Der Dauer-Clinch der Fußball-Idole geht in die nächste Runde: Brasiliens Pelé hat gegen Diego Maradona geschossen. "Maradona ist Trainer der argentinischen Nationalmannschaft geworden, weil er einen Job und Geld brauchte“, tönte Pelé laut brasilianischen Medienberichten bei einer PR-Veranstaltung am Montagabend (Ortszeit) in Sao Paulo.

Der Konter von Maradona dürfte bei der WM in Südafrika nicht lange auf sich warten lassen. Denn Auslöser der giftigen Reaktion aus Brasilien war wiederum die Kritik des Argentiniers, den Pelés Zweifel am Gastgeberland Südafrika geärgert hatten. „Ich weiß nicht, warum er soviel über mich redet, er muss mich lieben“, witzelte Pelé.

Doch die Rivalität der beiden Südamerikaner ist alles andere als ein Scherz. „Tatsache ist, dass es eine Umfrage gab, bei der ich ihn hinter mir gelassen habe. Das kann mir keiner mehr nehmen. In Brasilien gab es eine weitere Umfrage, bei der er ebenfalls den zweiten Platz belegte – hinter Ayrton Senna. Also, er sollte langsam mal vom ewigen zweiten Platz wegkommen“, lästerte Maradona einmal in einem offiziellen Fifa-Interview. „Das einzige bedeutende Kopfballtor seiner Karriere erzielte Maradona mit der Hand“, stichelte wiederum Pelé und meinte den historischen WM-Treffer 1986 bei Argentiniens 2:1-Viertelfinalsieg gegen England, den Maradona mit der „Hand Gottes“ erzielt hatte.

Dreimal wurde Pelé, kopfballstark und treffsicher mit beiden Füßen, mit der „Seleçao“ Weltmeister; Maradona, der vor allem über einen begnadeten linken Fuß verfügte und mit seiner Dynamik und Technik die Gegner düpierte, führte die „Albiceleste“ 1986 zum Titel. Ob Steuerhinterziehung oder Drogenkonsum – in Sachen Skandalen ist der „Gaucho“ klar die Nummer eins. „Maradona ist ein schlechtes Vorbild. Er war ein exzellenter Spieler, aber unglücklicherweise konnte die ganze Welt zuschauen, was er aus seinem Leben gemacht hat“, meinte Pelé daher einmal. Und er selbst? Dass er einmal für das Potenzmittel Viagra Werbung machte, brachte Pelé einigen Spott ein. Sein Ausflug in die Politik blieb auch nur von kurzer Dauer.

Maradona hat sich seit seinem Antritt im Oktober 2008 als Trainer der Argentinier im Amt gehalten, allen Kritikern und Gegnern zum Trotz. Von seinen Spielern wird er teilweise emphatisch verehrt. Das Engagement sei „ein Fehler“ des argentinischen Verbandes, befand nun aber Pelé. „Mit ihm als Trainer der argentinischen Nationalmannschaft haben sie nur mit Schwierigkeiten die Qualifikation geschafft, aber es ist nicht die Schuld von Maradona, sondern von denen, die ihn eingestellt haben“, sagte der Brasilianer. „Wir alle wussten, dass es damals für das Amt des Nationaltrainers andere Kandidaten mit mehr Erfahrung gab“, hatte der 69-Jährige vorher kund getan.

Häme und Spott zwischen den beiden haben eine lange Tradition. Vor 30 Jahren hatte es schon mal eine Auseinandersetzung gegeben. Pelé sagte damals im „Playboy“, in seiner Jugendzeit einige homosexuelle Erfahrungen gehabt zu haben zu haben. Maradona machte sich darüber prompt lustig.

In diesem Jahr waren die beiden Legenden dann aber sogar an einem Tisch vereint – an einem Tisch-Kicker. Starfotografin Annie Leibovitz und ein Designer hatten in ein Café in Madrid geladen. Pelé und Frankreichs Zinedine Zidane waren pünktlich – „Diva Diego“ kam mit Verspätung.

Pelé trat gegen Zidane an, Maradona machte den Schiedsrichter. „Es ist ein episches Match zwischen Pelé und Zidan“, rief er aus. Viele wünschen sich manchmal lieber ein Duell auf dem grünen Rasen zwischen Pelé und dem zwanzig Jahren jüngeren Maradona – dann könnten die beiden Streithähne mal zeigen, wer der Bessere ist. Und zwar nicht mit Worten.

dpa/fw