Handball

Bei den Füchsen droht eine Lücke am Kreis

Jesper Nielsens Abschied zum Saisonende verstärkt die Probleme der Füchse beim oft so wichtigen Spiel durch die Mitte.

Der schwedische Kreisläufer Jesper Nielsen wird die Füchse bald verlassen

Der schwedische Kreisläufer Jesper Nielsen wird die Füchse bald verlassen

Foto: dpa Picture-Alliance / Bernd Wende Sportfoto / picture alliance / Photowende

Berlin.  Ganz zufrieden ist Jesper Nielsen nicht mit seiner Statistik. 50 Tore hat der Kreisläufer der Füchse Berlin in dieser Saison erzielt, damit ist er drittbester Kreisläufer der Bundesliga. Drei Tore pro Spiel wirft der schwedische Nationalspieler, Rückraumregisseur Petar Nenadic trifft aber mehr als sieben Mal im Schnitt. „Ich hole meist noch zwei, drei Strafwürfe raus, die müsste man eigentlich dazuzählen“, meint Nielsen.

Mehr Tore oder mehr auch mehr Siebenmeter sind nicht nur Nielsens Ziel. „Ich würde gern, dass wir mehr Pässe zu Jesper spielen“, sagt Trainer Erlingur Richardsson vor dem Spiel gegen den Bergischen HC an diesem Sonntag (15 Uhr, Max-Schmeling-Halle).

Richardsson war selbst Kreisläufer, er weiß, wie wichtig fürs Team der Mann ist, der in der Mitte von den Gegenspielern so malträtiert wird, dass er Protektoren an Hüfte und Oberschenkel braucht. Auf den ersten Blick fällt der 2,02 Meter große Nielsen durch seine starke Abwehr auf.

Trickreiche Zuspiele an den Kreis sind selten geworden

Offensiv ist er meist Arbeiter im Hintergrund, der Sperren stellt und Räume schafft. Wenn aber die Abstimmung klappt und er sich absetzten kann, kommt es zu diesen Toren über den Kreis, die für Begeisterung sorgen. Jannick Kohlbacher erzielte bei der Handball-EM ein solches Tor, als Spielmacher Steffen Fäth ihn mit einem feinen Rückhandpass bediente.

Bei den Füchsen sind derart trickreiche Zuspiele selten geworden, seit Iker Romero seine Karriere beendete. Peter Nenadic entscheidet oft, lieber selbst zu werfen, bevor die Pässe auf der Suche nach der Lücke am Kreis in den Fängen des Gegners landen – so wie beim Rückrundenstart gegen Melsungen. „Melsungens Abwehr stand sehr kompakt“, sagt Richardsson.

Gegen die offensivere Deckung des Bergischen HC sieht der Füchse-Trainer mehr Möglichkeiten für das Anspiel an den Kreis. Nielsen und Nenadic hatten jetzt auch mehr Zeit, ihre Abstimmung zu verbessern. „Vor dem Spiel gegen Melsungen haben wir nur eine Woche zusammen trainiert, das hat man gemerkt“, sagt Nielsen.

In der B-Jugend warten zwei Talente

Seit 2013 spielt der 26-Jährige in Berlin, seine Entwicklung verläuft so gut, dass er am Saisonende zu Frankreichs Topklub Paris St. Germain wechseln wird. Unter dem dortigen Trainer und ehemaligen Kreisläufer Noka Serdarušić will er den nächsten Leistungssprung machen.

„Er hat meine Vorbilder Marcus Ahlm und Magnus Wislander trainiert“, schwärmt Nielsen. Inzwischen ist er aber selbst ein Großer. „Jesper gehört zu den Top 10, wenn nicht sogar zu den Top 5 Kreisläufern der Welt“, sagt Richardsson.

Sein Abschied wird also eine Lücke hinterlassen, die der zweite Kreisläufer Ignacio Plaza Jimenez (22) nicht füllen können wird. „Er muss mehr spielen“, weiß Richardsson. Im Januar ließ er den Spanier deswegen in der zweiten Mannschaft auflaufen.

In der B-Jugend gibt es mit Felix Butzke und Rolando Urios (beide Jahrgang 1999) zudem Talente, die Hoffnung auf eine rosige Zukunft schüren. Für die nächste Saison ist Richardsson aber klar: „Wir brauchen einen neuen Mann in der Mitte.“