Handball

Strohwitwer Drago Vukovic hebt bei den Füchsen ab

Der Kroate wurde bereits 2004 mit der Nationalmannschaft Olympiasieger. Jetzt ist der 32-Jährige eine wichtige Stütze bei den Füchsen

Drago Vukovic von den Füchsen Berlin setzt hier gegen den THW Kiel zum Torwurf an. Bisher erzielte der Kroate in dieser Saison 47 Treffer

Drago Vukovic von den Füchsen Berlin setzt hier gegen den THW Kiel zum Torwurf an. Bisher erzielte der Kroate in dieser Saison 47 Treffer

Foto: dpa Picture-Alliance / City-Press / picture alliance / City-Press Gb

Berlin.  Drago Vukovic schwebt gerade auf Wolke sieben. „Alles ist perfekt“, sagt der Handballprofi von den Füchsen Berlin. Wobei das Berufliche bei seiner euphorischen Aussage eher zweitrangig ist. Denn vor ein paar Tagen hat seine Ehefrau Blazenka das zweite gemeinsame Kind zur Welt gebracht. Die Mutter und der kleine Petar sind wohlauf, Schwester Laura, 4, freut sich über das Brüderchen.

Momentan ist Vukovic Strohwitwer, das Kind kam in der kroatischen Heimat zur Welt – in etwa einem Monat wird die Familie aber in Berlin wieder vereint sein. „Dann wird es richtig toll“, hebt er fast ab vor Vorfreude.

Noch ist es ruhig in der Wohnung in Pankow. Und er hat auch Zeit, wie am Sonntag, zum Basketball-Hit Alba gegen Bayern München zu gehen. Anschließend traf er sich zum Essen mit den Alba-Profis Dragan Milosavljevic und Elmedin Kikanovic. Ansonsten kann sich der 32-Jährige voll und ganz auf seinen Job bei den Füchsen konzentrieren und das Bundesligaspiel seines Teams am Mittwoch gegen den Tabellenletzten TuS Nettelstedt-Lübbecke (19 Uhr, Schmeling-Halle).

Treffen mit zwei Spielern von Alba Berlin

Für den in Split geborenen Rückraumspieler ist das etwas Besonderes: Bis zum Sommer dieses Jahres hat Vukovic vier Jahre lang in der Bundesliga für den TuS gespielt, der nur 2:24 Punkte auf dem Konto hat. Aber: „Die sind nicht so schlecht, wie man denkt.“

Für ihn war es Zeit geworden für einen Wechsel, als „zu eintönig“ habe er es auf Dauer in dem 25.000-Einwohner-Städtchen Lübbecke im Nordosten Nordrhein-Westfalens empfunden. Auf dem Feld wie abseits des Sports. Das Angebot der Füchse sei das Beste gewesen, was ihm hat passieren können, sagt der 1,94 Meter große Rückraumspieler. Sportlich spielen die Füchse national wie international eine ganz andere Rolle. Persönlich ist er für die Anonymität der Großstadt dankbar. „Wenn einen jeder kennt, ist das manchmal schön, aber nicht immer.“

Am Mittwoch trifft Vukovic auf seinen Ex-Klub

Bisher war er es gewohnt, in überschaubaren Städten wie dem slowenischen Velenje (30.000 Einwohner/2006-2008), in Gummersbach (50.000/2008-2011) oder in Lübbecke (25.000/2011-2015) zu leben. Jetzt also Berlin. Unbedingt wollten ihn die Füchse haben. Bereits im Sommer 2014 wurde fixiert, dass er ein Jahr später zum Berliner Team wechselt. Er schiebt lächelnd ein „Dankeschön“ an den ehemaligen Füchse-Coach Dagur Sigurdsson nach, „der mich unbedingt haben wollte“.

Drago Vukovic ist keiner, der sich seiner Erfolge rühmt. Dabei ist er neben dem ehemaligen Publikumsliebling Iker Romero der Füchse-Spieler, der die meisten Titel gewonnen hat: 13 nationale und internationale sind es inzwischen, gekrönt vom Olympiasieg in Athen, als die Kroaten am 29. August 2004 im Finale Deutschland (mit dem heutigen Füchse-Sportkoordinator Volker Zerbe) im Helliniko Olympic Complex mit 26:24 schlugen.

Er gibt ehrlich zu: „Ich verstehe bis heute nicht, was da passiert ist.“ Damals war er 21 Jahre alt, es war sein erstes großes Turnier mit der Nationalmannschaft. „Ich habe meinen Teamkollegen Ivano Balic immer wieder gefragt: ,Was mache ich eigentlich hier?’“

Trainer Richardsson bespricht mit ihm die Taktik

Natürlich haben ihn die Füchse als Führungsspieler geholt, den Mann, der seine Stärken sowohl in der Abwehr als auch in der Offensive (bisher 47 Tore) hat. Bisher hat er die Erwartungen der Berliner, absolut erfüllt. Von der Bezeichnung „Leader“ hält er nichts. „Leader sollte die ganze Mannschaft, sollte jeder einzelne sein.“

Als Routinier mit großer internationaler Erfahrung bindet ihn Trainer Erlingur Richardsson auch in die Taktikberatungen mit ein. „Wir reden viel vor und nach einem Spiel“, erzählt Vukovic in fast akzentfreiem Deutsch.

Als Kinder spielten Drago und sein Zwillingsbruder Andrija erst Tennis, danach zog es Andrija zum Fußball, er spielt heute als Torwart bei Balikesirspor in der zweiten türkischen Liga. Drago startete seine erfolgreiche Handball-Karriere. Mit Blick auf seinen kleinen Sohn Petar sagt er lachend: „Handball ist für ihn verboten, das ist kein normaler Sport – viel zu brutal.“