Ball des Sports

Joachim Gauck feiert erfolgreiche Handballer

„Wir sind stärker, als wir manchmal denken“: Der Bundespräsident zeigt sich beim „Ball des Sports“ von den Handballern begeistert.

Bundespräsident Joachim Gauck hatte jedes EM-Spiel gesehen, nun kann er Dagur Sirgurdsson (l.) und seinen Spielern persönlich gratulieren

Bundespräsident Joachim Gauck hatte jedes EM-Spiel gesehen, nun kann er Dagur Sirgurdsson (l.) und seinen Spielern persönlich gratulieren

Foto: Simon Hofmann / Bongarts/Getty Images

Wiesbaden.  Bundespräsident Joachim Gauck wurde zum glühenden Fan, die rund 1600 Gäste im Wiesbadener Kurhaus feierten die Helden von Krakau mit Standing Ovations – der 46. „Ball des Sports“ der Stiftung Deutsche Sporthilfe am Sonnabend stand ganz im Zeichen der Handball-Europameister.

„Nein, ich glaub’s ja nicht, alle sind da. Ich habe jedes Spiel gesehen. Wunderbar, ich freue mich so. Herzlichen Glückwunsch“, raunte der frühere Hobby-Handballer Gauck der versammelten DHB-Auswahl auf dem Roten Teppich zu und schüttelte eifrig die Hände von Bundestrainer Dagur Sigurdsson, Torhüter Andreas Wolff und Co.

Ursprünglich sollte der Premieren-Auftritt des Staatsoberhaupts und Ball-Schirmherrn zum Höhepunkt des Abends werden, doch die „Bad Boys“ stellten auch sechs Tage nach ihrem EM-Coup wieder alles in den Schatten.

Ein letztes Mal vor der Rückkehr in den sportlichen Alltag – die Bundesliga nimmt am Mittwoch wieder ihren Spielbetrieb auf – lautete die Devise: sich feiern lassen - und ein weiteres Mal dem „Sport außer Fußball“ in Deutschland eine Inspiration sein.

Handballer haben deutschen Sport beflügelt

„Es war ein ähnliches Erlebnis wie bei den Fußballern 2014 beim 7:1 gegen Brasilien. Ich habe vor dem Fernseher gesessen und gesagt: Das geht nicht“, sagte der 76-jährige Gauck in seiner Würdigung und führte aus: „Wir sind stärker, als wir manchmal denken. Es ist unglaublich, was Menschen schaffen, wenn sie über sich hinauswachsen“.

Unter dem Applaus von mehr als 100 Medaillengewinnern bei internationalen Meisterschaften versprach Bundestrainer Sigurdsson, bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro (5. bis 21. August) keinen Deut nachzulassen: „Wir sind eine Arbeitstruppe – und werden weiter arbeiten.“

Die Euphorie um die Handballer hat den deutschen Sport außerhalb der Fußballstadien eindeutig beflügelt. „Grandios, was die Handballer gemacht haben. Geil, wie das Jahr für den deutschen Sport begonnen hat“, lobte Turner Fabian Hambüchen.

Angst vor Zika-Virus in Brasilien

„Ich kann mir schon vorstellen, dass die Euphorie anhält“, sagte etwa der dreimalige Schwimm-Olympiasieger Michael Groß, mahnte jedoch: „Wir alle müssen etwas dafür tun, vor allem im Sommer kräftig Olympia gucken.“

Ohnehin waren die Spiele von Rio das zweite große Thema in der Ball-Arena am Wiesbadener Kurhaus - obwohl das diesjährige Motto „Leistung, Fairplay, Miteinander“ keinen expliziten Bezug zu den Spielen hatte. Nie seien diese Werte aber „zutreffender als bei den geförderten Athleten“ gewesen, begründete Sporthilfe-Vorstand Michael Ilgner die Übernahme des Stiftungsslogans.

Gewisse Sorgen bereitete am Rande des Festes die Ausbreitung des Zika-Virus in Südamerika. „Man sollte bedenken, dass eigentlich alle gefährdet sind, und sich überlegen, was mit uns Sportlern passiert oder passieren sollte“, sagte Kugelstoß-Weltmeisterin Christina Schwanitz.

Auch Ole Bischof, Vizepräsident Leistungssport beim Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB), sprach von „großen Befürchtungen“ und sogar von „Angst, dass da noch etwas hochkommt“. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat wegen der Zika-Epidemie bereits den weltweiten Gesundheitsnotstand verhängt.

Im Ballsaal wird diesmal ein Schwimmbecken aufgebaut

Wie in den Vorjahren wurde mit der Unterstützung der Gäste aus Sport, Wirtschaft, Politik, Kultur und Medien erneut eine hohe sechsstellige Summe für die Athletenförderung erzielt.

Zentrales Element des Unterhaltungsprogramms war diesmal ein 25-Meter-Becken im Ballsaal, das bis in die Nacht hinein für eine Benefiz-Aktion genutzt wurde: Die Nationalmannschaft der Freiwasserschwimmer nahm die Distanz von 25 Kilometer in Angriff.

Zuvor war eine Legenden-Staffel um den dreimaligen Olympiasieger Michael Groß und Ex-Weltmeisterin Franziska van Almsick ins Becken gegangen - ein zarter Hauch Medaillen-Nostalgie, aber auch zarte Hoffnung auf eine goldene Zukunft.