Handball

Stochl gegen Stochl – Familien-Duell zwischen den Pfosten

Wenn die Berliner Handball-Füchse in der Schmeling-Halle auf den Bundesliga-Aufsteiger HC Erlangen treffen, stehen sich die beiden tschechischen Brüder Petr und Jan als Gegner gegenüber.

Foto: Sport Moments/Basting / picture alliance / Sport Moments

Es gab viel zu erzählen – und die beiden nahmen sich am späten Samstagabend richtig viel Zeit. Am Telefon berichtete Petr Stochl, 38, davon, wie es am Nachmittag dazu kommen konnte, dass die Füchse Berlin gegen Meister Kiel eine 27:38-Klatsche kassiert hatten. Und sein Bruder Jan, 39, informierte darüber, wie der HC Erlangen am frühen Abend mit 31:25 gegen den TBV Lemgo einen ganz wichtigen Sieg im Abstiegskampf gefeiert hatte.

Nach jedem Spiel ihrer Teams tauschen sich die beiden Tschechen via Telefon oder Skype aus, ein Gespräch unter Brüdern – Experten im Toreverhindern unter sich: Petr ist Torwart beim Berliner Handball-Bundesligisten, Jan steht in Erlangen zwischen den Pfosten. Doch es wurde nicht nur Rückschau gehalten, der Blick der beiden ging natürlich auch gleich nach vorn: Schließlich spielen Petr und Jan am Dienstag (19 Uhr, Schmeling-Halle) in Berlin gegeneinander, wenn Pokalsieger Füchse den Aufsteiger Erlangen empfängt.

Ein Bruder-Duell zwischen den Pfosten. „Natürlich ist das immer etwas Besonderes“, sagt Petr, schränkt aber auch gleich ein: „So richtig treffen wir ja gar nicht aufeinander.“ Physisch meint er. Denn sollten beide gleichzeitig zum Einsatz kommen, liegt eine Distanz von 40 Metern zwischen ihnen.

Schon zweimal trafen sie in der Bundesliga aufeinander

„Die Rollen sind klar verteilt“, sagt Jan. Und Petr ergänzt lachend: „Wie immer, wenn wir in Deutschland gegeneinander spielen, bin ich im favorisierten Team.“ Zweimal ist das allerdings erst der Fall gewesen. Das erste Mal, in der Saison 2006/2007, noch in der 2. Liga: Jan spielte in Ahlen, Petr bereits für Berlin, wo er inzwischen zum Inventar gehört. Das zweite Mal im November 2011, als Jan in der Bundesliga beim Bergischen HC unter Vertrag stand. Beide Male haben die Füchse gewonnen.

Jan schwant auch diesmal nichts Gutes vor der Partie des Zehnten Füchse (8:8 Punkte) und dem 16. Erlangen (5:13): „Die klare Niederlage gegen Kiel ist gar nicht gut für uns. Jetzt steht Berlin besonders unter Druck.“ Füchse-Trainer Dagur Sigurdsson hat eine Wiedergutmachung angekündigt: „Wir werden volle Pulle kämpfen.“

Das Aufeinandertreffen der Stochl-Brüder am Dienstag ist ein weiteres Kapitel ihrer gemeinsamen Geschichte. „Es hat bei uns Tradition, Torwart zu sein“, erzählt Petr. Der Vater stand allerdings im Eishockey-Kasten, der Opa hütete das Fußball-Tor. Warum er zum Handball gekommen ist, „weiß ich nicht mehr so richtig“, sagt Jan. Petr hat mit Eishockey angefangen, „irgendwann bin ich aber meinem Bruder zum Handball gefolgt“, erzählt der Jüngere.

Beide sind in ihrem Team die Nummer zwei

Dass der gut 14 Monate ältere Jan sein Vorbild war, „kann ich nicht sagen“, so Petr. „Irgendwie wurden wir immer als gleich alt wahrgenommen“, erinnert sich Jan. „Es war nicht so, dass ich mich um ihn kümmern musste.“ Es gab gemeinsame Etappen in ihrer Geburtsstadt Pilsen, noch vor der Jahrtausendwende beim Erstligaklub Kovopetrol, oder in der tschechischen Nationalmannschaft. Einst stand man sich auch in Prag gegenüber: Petr bei Allrisk, sein Bruder bei Dukla.

Auch das verbindet die Stochls: Sie sind beide die Nummer zwei auf ihrer Position. Petr ist das schon einige Jahre lang gewohnt. „Du musst immer bereit sein“, sagt er. Gemeinsam mit Silvio Heinevetter bildet er ein Top-Duo. Gegen Kiel verließ „Heine“ früh den Kasten, anschließend hielt Petr Stochl zwar gut, konnte das Debakel aber auch nicht verhindern.

Erlangen hat sich mit Torwart Katsigiannis verstärkt

Für seinen Bruder ist die Situation neu. „Die Vereinsführung war der Meinung, dass wir noch einen Torwart mit größerer Bundesliga-Erfahrung benötigen“, sagt Jan. So hat er beim HC Erlangen, mit dem er aus der 2. Liga aufgestiegen ist, seinen Status als Nummer eins nach dem dritten Spieltag an den neu verpflichteten Nikolas Katsigiannis verloren, der vorher in Balingen, Hannover-Burgdorf und Minden spielte. Jan Stochl sagt fair: „Nikolas hat bisher wirklich eine super Leistung gebracht.“ Für ihn selbst gehe es jetzt auch darum, „die neue Nummer eins zu unterstützen“. Zuletzt gegen Lemgo musste er auf der Bank bleiben.

Diesmal müssen die Brüder nach dem Spiel nicht telefonieren, von Angesicht zu Angesicht können sie die Partie aufarbeiten. Doch dann muss Jan schnell in den Teambus steigen. „Für mehr“, sagt er, „ist leider keine Zeit.“