Im Überschwang der Gefühle richtete der Mann des Tages eine Kampfansage an die gesamte Konkurrenz. Er frage sich, warum plötzlich alles von Deutschland schwärme, sagte Gonzalo Higuain nach der glanzvollen Vorstellung Argentiniens am Donnerstagmittag beim 4:1 (2:1) gegen Südkorea. Es sei doch eindeutig so, „dass wir den besten Fußball bei diesem Turnier spielen“, betonte Higuain und fügte mit Überzeugung in der Stimme hinzu: „Wir sind gekommen, um den Titel zu holen. Es führt kein Weg an uns vorbei.“
Der Angreifer von Real Madrid hatte allen Grund, dieses Selbstvertrauen zur Schau zu stellen. Es war eine beeindruckende Leistung seines Teams gewesen, aus dem Higuain vor 82?174 Zuschauern im Stadion Soccer City von Johannesburg mit drei Toren (33., 76. und 80. Minute) herausragte. Zuvor hatten in Chu-Yong Park (16.) sowie Chung-Yong Lee (45.) zwei Südkoreaner getroffen, Park jedoch ins falsche Tor.
Abrechnung mit Kritikern
Higuain nutzte die Gunst des Augenblicks, mit allen Kritikern abzurechnen. Argentinien hatte sich in der Qualifikation schwer getan, das Ticket nach Südafrika erst auf den letzten Drücker gelöst, was dazu führte, das die Qualitäten von Diego Maradona als Nationaltrainer in der Heimat zumindest angezweifelt wurden. Mit diesem Argwohn müsse nun Schluss sein, forderte der Mittelstürmer: „Unser Kader hat die Klasse, den Willen – und den Trainer, um den Titel zu holen.“
Die erste Hürde hat Maradona mit seiner Auswahl schon genommen, nach zwei Siegen dürfte den Argentiniern der Einzug in das Achtelfinale nicht zu nehmen sein. „Es ist nur eine weitere Etappe“, bemühte sich der Trainer ganz im Gegensatz zu seinem Naturell um Bodenständigkeit. Er sei stolz auf seine Mannschaft, „sie hat wunderbar gespielt, kreativ und entschlossen.“
Für den 49-Jährigen war es ein besonders süßer Sieg, denn es galt noch eine persönliche Rechnung mit seinem südkoreanischen Widersacher Jung-Moo Huh zu begleichen. Die beiden waren sich bei der WM 1986 schon einmal begegnet, damals noch in kurzen Hosen. „Als ich sein Gesicht sah, habe ich mich sofort an ihn erinnert“, sagte Maradona. Mit einem üblen Tritt in Hüfthöhe hatte Jung-Moo Huh ihn damals niedergestreckt. Mit Fußball hätte das gar nichts zu tun gehabt, „er hat Taekwondo praktiziert“, sagte der argentinische Trainer und fügte gespielt ernsthaft hinzu: „Zum Schutz habe ich aus unserem Quartier eine Rüstung mitgebracht.“
Durch die starke Leistung seiner Mannschaft vergaß Maradona jedoch seinen 24 Jahre andauernden Groll auf Jung-Moo Huh. Nach dem Abpfiff ging er einige Schritte auf ihn zu und klopfte ihm freundschaftlich auf die Schulter. Erst dann kehrte er zu seinen Spielern zurück, um jeden ausgelassen an die breite Brust zu drücken.
Nach dem Auftakterfolg über Nigeria (1:0) und schon vor der Partie gegen Südkorea, das gegen Griechenland (2:0) ebenfalls mit einem Sieg in das Turnier gestartet war, hatte sich Maradona in bester Laune präsentiert. Jedes Spiel empfinde er als „Feiertag“, also verzichtete der argentinische Trainer auf die Rüstung und wählte einen dunkelgrauen Anzug samt silberner Krawatte.
Lust auf Fußball
Seine Mannschaft hatte so richtig Lust auf Fußball. Von Beginn an dominierten die Südamerikaner das Geschehen und ihr Eifer wurde früh belohnt: Nach einem Freistoß von Lionel Messi, der von Higuain in den Schatten gestellt wurde, verpasste Martin Demichelis vom FC Bayern den Ball um Haaresbreite, doch der hinter ihm stehende Park beförderte die Kugel ins Netz. Maradona schlenderte an die Seitenlinie und klatschte recht verhalten Beifall, vielleicht aus Mitgefühl für den südkoreanischen Unglücksraben. Beim zweiten Treffer ließ der Trainer seiner Euphorie freien Lauf, nach Flanke von Maxi Rodriguez erhöhte Higuain, der in Frankreich geboren ist und vor vier Jahren eine Offerte der Franzosen ablehnte, mit einem Kopfballaufsetzer.
Maradonas Freude am Auftreten seiner Schützlinge wurde nur einmal getrübt. Ausgerechnet durch den Münchner Demichelis, der in der Nachspielzeit der ersten Halbzeit als letzter Mann den Ball verstolperte und den Südkoreanern zum Anschlusstreffer verhalf. Es war ein Ausrutscher ohne weitere Folgen, denn dem Außenseiter fehlte es an Klasse, um Argentinien in Bedrängnis zu bringen.
Die Südamerikaner bestimmten das Tempo nach Belieben und im Gegensatz zum Auftaktduell mit Nigeria, als es ihnen an Effizienz mangelte, schlugen sie erbarmungslos zu. „Daran haben wir gearbeitet. Ich bin stolz, dass die Jungs es umgesetzt haben. Es war fast perfekt“, sagte Maradona.
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