WM-Halbfinale

Schland unter – WM ohne Happy End

Deutschland hat i Halbfinale 1:0 verloren. Für Jogi Löws Team ist die WM in Südafrika zu Ende. Stefan Frommann über das Aus der Nationalmannschaft gegen Spanien und das, was von dieser WM bleibt.

Die deutsche Mannschaft ist im Halbfinale der WM ausgeschieden, und auf den Fanmeilen der Republik herrschte große Ernüchterung. Das ist verständlich, denn die deutsche Sommermärchen-Nation hatte noch längst nicht genug von diesem Turnier und dem damit verbundenen schwarz-rot-gelben Freudentaumel. Zu groß ist die Sehnsucht nach dem wichtigsten aller Fußball-Titel, den andere Generationen 1954, 1974 und 1990 bejubeln durften. Und zu nah haben sich die deutschen Kicker in Südafrika an diesen Traum herangedribbelt. Niemand hat vergessen, was uns der Fußball in den Monaten vor der WM alles zugemutet hatte. Ehrlich gesagt wollte ich mein Fußball-Herz schon bei ebay für einen Euro verramschen. Ich hatte die Nase voll von zerstrittenen DFB-Angestellten, von Schiedsrichter-Intrigen, Staatsanwälten in Kreisligen und von betrogenen Anhängern.

Diese junge Nationalmannschaft aber hat den Ball mit nur wenigen Kontakten und tollem Direktspiel in mein Herz zurückgepasst. Ein paar Spiele nur, eine gefühlte Ewigkeit Glück. Joachim Löws Multi-Kulti-Truppe hat aus Deutschland „Schland“ gemacht. Das klingt nicht mehr so teutonisch hart, und es passt vor allem zu diesen Jungs, zu ihrer Art Fußball zu spielen. Eleganz statt Kraftakt. Früher waren wir einmal das Land der Wadenbeißer und Dauerpessimisten. Doch Schland hat sich verändert, nicht nur im Fußball. Es ist das Land einer tätowierten First Lady geworden. Das Land einer kinderlosen Familienministerin. Ein Waisenjunge aus Vietnam ist Gesundheitsminister und redet mit seinen 37 Jahren so smart als sei er ein alter Politikhase. Da passt es, dass auch unsere besten Fußballer immer jünger werden.

In der Ära Lothar Matthäus waren das noch deren zweite oder dritte Ehefrauen. Der deutsche Fußball hat den Umbruch erfolgreich vollzogen, deutlicher als durch acht Tore über England und Argentinien konnte er das nicht unter Beweis stellen. Die Epoche der Rumpelfüßler ist beendet. Die Enttäuschung über das Aus gegen Spanien ist groß. So wie die Liebe zwischen Teresa und Robert Enke kein Happy End bekam, verhält es sich jetzt leider auch für das Partyvolk und diese hoffnungsvolle Mannschaft. Aus dem Tod des Nationaltorhüters aber haben wir gelernt, dass Schwächen zum Leben gehören und dass wir uns ihnen stellen müssen. Gestern waren die Spanier die besseren Fußballer. Erkennen wir das an. Und freuen wir uns über das, was uns diese deutsche Mannschaft in den wundervollen Tagen von Südafrika alles geschenkt hat – vor allem Anerkennung und Begeisterung in der Welt.