Am liebsten würde er sofort in den Urlaub fahren. Doch bevor er mit seiner Freundin Lynn irgendwo hinfliegt, „wo es ruhig ist“, ruft für Arne Friedrich die Pflicht. Nach eigener Auskunft wird der deutsche Nationalspieler am Dienstag oder vielleicht auch erst am Mittwoch nach Wolfsburg fahren. Der Innenverteidiger, der acht Jahre bei Hertha BSC unter Vertrag stand und ab 1. Juli für drei Jahre beim VfL Wolfsburg unterschrieben hat, muss sich eine Wohnung suchen.

Erst wenn er sie gefunden hat, wird der 31-Jährige die Zeit haben, die er braucht, um sich zu entspannen und Kraft für neue Aufgaben zu tanken. Zeit, die er aber auch dazu nutzen wird, noch einmal auf die vergangenen Wochen zurückzublicken, in denen er nachhaltig für positiven Eindruck gesorgt hat. Friedrich zählt aus deutscher Sicht neben Bastian Schweinsteiger und Thomas Müller zu den überragenden Persönlichkeiten der WM 2010.

Er, der jahrelang nur als Mitläufer in der Nationalelf galt, ist zu einer Führungsfigur aufgestiegen. Er stand in allen sieben Spielen in der Startelf und überzeugte mit teilweise grandiosen Leistungen in der Abwehr. Doch so sehr er dafür mit Lob überschüttet wurde, so sehr zeigte sich der 79-malige Nationalspieler nach dem Ende des Turniers auch geknickt über die verpasste Titelchance. Es sei zwar immer noch besser als Dritter und nicht als Vierter nach Hause zu kommen. Aber für Friedrich ist das nur wenig Trost. „Wenn man so eine gute WM spielt, wie wir es getan haben, wäre vielleicht mehr drin gewesen für uns. Deshalb bin ich etwas enttäuscht“, sagt er. Die Zeit in Südafrika fand er trotzdem genial, weil es unter anderem trotz eines Quartiers in der Abgeschiedenheit keinen Lagerkoller gab. „Wir haben als Team funktioniert und waren wie eine Familie.“

Im Trainingslager von Südtirol Ende Mai war es Friedrich gelungen, sich in den Fokus des Bundestrainers zu spielen. Joachim Löw registrierte dessen Einsatzwillen und die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen. Am Sonntag nun lobte Löw noch einmal explizit Friedrich und seine Kollegen aus dem Mannschaftsrat; Schweinsteiger, Klose, Mertesacker, Lahm. „Es hat mir gefallen, mit welcher Professionalität und emotionalen Intelligenz sie das Team geführt haben.“

Worte, die Friedrich gefallen werden. Umgekehrt zeigt auch er sich angetan vom Trainer. Man müsse, sagt er, sich nur mal die vergangenen Jahre unter Joachim Löw anschauen: „Wir sind mit ihm als Assistent Dritter bei der WM 2006 geworden, Zweiter mit ihm als Chef bei der EM 2008 und nun Dritter. Es zeigt, dass da eine Konstanz drin ist. Und jetzt spielen wir noch attraktiven Fußball.“ Er könne für den DFB nur hoffen, ergänzt der Abwehrspieler, dass Löw bleibt.

Was seine Bleibe in Wolfsburg betrifft, hat der Verteidiger keine großen Ansprüche. Die neue Wohnung muss nicht groß sein, Berlin soll der Lebensmittelpunkt für ihn und Lynn bleiben.

LaGa/lwa