Eigentlich war doch alles so schön bei den Füchsen Berlin: die erste deutsche Meisterschaft in der Klubgeschichte, ein rauschhafter Einzug ins Finale der Champions League und zwei prominente Zugänge für eine weitere Verstärkung des Kaders. Zuletzt folgte noch die Titelverteidigung im Supercup und am Sonntag mit einem standesgemäßen 39:27 gegen den Bergischen HC der erfolgreiche Start in die neue Saison der Handball-Bundesliga.
Doch schön war da schon längst nichts mehr. Hinter den Kulissen tobte ein Machtkampf zwischen Sportvorstand Stefan Kretzschmar und Geschäftsführer Bob Hanning. Streitpunkt waren die nicht verlängerten Verträge von Kretzschmar und Meistertrainer Jaron Siewert, die 2026 auslaufen. Der Konflikt hatte sich in den vergangenen Tagen immer weiter in die Öffentlichkeit verlagert, bis am Dienstagmittag der Kulminationspunkt erreicht war: Stefan Kretzschmar verkündete via Instagram, seinen Vertrag nicht mehr verlängern zu wollen und die Füchse Berlin nach Ende der gerade begonnenen Saison zu verlassen.
Füchse Berlin: Stefan Kretzschmar will nur noch bis Juni 2026 weiter im Verein arbeiten
„Öffentliche Diskussionen um die strategische Ausrichtung tun dem Verein nicht gut. Um den medialen Druck zu nehmen und den Fokus auf unsere ambitionierten Ziele in dieser Saison zu lenken, gebe ich meine Entscheidung heute bekannt“, heißt es im Statement des ehemaligen deutschen Nationalspielers. Und weiter: „Bis Juni 2026 werde ich mit voller Leidenschaft arbeiten und kämpfen, um diese Ziele zu erreichen.“
Ob es tatsächlich dazu kommt, bleibt abzuwarten. Ein Sportvorstand, dessen Abschied bereits feststeht, wird kaum noch große Gestaltungsmöglichkeiten haben. Zumal Kretzschmar den Verein nicht vorab über seinen Beschluss informiert hatte. „Die Füchse Berlin wurden von dieser Entscheidung überrascht und nehmen sie mit großem Bedauern zur Kenntnis“, heißt es in der offiziellen Klubmitteilung, die erst anderthalb Stunden nach Kretzschmars Post veröffentlicht wurde.
Gesellschafter beraten über weitere Schritte
Die Füchse teilen weiter mit: „Die Gesellschafter werden nun unternehmerisch entscheiden, wie die Zukunft des Vereins vor dem Hintergrund dieser Entwicklung bestmöglich zu gestalten ist.“ Ob Kretzschmar also noch das Ende dieser Saison in verantwortlicher Position erlebt, ist völlig offen. Ebenso wie viele weitere Fragen, die nun in den Blickpunkt rücken.
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Zunächst geht es da vor allem um die Zukunft des Meistertrainers Siewert, dessen Vertrag ebenfalls 2026 ausläuft. Kretzschmar hatte sich stets vor seinen Coach gestellt und eine Verlängerung der Zusammenarbeit befürwortet. Von Geschäftsführer Hanning und Vereinspräsident Frank Steffel waren die Signale zuletzt nicht ganz so eindeutig.
Kretzschmar holte Mathias Gidsel und viele andere nach Berlin
Steffel etwa stellte schon während der Sommerpause in der „Sport Bild“ in den Raum, ob Siewert nicht bald von sich aus eine andere Herausforderung angehen wolle. Und Hanning verwies stets auf laufende Gespräche mit seinem Trainer, den er selbst in dieser Rolle großzog, und kündigte eine Entscheidung im September an. Nun ist der September gekommen und die Dinge könnten sich nach Kretzschmars Entschluss auch in diesem Bereich schnell entwickeln.
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Die Zukunft der Mannschaft ist eine andere entscheidende Frage. Etliche Stars wie Welthandballer Mathias Gidsel oder auch der jüngste Zugang Tobias Gröndahl machten keinen Hehl daraus, welch entscheidende Rolle die Persönlichkeit Kretzschmar in ihrer Entscheidung für die Füchse gespielt habe. Dieses internationale Topniveau im Kader auch ohne die Strahlkraft Kretzschmars künftig aufrechtzuerhalten, wird die große Aufgabe für die Füchse Berlin.
Füchse vor wegweisender Woche mit Spiel gegen Magdeburg
Die aktuelle Entwicklung zeigt nun, dass auch schon in der Meistersaison einige Dinge im Klub im Argen lagen. Auf dem Weg zum historischen Titel konnten sich Hanning und Kretzschmar noch im Sinne des Vereins zusammenraufen. Am Dienstag allerdings sagte Hanning in Bezug auf den Streit gegenüber der „FAZ“: „Vieles, was wehgetan hat, geht jetzt in die Verarbeitung.“
Dabei hätte sich Kretzschmar bis vor Kurzem offenbar schon noch vorstellen können, seine Arbeit im Verein fortzusetzen. Gegenüber der Berliner Morgenpost erklärte er erst vergangenes Wochenende: „Ich finde, die Füchse Berlin sind einer der interessantesten Vereine im europäischen Handball. Es gibt nichts, was mich mehr reizen würde als das.“ Zugleich sagte Kretzschmar aber auch, dass er nicht wisse, „welche Idee der Verein gerade hat“.
Nun steht fest, dass Kretzschmar in dieser Idee keine Rolle mehr spielt. Und das alles zu Beginn einer wegweisenden Woche mit dem Auswärtsspiel bei Frisch Auf Göppingen am Mittwoch (19 Uhr, Dyn) und dem Topspiel gegen den SC Magdeburg am Sonnabend (15.40 Uhr, Max-Schmeling-Halle).




