend.

Verändert Sie sich zum Guten?

Vor zehn Jahren habe ich Prenzlauer Berg und Kreuzberg geliebt. Doch die Kieze haben sich verändert, sind etwas spießig geworden. In Kreuzberg ist man früher türkisch angesprochen worden, nun heißt es: „How are you“. Man merkt also schon den Wechsel. Muss aber nicht schlecht oder gut sein. In die Rykestraße, wo ich früher lebte, würde ich heute aber nicht mehr ziehen. Damals gab es in meiner Wohnungstür noch Einschusslöcher, Rock’n’Roll also, heute ist alles renoviert und die Touristenbusse fahren vorbei, das ist nichts für mich mehr.

Warum wollten Sie Ihr Buch gerade im Berliner Möbel Olfe am Kottbusser Tor präsentieren?

Ich mag kleine Bars, die trashig sind und nicht so steril. Außerdem habe ich viel Zeit in Berlin verbracht und Turbine Potsdam war ein Höhepunkt meiner Karriere. Es ist ein sehr guter Ort, um hierher zurückzukommen.
In Deinem Buch schreibst Du, dass Du eines Deiner wichtigsten Spiele mit Turbine Potsdam erlebt hast, warum?

Es war die erste deutsche Meisterschaft, die wir gewonnen haben und kurz nach der Wende. Im Lustgarten in Potsdam waren tausende Menschen und haben uns gefeiert. Da hat jemand gerufen: „Wir haben den Kapitalismus besiegt“. Das war schon sehr emotional und bewegend.

Was hast Du bei Turbine Potsdam gelernt?

Es waren krasse Lehrjahre mit Trainer Bernd Schröder. Davor hatte ich mich nur auf mein Talent verlassen und dann habe ich gelernt, was es heißt zu trainieren oder auch Sanktionen zu bekommen. Ich habe mal nach einer durchzechten Nacht ein Training verschlafen und musste dann alleine zehn Mal 400 Meter laufen. Das habe ich aber voll durchgezogen.

Wie haben dich die Ostdeutschen geprägt?

Hier herrscht eine krasse Herzlichkeit und natürlich eine ziemliche Schnauze. Die Menschen hier sind ein bisschen so wie ich. Das war sehr prägend, sportlich wie menschlich.

Warum heißt Ihre Autobiografie „Im richtigen Moment“?

Ich war immer im richtigen Moment parat. Ich war im richtigen Moment vorbereitet, im richtigen Moment fit, habe im richtigen Moment die richtige Entscheidung getroffen oder bin im richtigen Moment gesichtet worden. Für mich ist der richtige Moment sehr wichtig.

Sie haben mit 36 Jahren Deine Memoiren geschrieben, ist das nicht ein wenig früh?

Die Autorin Kathrin Steinbichler kenne ich schon sehr lange, als wir uns mal wiedergesehen haben, haben wir all die alten Geschichten ausgepackt und uns totgelacht. Daraus ist dann die Idee entstanden, das aufzuschreiben. Es war nicht einfach und hat zwei Jahre gedauert, da ich in Amerika und Australien war und sie in München. Es ging nur via Skype und wegen der Zeitverschiebung mit viel Kaffee.
Zeigt das Buch das Ende Ihrer Karriere an oder werden Sie die WM diesen Sommer in Kanada noch spielen?

Auf jeden Fall! Es gibt keinen Grund für mich aufzuhören. Ich bin fit und das Alter ist mir ehrlich gesagt ziemlich egal. Ich kann versprechen, dass ich nicht an meinem Stuhl kleben werde und wenn ich merke, dass jemand besser ist, bin ich die Letzte die ihren Posten verteidigen wird.


Sie haben sich als lesbisch geoutet und wohnen mit Ihrer Lebensgefährtin Magda zusammen, wie sieht es mit Hochzeit aus?

Ja, ja auf jeden Fall. Warum nicht.

Zeigt das Buch das Ende Ihrer Karriere an oder werden Sie die WM diesen Sommer in Kanada noch spielen?

Auf jeden Fall! Es gibt keinen Grund für mich aufzuhören. Ich bin fit und das Alter ist mir ehrlich gesagt ziemlich egal. Ich kann versprechen, dass ich nicht an meinem Stuhl kleben werde und wenn ich merke, dass jemand besser ist, bin ich die Letzte die ihren Posten verteidigen wird.

Du hast Dich als lesbisch geoutet und wohnst mit Deiner Lebensgefährtin Magda zusammen, wie sieht es mit Hochzeit aus?

Ja, ja auf jeden Fall. Warum nicht.

Ist Homosexualiliät im Fußball für Sie ein Thema?

Das interessiert mich nicht. Es ist mir sogar total wurscht. Jeder soll so lieben, wie er will.

Du hast ein Haus auf Fuerteventura gekauft und erzählst im Buch davon, dort Sporttrainings anzubieten. Hast Du bereit konkrete Pläne dafür?

Ich habe aufgehört zu planen, denn es kommt eh immer alles anders. Ich versuche im Hier und Jetzt zu leben. Ich denke zwar über Möglichkeiten nach, habe sehr viele Fähigkeiten und Talente, kann aber noch nicht sagen, was ich nach dem Fußball machen werde. Eine Idee ist auf der Insel Trainings im Freien anzubieten, doch noch bin ich mit Leidenschaft Torwart.

Noch andere Träume im Leben?

Viele. Ich würde gerne den Flugschein machen, ich möchte nach Südamerika reisen, da war ich nämlich noch nie oder den Master im Tauchschein, so dass ich als Lehrerin arbeiten kann.

Haben Sie zum Schluss noch Tipps für angehende Fußballerinnen?

Jeder muss seinen Weg zwar selbst finden, doch für mich hat Folgendes gut funktioniert: Mich 100% zu fokussieren, mich aber auch locker zu machen. Damit meine ich nicht Party machen, sondern reisen, meine Freunde habe alle nichts mit Fußball zu tun, auch körperlich mal komplett abzubauen, Fünfe gerade sein zu lassen. Das ist wichtig, damit man dann wieder Vollgas zu geben.

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