Karl-Liebknecht-Stadion

SV Babelsberg 03 droht mit Stadion-Boykott

Seit Monaten schwelt ein Streit zwischen dem Viertligisten und der Stadt Potsdam. Nun will der Klub den Betrieb im Karl-Liebknecht-Stadion einstellen - und könnte bald am Hamburger Millerntor spielen.

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Archibald Horlitz, der Vorstandsvorsitzende des Fußball-Viertligisten SV Babelsberg, ist früher als Bergmann in Essen unter Tage eingefahren. Er kennt sich aus mit harten Bedingungen. „Unterirdisch“, so nennt er nun auch den Umgang der Stadt Potsdam mit seinem Verein. „Seit der frühere Innenminister Rainer Speer nicht mehr Präsident des SV ist und keine Politiker mehr im Vorstand sitzen, fehlt uns die entsprechende Lobby“, sagt Horlitz.

Es komme offenbar nicht gut an, dass der SV erstmals unabhängig geführt werde. Seit Monaten liefern sich der Lieblingsverein des ehemaligen Ministerpräsidenten Matthias Platzeck (SPD) und die Stadt einen erbitterten Streit über die Finanzierung des Spielbetriebs.

Der Konflikt scheint jetzt zu eskalieren: Am Donnerstag hat der Vereinschef angekündigt, der SV Babelsberg 03 werde den öffentlichen Spielbetrieb im Karl-Liebknecht-Stadion ab 1. Februar vorübergehend einstellen.

Angebote aus Berlin und Hamburg

„Aus Sicherheitsgründen sperren wir den Hauptplatz“, sagt Horlitz auf Anfrage der Berliner Morgenpost. „Trainiert werden kann aber weiterhin auf den Nebenanlagen.“ Wo die künftigen Fußballspiele des Viertligisten stattfinden werden, stehe noch nicht fest. Angebote für eine vorübergehende Aufnahme lägen aus dem Millerntor-Stadion in St. Pauli, aus dem Poststadion des Berliner AK und aus dem Mommsenstadion vor.

Der Verein ziehe damit die Konsequenzen aus der mangelnden Unterstützung der Stadt Potsdam. Nach Darstellung von Horlitz hat die Stadt im vorigen Herbst „von heute auf morgen“ verlangt, dass der SV bei allen Ausgaben zu 100 Prozent in Vorleistung gehe. Laut Erbbauvertrag ist der Verein Eigentümer des Stadions. Da der notorisch klamme Sportverein die Bewirtschaftungskosten aber nicht allein aufbringen könne, bezuschusste die Stadt bis dahin 73,5 Prozent der Ausgaben, der SV trage die restlichen 26,5 Prozent. „Im vierten Quartal 2014 haben wir nur 18.000 Euro ohne Vorkasse von der Stadt erhalten“, sagt Horlitz. „Und es fehlen über 50.000 Euro aus vorigem Jahr sowie über 100.000 Euro im ersten Quartal dieses Jahres.“ Zusammen also 150.000 Euro, ohne die der Verein die Ausgaben für die Reparaturen nicht schultern könne. Vor allem in die Flutlichtanlage und die Notstromversorgung müsste investiert werden. „Zudem bestehen Brandschutzmängel“, führt der Vereinschef an. Die Bauaufsicht habe damit gedroht, das „KarLi“, so der Spitzname des Karl-Liebknecht-Stadions, zu schließen, wenn die Sicherheit nicht bis Februar nachgewiesen ist.

Kann oder will der Verein nicht vorfinanzieren? „Wir können und wir wollen nicht“, sagt Horlitz. Noch immer sei die finanzielle Situation angespannt. Der Verein habe den Schuldenstand von knapp vier Millionen Euro aber immerhin auf inzwischen rund 1,8 Millionen abgebaut. Der SV-Vorsitzende betont, er kenne die wahren Gründe nicht, weshalb die Stadt vom Verein verlange, in Vorkasse zu gehen. „Wir wollen nicht auf die Gnade des inkompetenten Fachbereichs in der Stadtverwaltung angewiesen sein, das Geld dann irgendwann zurückzubekommen“, begründet er den drastischen Entschluss.

Stadt Potsdam weist Kritik zurück

Die Stadtverwaltung weist die Unterstellung zurück, sie benachteilige den Verein. Unregelmäßigkeiten und nicht ordnungsgemäß vorgelegte Rechnungen hätten dazu geführt, dass das Geld nicht mehr vorgeschossen werde. „Die Stadt will eine bessere Kontrolle“, sagt Rathaus-Sprecher Stefan Schulz. Sobald eine Rechnung vorliege, werde sie auch bezahlt. Die Sportbeigeordnete Iris Jana Magdowski reagiert „mit Bedauern und Unverständnis“ auf die Ankündigung des SV, die Heimspiele künftig woanders auszutragen.

Die Stadt stelle für den Stadionbetrieb pro Jahr bis zu 305.000 Euro bereit. Im Vorjahr seien es 250.000 Euro gewesen. Wegen Unregelmäßigkeiten bei der Zuschussverwendung habe die Stadt die Zahlungsmodalität für Investitionen geändert. „Der Verein muss eine Rechnung und einen Zahlungsbeleg nachweisen.“ Am 16. Januar reichte der SV einen Antrag zur Genehmigung der Jahresplanung von mehr als 550.000 Euro ein. „Er wies aber formelle wie inhaltliche Mängel auf“, so die Beigeordnete.

Mit Besorgnis sehe die Stadt auch den Umgang mit den Mitarbeitern. Der Verein habe die Verwaltung darüber informiert, dass drei Beschäftigte am 31. Januar die Kündigung erhalten. Sie macht auch klar: „Ich erwarte, dass der SV seinen vertraglichen Verpflichtungen nachkommt.“ Im Erbbaupachtvertrag sei vereinbart, dass der Frauen-Fußball-Bundesligist „Turbine Potsdam“ in dem Stadion seine Spiele abhält. Die Spielerinnen stehen nun auch auf der Straße.