Bundesliga-Spitzenspiel

Mit Geduld nimmt Paul Drux Rio ins Visier

Füchse-Star Paul Drux kämpft sich nach seiner schweren Schulterverletzung Schritt wieder heran. Im Liga-Spiel gegen Kiel will er weiteres Selbstvertrauen gewinnen.

Paul Drux bestritt nach seinem Comeback bislang zwei Bundesligaspiele für die Füchse. Am Sonnabend tritt er mit den Berlinern beim THW Kiel an

Paul Drux bestritt nach seinem Comeback bislang zwei Bundesligaspiele für die Füchse. Am Sonnabend tritt er mit den Berlinern beim THW Kiel an

Foto: Bernd Wende Sportfoto / picture alliance / Photowende

Berlin.  „Ein kurzer Moment der Freude“ sei es gewesen, erzählt Paul Drux. „Es hat sich angefühlt, als wenn ein kleiner Knoten geplatzt ist.“ Der Handballprofi von den Füchsen Berlin spricht von seinem ersten Tor nach der fast sieben Monate dauernden Verletzungspause. Aber weiter darüber nachzudenken, verbot sich nach seinem Treffer zum 16:9 in der 22. Minute gegen den Bergischen HC am vergangenen Sonntag: „Ich musste ja schnell zurücklaufen und mich in der Abwehr konzentrieren.“

Der 21-Jährige ist wieder zurück auf dem Feld. Seinen ersten Einsatz hatte er am 14. Februar gegen Melsungen, es folgte das Spiel gegen den Bergischen HC – und nun steht am Sonnabend Spiel Nummer drei nach der Zwangspause beim Meister THW Kiel an (19 Uhr, Livestream bei sport1.de). „Es geht bei ihm Schritt für Schritt voran“, freut sich Füchse-Trainer Erlingur Richardsson über die Fortschritte von Drux. Natürlich fehlt ihm noch Spielpraxis. „Die Automatismen greifen noch nicht, das ist nach einer solch langen Pause aber normal“, sagt Sportkoordinator Volker Zerbe.

Mit jedem Spiel steigt das Selbstvertrauen

Drux selbst fühlt, dass „mit jedem Spiel mehr Selbstvertrauen zurückkommt und die Unsicherheit ein bisschen weggeht“. Denn die Unsicherheit ist noch nicht komplett überwunden. „Kopf und Körper müssen zusammenarbeiten“, weiß er. Die Diagnose der Verletzung, erlitten in einem Vorbereitungsspiel im Juli 2015, war niederschmetternd: Riss der Knorpellippe (Labrum) am rechten Schulterblatt. Rechts ist der Wurfarm des 1,92 Meter großen Rückraumspielers.

Man merkt es Paul Drux an, dass er nicht mehr gern auf die Zeit zurückblickt, in der er sich mit monatelanger Rehabilitation hat wieder herankämpfen müssen. Er sei „geduldig geblieben“, auch wenn es manchmal schwerfiel. „Ich habe mich nach den Ärzten gerichtet, die mir geraten hatten, lieber zwei Wochen später wieder anzufangen als zu früh.“ Und er hat sich auch davon nicht verrückt machen lassen, dass beispielsweise sein Teamkollege Bartlomiej Jaszka nach einer schweren Schulterverletzung wohl seine Karriere beenden muss. „Natürlich denkt man schon mal, was wäre wenn.“ Aber wirklich Zweifel seien ihm „nie gekommen“.

Duales Studium in BWL begonnen

Während der Pause hat er ein duales Studium in Betriebswirtschaftslehre bei der AOK Nordost begonnen. Sehr viele Stunden habe er während der Verletzungszeit wahrnehmen können, „jetzt muss ich aber wieder vieles dem Sport unterordnen.“

Niemand solle allerdings nun auf dem Feld gleich Wunderdinge von ihm erwarten, sagt Drux. Er ist sich bewusst, dass sich mit seinem Namen hohe Erwartungen verbinden. Wichtig ist für ihn aber: „Ich lasse mir Zeit – und ich bekomme die Zeit ja auch.“

Seine Verletzung hat ihn auch um die Teilnahme an der Europameisterschaft in Polen gebracht, bei der das Team von Bundestrainer Dagur Sigurdsson bekanntlich im Januar sensationell den Titel gewann. Riesig gefreut hat er sich mit den Kollegen, die sich durch den Triumph auch die Teilnahme an den Olympischen Spielen in Rio (5. bis 21. August) sicherten. Und nach Rio will auch Drux. „Das ist mein großer Traum.“

Länderspiel am 13. März in Berlin gegen Katar

24 Länderspiele (51 Tore) hat Paul Drux bisher bestritten. Jetzt muss er sich zurück ins Nationalteam von Dagur Sigurdsson kämpfen. „Ich muss erst einmal bei den Füchsen zu alter Stärke zurückfinden.“ Um damit Sigurdsson zu signalisieren, „dass er sich auf mich verlassen kann, wenn er mich braucht. Das dauert seine Zeit“. Vor den beiden Länderspielen gegen Katar am 11. März in Leipzig und am 13. März in Berlin (15 Uhr, Schmeling-Halle) hat Sigurdsson ein kurzes Trainingslager in Berlin angesetzt. Ob Drux schon zum Kader gehören wird? „Ich kenne die Planungen von Dagur nicht“, sagt er eher zurückhaltend. „Vielleicht käme das für mich zu früh.“ Auch hier ist Geduld gefragt.