Es gibt bei den Füchsen Spiele, an die sich Fans, Verantwortliche und Handball-Profis nur allzu gern erinnern. An jene Partie am 29. April 2012 zum Beispiel, als die Berliner in der Champions League gegen Ademar Leon dank einer kämpferischen Meisterleistung einen Rückstand von elf Toren aus dem Hinspiel drehten und das Final Four in Köln erreichten. Damals wurden Helden geboren. Und natürlich gehört auch das Pokal-Endspiel am 13. April 2014 in Hamburg dazu, als die Füchse in einem dramatischen Finale die favorisierte SG Flensburg-Handewitt mit 22:21 besiegten und den ersten Titel in der 123-jährigen Vereinsgeschichte gewannen.
Erst letzte Woche trafen die Berliner wieder einmal auf Flensburg, von Ebenbürtigkeit aber war in dem Bundesliga-Duell keine Spur mehr. Für die Füchse setzte es eine bittere Niederlage (27:36), am Sonntag dann folgte gegen die Rhein-Neckar Löwen mit dem 20:30 die nächste Lehrstunde. Anstatt in Richtung Europapokal geht der Blick der Berliner nach unten in der Tabelle, das Saisonziel (Platz fünf) ist nach acht Liga-Pleiten stark in Gefahr. Nach der Partie gegen die Löwen gab es sogar erstmals Pfiffe von den Rängen der Schmeling-Halle zu hören. Das ist neu für die Berliner Spieler nach den Jahren des Aufschwungs.
Drux und Wiede fehlt die Frische
Die Gründe für den gehemmten Jagdinstinkt der Füchse sind vielseitig. Seit Saisonstart müssen sie viele Verletzte beklagen, die angeschlagenen Leistungsträger sind nur schwer zu ersetzen, daher mangelt es an Kontinuität und Führung auf dem Platz. Topspieler wie Nationaltorwart Silvio Heinevetter schöpfen derzeit ihr Leistungsvermögen nicht aus. Zudem durchschreiten die Nachwuchsspieler Paul Drux und Fabian Wiede eine Schwächephase. „Das war bei den Beiden zu erwarten, nachdem sie im Sommer Junioren-Europameister geworden sind und quasi durchgespielt haben“, erklärt Geschäftsführer Bob Hanning. Schön wäre ja, wenn sich die beiden an anderen Spielern aufrichten könnten, „aber es ist zurzeit keiner da“.
Dass es nach Jahren des stetigen Aufstiegs auch mal eine Saison mit Misserfolgen gibt, ist im Profisport üblich. Aber was Trainer und Manager erschreckt, ist die Art und Weise, wie diese Niederlagen derzeit erlitten werden. Gegen Flensburg brach die Mannschaft nach 20 Minuten auseinander, gegen die Löwen nach 30 Minuten. Die Mannschaft wehrt sich nicht genug, es fehlen die Frische, die letzte Konsequenz und die Durchschlagskraft im Angriff. Und das vor allem und immer wieder in der zweiten Halbzeit. „Wir waren gegen die Rhein-Neckar Löwen gefühlt schon zum zehnten Mal in der zweiten Hälfte so schwach“, sagt Hanning und ist traurig, „denn das war früher unsere große Stärke“. In der Tat haben die Berliner oft mit der Mobilisierung der Kraftreserven verloren geglaubte Partien noch gedreht, dabei sind alle Spieler stets an und über ihre Grenzen gegangen. Daran mangelt es derzeit. Hanning fordert jetzt mehr Einsatz: „Was immer geht, das ist Leidenschaft. Sie impliziert aber das Wort Leiden und damit müssen die Spieler am Mittwoch mal anfangen.“ Da treten die Füchse im Pokal-Achtelfinale bei Bundesliga-Aufsteiger HC Erlangen an.
Im Pokal-Achtelfinale nach Erlangen
Für den Titelverteidiger ist ein Erfolg im K.o.-Spiel enorm wichtig, würde man damit doch die Chance auf eine erneute Teilnahme am Europacup wahren. Immerhin sind die Füchse auch noch im EHF-Cup dabei, die Hauptrunde beginnt im Februar. Daher denkt Coach Sigurdsson, der am Montag in seiner Funktion als Bundestrainer Heinevetter, Drux und Wiede in sein vorläufiges WM-Aufgebot berief, positiv. „Wir haben sicherlich keine leichte Situation, aber sie ist auch nicht unlösbar“, sagte der Isländer, „wir können noch einen guten Lauf machen. Wir sind noch in allen Wettbewerben drin und können dort mitkämpfen.“





