Noch eineinhalb Minuten zu spielen in Lemgo. Tim Hornke vom gastgebenden TBV tritt an die Siebenmeterlinie. Es steht 28:28, die Füchse Berlin sind drauf und dran, auch ihr drittes Auswärtsspiel dieser Saison in der Handball-Bundesliga zu verlieren, wieder bei einem Team, gegen das sie von ihrem Anspruch her eigentlich sicher gewinnen müssten. Doch da steht ja noch Silvio Heinevetter im Kasten der Berliner. Der Nationaltorhüter wehrt reflexartig den Wurf Hornkes ab, im Gegenzug trifft Fabian Wiede, und die Berliner bejubeln einen glücklichen 29:28 (14:11)-Erfolg. Die Füchse klettern auf den siebten Tabellenrang. Doch der Weg dorthin wird ihren Trainer Dagur Sigurdsson reichlich Nerven gekostet haben.
Wieder begannen die Gäste nervös und fahrig, sahen sich früh einem 3:6-Rückstand gegenüber (9. Minute). Dann schienen die Füchse ihren Rhythmus gefunden zu haben, lagen nach 16 Minuten durch einen Treffer Fredrik Petersens mit 8:7 erstmals vorn. Wenig später stand es sogar 14:9 aus Berliner Sicht. Weil Konstantin Igropulo und Iker Romero schlecht warfen, konnte Lemgo bis zur Pause etwas dichter herankommen. Petar Nenadic hatte jetzt bereits sechs seiner am Ende sieben Tore erzielt.
Doch nach dem Wechsel schien der deutsche Pokalsieger von allen guten Geistern verlassen. Schloss zu hastig ab, ließ sich mehrfach von den biederen, aber kampfstarken Westfalen den Ball abnehmen. Lemgo führte beim 18:17 erstmals in der zweiten Hälfte, beim 28:27 (nach 25:27-Rückstand) letztmals, weil Heinevetter seinen Job mit 13 Paraden überragend erledigte. Vor allem mit seiner Nervenstärke kurz vor Schluss. Beste Berliner Werfer waren Nenadic (7 Tore), Wiede (5), Petersen und Paul Drux (je 4). Doch wirklich viel Mut für das Gastspiel des Deutschen Meisters THW Kiel am Sonnabend in einer Woche (16.15 Uhr, Schmeling-Halle) machte dieser Sieg nicht.
BM




