Drago Vukovic grinste. „Die Kabinenansprache war sehr laut“, sagte der Rückraumspieler der Füchse Berlin. 11:14 hatten die Berliner Handballer im Ligaspiel gegen den VfL Gummersbach zurückgelegen, gewannen die Partie aber dank einer starken zweiten Hälfte noch 31:24. „In erster Linie freue ich mich, dass wir gewonnen haben, aber ich war richtig böse und traurig über das, was ich in der ersten Hälfte gesehen habe“, sagte Füchse-Trainer Velimir Petkovic.

Vor einem Jahr war den Gummersbachern tatsächlich ein Auswärtserfolg in Berlin gelungen. Durch die Niederlage im vergangenen Mai verpassten die Füchse die Qualifikation für die Champions-League. Auch am Sonntag deutete in den ersten 30 Minuten alles auf einen Erfolg des Tabellenfünfzehnten hin, der verletzungsbedingt arg dezimiert nach Berlin gereist war.

Lasche Einstellung bis zur Pause

Weder Drago Vukovic noch Mattias Zachrisson, der ab der 16. Minute aufs Feld kam, gelang es, ein schnelles und breites Spiel aufzuziehen, das die Gummersbacher Abwehr vor Herausforderungen gestellt hätte. VfL-Spielmacher Simon Ernst hingegen, der ab kommender Saison das Füchse-Trikot trägt, setzte seine Nebenleute geschickt ein und war mit sieben Toren neben Eirik Köpp der beste Werfer der Gäste. Einen Spieler wie ihn hätten die Füchse auch benötigt. „Noch werde ich aber in Gummersbach gebraucht“, sagte Ernst nach der Partie.

Sein Team spielte außerdem clever und sehr diszipliniert in der Abwehr, den Füchsen hingegen fehlte zunächst jeglicher Biss in ihrer Paradedisziplin. „Wir haben ein Mannschaft gesehen, die überhaupt nicht auf dem Platz gestanden hat. Das darf nicht passieren“, donnerte Petkovic. Erst nach seiner Halbzeit-Ansprache waren die so langersehnten Anführer endlich da: Hans Lindberg, der auf der Außenbahn oft Luftlöcher zählen kann, weil dem Aufbauspiel der Füchse die Breite fehlt, nahm sich die Bälle einfach selbst und war am Ende mit neun Treffern der beste Werfer. Steffen Fäth agierte im linken Rückraum souverän (8), und auch Fabian Wiede (5) konnte an seine alte Form anknüpfen.

Ausschlaggebend für die Aufholjagd der Füchse war aber die aggressivere Deckung. Drago Vukovic blockte einen Ball nach dem nächsten, der Mittelblock schloss plötzlich wieder, sodass Torhüter Silvio Heinevetter dahinter erneut mit insgesamt 18 Paraden glänzen konnte. Innerhalb von sechs Minuten egalisierten die Füchse den Spielstand (17:17/36.), dank eines 5:0-Laufs zogen sie auf 24:19 davon (46.).

Geschäftsführer Hanning droht Konsequenzen an

Plötzlich zeigten die Füchse den 6121 Zuschauern in der Schmeling-Halle, dass der fehlende Spielmacher durchaus zu verschmerzen ist, wenn alle mit der passenden Einstellung auf dem Feld stehen. Mit einem Mal gelangen Anspiele auf die Außen und sogar auch mal an den Kreis, sodass auch aus dem Rückraum wieder einfache Tore möglich wurden. „20 Tore in der zweiten Hälfte sagen alles über unsere Qualität“, stellte Petkovic fest.

So richtig konnte er sich noch nicht über den Sieg freuen. Der Auftritt seines Teams in der ersten Hälfte hatte ihn sehr mitgenommen. „Ich verstehe nicht, warum ich Leute erst wecken muss, die schon alles erreicht haben in ihrer Karriere und die eigentlich wissen müssten, wie es geht. Ich muss nochmal mit der Mannschaft reden, denn ich will auch mal erleben, dass wir in eigener Halle über die gesamte Spielzeit so eine Leistung zeigen wie in der zweiten Hälfte und auch mal ein Spiel mit plus zehn Toren gewinnen.“

Auch Bob Hanning drohte Konsequenzen an. Zwischenzeitlich hatte der Geschäftsführer sich hinter seine Abwehrreihe gestellt und von außen ins Spiel gebrüllt. „Die erste Halbzeit nervt mich. Das ist ein Auftritt, den ich so nicht akzeptieren werde“, sagte er.