Ein Schulterzucken. Mehr war da nicht. Kein Jubel, kein Klatschen. Otto Rehhagel stand einfach nur da und schien irgendwie nicht zu wissen, was dieser Erfolg nun wirklich bedeutet. Soeben hatte die Mannschaft des griechischen Nationaltrainers in ihrem zweiten Spiel der Gruppe B 2:1 (1:1) gegen Nigeria gewonnen und die Hoffnung auf das Achtelfinale gewahrt.
Und nicht nur das: Es war nach der Auftaktniederlage gegen Südkorea (0:2) Griechenlands erster Sieg bei einer WM. Bei der ersten Teilnahme 1994 in den USA war die Auswahl ohne Punkt und Tor in der Vorrunde ausgeschieden.
Vor allem aber hat der Erfolg Rehhagel eine Möglichkeit eröffnet, vielleicht doch auch nach der WM noch im Amt zu bleiben. Der Vertrag des mit 71 Jahren ältesten Trainers der WM-Historie läuft aus, in Fernando Santos von Paok Saloniki soll schon ein Nachfolger bereitstehen. Angeblich hat Rehhagel mit den Verantwortlichen des Verbandes darüber gesprochen, seine Tätigkeit nach dem Turnier und neun Jahren zu beenden.
Der Trainer soll der Mannschaft unter der Woche bereits gesagt haben, „dass es die letzten Tagen sein könnten, die wir zusammen verbringen.“ Kommt jetzt alles anders? Mit einem Sieg am Dienstag können die Griechen es in die nächste Runde schaffen. Allerdings wird es schwer: Der Gegner heißt Argentinien. „Eine Weltklasse-Mannschaft. Wir freuen uns, dass wir noch eine Chance haben. Es wird eine schwere Nummer“, so Rehhagel.
Um zumindest theoretische Chancen zu wahren, hatte Rehhagel viel verändert – für seine Verhältnisse. Er verbannte Angelos Charisteas aus der Startformation. Bislang hatte er immer auf den Stürmer gesetzt, gemeinsam mit Theofanis Gekas bildete dieser in der Qualifikation eines der erfolgreichsten Sturmduos (gemeinsam 14 Tore). Doch seine Leistung gegen Südkorea war offenbar auch Rehhagel zu schwach gewesen. Für ihn spielte Dimitrios Salpingidis (Panathinaikos Athen). Zudem stellte Rehhagel den 30-jährigen Sotirios Kyrgiakos auf und verstärkte die Abwehr mit einem dritten Innenverteidiger. Der Trainer setzte im entscheidenden Spiel auf Defensive – Steinzeittaktik.
Dennoch lag Griechenland im schwach besuchten Free State Stadion schon nach 15 Minuten zurück. Nach einem Foul von Loukas Vyntra gab es Freistoß für Nigeria, und Kalu Uche schlug den Ball aus rund 18 Metern hoch in den Strafraum, Konstantinos Katsouranis sprang drunter durch, und der Ball landete im Netz.
Rot für Kaita
Rehhagels Spielern gelang in der ersten Halbzeit wenig. Sie spielten berechenbare Pässe und hatte offensiv keine Ideen. Nigeria war aktiver – trotz negativer Umstände. Sani Kaita schwächte seine Mannschaft, als er in der 33. Minute nach Vasileios Torosidis nachtrat. Der Mittelfeldspieler traf zwar nicht, erhielt dennoch völlig berechtigt die Rote Karte. „Danach hatten wir ein Übergewicht“, sagte Rehhagel.
In Überzahl riskierte Rehhagel jetzt mehr und brachte Stürmer Georgios Samaras ins Spiel. Griechenland hatte mehr Raum und eine große Chance, doch Salpingidis scheiterte freistehend an Nigerias starkem Torwart Vincent Enyeama (39.).
Fünf Minuten später hatte er mehr Glück: Lukman Haruna fälschte seinen Schuss aus rund 17 Metern ab – 1:1. Die Griechen drangen nun auf den Siegtreffer, ermöglichten Nigeria aber auch Konterchancen. In der 59. Minute musste der eingewechselte Chinedu Obasi (1899 Hoffenheim) den Ball nur ins leere Tor schießen, brachte aber das Kunststück fertig und setzte ihn neben den Pfosten.
Es war jetzt ein offener Schlagabtausch: Samaras köpfte ins lange Eck, die griechischen Fans jubelten schon, doch Enyeama rettete mit einer Glanzparade. Er war bis zu diesem Zeitpunkt der Torhüter der WM. Doch in der 71. Minute ließ er einen Schuss von Alexandros Tziolis in die Mitte abprallen, und Vasileios Torosidis schob zum 2:1 ein. „Jetzt werden wir uns auf das Spiel gegen Argentinien konzentrieren und sehen, wie wir es angehen“, sagte Otto Rehhagel.



























