Handball

Meister Kiel erteilt Füchsen Berlin Lehrstunde

Vor 9000 Zuschauern in der ausverkauften Max-Schmeling-Halle haben die Gäste das Spiel von Beginn an im Griff und setzen sich schon in der ersten Halbzeit ab. Kiel gewinnt souverän mit 37:27 (18:12).

Foto: Bernd von Jutrczenka / dpa

Natürlich war es ein Risiko, den Torhüter herauszunehmen. Und dann auch noch gegen den deutschen Rekordmeister THW Kiel. Aber Dagur Sigurdsson ist dafür bekannt, auch mal ungewöhnliche taktische Entscheidungen zu treffen. Und manchmal hat die numerische Überzahl auf dem Handballfeld ja auch den gewünschten Erfolg.

Dieses Mal freilich nicht. „Die Taktik mit den sieben Feldspielern hat einfach nicht gut geklappt“, stellte Füchse-Trainer Sigurdsson nach dem 27:38 (12:18) vor 9000 Zuschauern in der ausverkauften Schmeling-Halle gegen Kiel fest, „aber die Jungs haben Charakter bewiesen und bis zum Schluss gekämpft.“

Nur wenige Minuten nach dem Abpfiff hatte Bob Hanning eine der Ursachen für die Pleite ausgemacht. „Wenn man dreimal die Überzahl so vergibt wie wir und sich selbst damit aus dem Spiel nimmt, wird es irgendwann schwer“, sagte der Geschäftsführer. „Es ist doch klar, dass der THW Kiel solche Fehler bestraft. Man muss aber auch sagen, dass das Ergebnis nicht zu hoch ausgefallen ist. Kiel war genau diese elf Tore besser. Und das kann nicht unser Anspruch sein.“

Fuchsi war im Solarium und hat eine neue Frisur

Vor dem Anpfiff hatte Hanning das neue Maskottchen vorgestellt. Ein Austausch war nötig geworden, nachdem die NPD mit einem Doppelgänger von „Fuchsi“ auf Stimmenfang gegangen war. „Wir sind ein Familienverein und distanzieren uns von jeder Art rechten Gedankenguts. Wir haben uns daher für ein neues Kostüm entschieden“, erklärte der Manager die Maßnahme. Fuchsi ist jetzt ein wenig brauner (Hanning: „Fuchsi war im Solarium“) und hat eine neue Frisur.

Vier Jahre war es her, dass die Füchse zum letzten Mal gegen den deutschen Rekordmeister triumphiert hatten, damals waren die Berliner über sich hinaus gewachsen, zudem hatte an diesem Tag im September 2010 alles in Angriff und Abwehr gepasst. Dass am Sonnabend eben nicht so ein besonderer Tag werden sollte, stellte sich rasch heraus. Zwar erzielte Berlins Kreisläufer Jesper Nielsen das erste Tor der Partie, doch fortan übernahmen die Gäste die Führung.

Zu viele Torchancen vergeben

Dabei war beim THW nur wenig vom Kraftverschleiß zu spüren, immerhin hatte er in den vergangenen zehn Tagen drei Pflichtspiele absolviert, die Füchse hingegen hatten Spielpause. Diese hatten die Berliner auch dazu genutzt, die Abläufe in der Abwehr noch besser einzustudieren. Nach dem Ausfall von Abwehrchef Denis Spoljaric und Regisseur Bartlomiej Jaszka muss sich die Mannschaft noch finden. Dennoch, das intensive Training zeigte Wirkung. Die Defensive um Chef Kasper Nielsen stand gut gegen die wurfgewaltigen Hünen aus dem Norden.

Während die Abwehr solide stand, vergaben die Berliner jedoch im Angriff zu viele Chancen, um dem THW ein ebenbürtiger Gegner zu sein, oder ihm gar gefährlich werden zu können. Und wenn es nicht so gut läuft, dann kommt eben auch Pech in Form von Pfosten oder Latte hinzu. Allerdings entschärfte Kiels sehr starker Torhüter Johan Sjöstrand auch so manchen guten Wurf. So sah sich Sigurdsson nach 17 Minuten beim Stand von 3:9 zu einer ersten Auszeit gezwungen, um seine Mannen neu zu justieren. Immer öfter nahm der Coach nun den Torhüter zugunsten eines siebten Feldspielers heraus.

Zwar trieb Kapitän Iker Romero sein Team leidenschaftlich an, doch so recht wollte die Aufholjagd nicht gelingen. „Wir hatten im Abschluss zu wenig Geduld“, sagte Hanning. Immerhin brachte Linkshänder Konstantin Igropulo nach zuletzt schwachen Auftritten endlich wieder seine Würfe im Tor unter. Mit sieben Toren war der Russe auch erfolgreichster Werfer der Berliner vor Romero (6). Auch der ab der 19. Minute für Silvio Heinevetter eingewechselte Petr Stochl hielt im Tor, was es zu halten gab. Aber elf Paraden reichen gegen den überragenden THW letztlich nicht aus.

Schon am Dienstag steht das nächste Heimspiel gegen Aufsteiger Erlangen an (19 Uhr, Schmeling-Halle). Dort ist ein Sieg Pflicht. „Nach so einer Niederlage wie gegen Kiel willst du als Spieler so schnell wie möglich wieder auf die Platte und es besser machen“, sagte Coach Sigurdsson. Geht es nach Hanning, soll am Dienstag eine neue Siegesserie gestartet werden. Auf Erlangen folgen Wetzlar, Melsungen und Nettelstedt. Hanning: „Diese vier Spiele müssen gewonnen werden, darüber brauchen wir nicht zu diskutieren. Ich erwarte, dass die Mannschaft ein deutliches Signal setzt.“