Als der Aufstieg in die Regionalliga feststand, gab es bei Viktoria 89 kein Halten mehr. Ausgelassen feierten Spieler und Funktionäre des neuen Oberliga-Meisters im Stadion Berlin-Lichterfelde. Dass ausgerechnet ein 4:1 gegen den Lichterfelder FC den Sprung in die Viertklassigkeit brachte, ist durchaus kurios. Schließlich fusionieren beide Vereine zur neuen Saison.

Ulrich Brüggemann, Initiator der Verschmelzung und Präsident des LFC, hatte Schwierigkeiten, nach dem Spiel Worte zu finden: „Wer hat denn dieses Drehbuch geschrieben? Man verliert nie gerne, aber man muss ja auch in die Zukunft schauen.“ Nach dem vergangene Woche auf der Mitgliederversammlung von Viktoria 88,4 Prozent einer Fusion zustimmten und es fünf Tage später zum gleichen Ergebnis in Lichterfelde kam, war die Fusion perfekt.

Der Aufstieg ist der Startschuss für die Endplanungen. So muss für die kommende Spielzeit überlegt werden, wer wo trainiert. Keine leichte Aufgabe, hatte Lichterfelde allein doch schon die größte Jugendabteilung Deutschlands.

Fusionsverein heißt FC Viktoria 1889 Berlin Lichterfelde-Tempelhof e.V.

Der neue Verein, der ab dem 1. Juli 2013 mit dem sperrigen Namen FC Viktoria 1889 Berlin Lichterfelde-Tempelhof e.V. daherkommt, zählt mit rund 1750 aktiven Spielern in 70 Mannschaften zu den mitgliederstärksten Klubs der Hauptstadt. Auch die Trainerfrage der Regionalliga-Mannschaft ist noch nicht geklärt. Viktorias Trainer und Meistermacher Thomas Herbst hat wohl die besten Karten.

Ziel ist es, den Berliner AK als dritte Kraft im Berliner Fußball nach Hertha BSC und dem 1. FC Union abzulösen. Auch wenn es bei diesem Vorhaben mit Tennis Borussia und Türkiyemspor namhafte Vorgänger gibt, die kläglich scheiterten. „Wir denken langfristiger als unsere Vorreiter. Außerdem ist die Schlagkraft beider Vereine enorm“, sagt Viktorias Vize-Präsident Carsten Herrmann.

Die Fusion macht für beide Klubs Sinn, sportlich wie wirtschaftlich. Der LFC besitzt eine organisierte Jugendabteilung, ein professionelles Umfeld mit Geschäftsstelle und Casino. Dies gepaart mit der Marke und der Tradition von Viktoria, erzeugt ideale Voraussetzungen für ein erfolgreiches Engagement. Das Stadion Lichterfelde ist Regionalligatauglich, das Friedrich-Ebert-Stadion in Tempelhof nicht. Die Vorstandsmitglieder des Tempelhofer Klubs verfügen zudem über wichtige Kontakte in die Wirtschaft, die dem LFC fehlten.

Lichterfelder FC schien vor einem Jahr am Ende

Der Klub schien am Ende. 2011/12 konnte man keinen einzigen Sieg erzielen, nur Türkiyemspors Zwangsabstieg verhalf zum Oberliga-Verbleib. Ein Spieltag vor Schluss liegt man in der aktuellen Saison auf einem Abstiegsplatz. „Die Saison wird schwer, das war vorher klar. Aber wir haben das Beste draus gemacht und schwarze Zahlen geschrieben, das war uns wichtig“, sagt Brüggemann.

Träumen ist dennoch erlaubt, wie Brüggemann, von Beruf Richter, durchblicken ließ: „Wir werden definitiv keine wilden Abenteuer machen, die Dritte Liga ist eine Vision, aber der Verein muss sich zunächst mal stabil entwickeln. Die Regionalliga bietet uns da gute Möglichkeiten.“

Die Planungen für die Fusion laufen seit Herbst 2012 auf Hochtouren. Was noch fehlt, ist „ein sogenannter Verschmelzungsvertrag, der Verein wird zum 1. Juli Mitglied des Deutschen Fußball-Bundes“, erklärt Carsten Herrmann. In Kürze gibt es dann noch mal eine Mitgliederversammlung mit dem gesamten Verein, wo dann der neue Vorstand des Klubs gewählt und die Satzung verabschiedet wird.

Neuer Verein setzt auf zugezogene Berliner

Um den neuen Verein bekannt und interessant zu machen, muss man als nächsten Schritt die Neugier der Fußball-Fans wecken. Vor allem die der 250.000 dazugezogenen Berliner, deren Herzen für Bayern, Dortmund oder einen anderen deutschen Verein schlagen und denen eine Identifikation mit Hertha oder Union schwer fällt.

Als ersten prominenten Gast haben sich die Verantwortlichen von Viktoria schon mal Union geangelt. Am 20. Juni findet die Partie im Stadion Lichterfelde statt. Inwiefern der LFC beteiligt sein wird, ist aber noch nicht klar.

„Zu diesem Zeitpunkt ist der neue Verein noch nicht eingetragen, da müssen wir uns noch Gedanken machen“, erklärt Brüggemann. Über einen Sieg der Blauen gegen den Zweitligisten hat er sicherlich nichts einzuwenden. Hielt er sich am Sonntag aus Anstand noch zurück, dürfte er wohl dann zum ersten Mal mit Viktoria feiern.