Man merkt Pavel Horak an der Stimme an, dass es ihm gut geht. „Ich bin fit“, sagt er fröhlich, „und das ist das Wichtigste und Einzige, was zählt.“ Klingt ganz profan, doch für den Rückraumspieler der Füchse Berlin war dieser Zustand lange alles andere als Normalität. Seit Sommer 2013 steht der Tscheche beim Berliner Handball-Bundesligisten unter Vertrag, man könnte fast von einer Leidenszeit sprechen.

Denn viele Verletzungen warfen den Nationalspieler immer wieder zurück: Sehnenriss linker Fuß, Innenbandriss rechtes Knie, Bänderriss im Finger, Verletzung im Ellenbogengelenk, Hüftprellung. Körperliche Probleme, die auch auf die Seele drückten. „Keine schöne Zeit“, sagt er dazu im Rückblick. Jetzt besteht jedoch die Hoffnung, dass der 32-Jährige mit Verspätung richtig durchstarten kann bei den Füchsen.

Sein Aufschwung verläuft parallel zu dem der Mannschaft. Nach der Pause wegen der WM in Katar haben die Berliner zuletzt alle vier Spiele (zweimal Bundesliga, zweimal EHF-Cup) gewonnen. Die Serie soll am Donnerstag gegen den TBV Lemgo (19 Uhr, Schmeling-Halle) fortgesetzt werden. Vier Spiele, vier Siege, für Horak kein Grund zur Euphorie. „Im Moment läuft es gut, aber wir haben noch keine Wunder vollbracht.“

Zumindest gibt der Start der Füchse ins Jahr 2015 Anlass zur Hoffnung. Alle wollen die erste Hälfte der Saison hinter sich lassen, die mit dem völlig unbefriedigenden Platz zehn abgeschlossen wurde. „Wir sind jetzt besser eingespielt“, stellt der 1,98 Meter große Horak fest.

Am Donnerstag Heimspiel gegen TBV Lemgo

Dass bis auf die beiden Langzeitverletzten Denis Spoljaric und Colja Löffler wieder alle dabei sind, mache sich positiv bemerkbar. Es sei „nicht mehr so chaotisch, alles hat seine Ordnung. Es scheint, dass wir jetzt eine gemeinsame Sprache gefunden haben und nun verstehen, Lösungen für Fehler zu finden“.

Es werde jetzt wieder als Team agiert: „Einiges kann man mal einzeln schaffen, aber alleine kann man keinen Handball spielen.“ Hinter diesen Sätzen verbirgt sich, dass das Binnenklima innerhalb der Mannschaft nicht gerade gut war in den Zeiten, als weder die Leistungen noch die Ergebnisse stimmten. Inzwischen wird nicht mehr untereinander gemotzt, sondern gemeinsam alles gegeben.

„Langsam komme ich rein“, urteilt Horak über sich, dessen Markenzeichen ein Pferdeschwanz ist. Ein Prozess, der bei der WM im tschechischen Nationaltrikot mit langen Einsatzzeiten begann. Zwar schnitt sein Team enttäuschend ab, „aber die WM hat ihm sehr gut getan“, sagt Füchse-Sportkoordinator Volker Zerbe. „Das ist die Richtung, die wir uns von ihm wünschen.“

Acht Tore im Spiel gegen Serben aus Novi Sad

Auch Geschäftsführer Bob Hanning, der im Herbst 2014 Horak noch öffentlich angezählt hatte („Er spielt unter dem Durchschnitt“), ist neuerdings voll des Lobes: „Ein immer besser werdender Pavel Horak tut der Mannschaft gut.“ Am Sonntag im EHF-Cup gegen Novi Sad gelangen ihm acht Tore.

Auf einer anderen „Baustelle“ hat Horak aber weiterhin „keine Langeweile“: Lange musste er warten, bis die von ihm gekaufte Wohnung in Weißensee endlich fertig war. Kurz vor dem Einzug gab es noch einen Feuer- und Löschwasser-Schaden. Immer wieder gäbe es neue Probleme. „Vorher haben mich viele vor einem Neubau gewarnt, jetzt weiß ich, was sie gemeint haben.“