Es war zwar noch eine Viertelstunde zu spielen, aber die gut 6000 Zuschauer in der Schmeling-Halle merkten sehr genau, dass diese Handball-Partie jetzt endlich die Richtung nahm, die sie sich erhofft hatten. Was sie sahen, machte ihnen richtig Spaß. Petr Stochl, der Torhüter der Füchse Berlin, holte sich lächelnd einen Schluck Wasser von seinem Teamkollegen Silvio Heinevetter und ein kräftiges Abklatschen dazu. Der Tscheche war jetzt warm geschossen, Angriff auf Angriff des HBW Balingen-Weilstetten prallte an ihm ab, wenn nicht zuvor schon die Abwehr zugepackt hatte. Und Gegenstoß auf Gegenstoß rollte auf das Tor der Gäste. Am Ende gewann der deutsche Pokalsieger 30:23 (12:13) und setzte seinen Vormarsch in der Bundesliga-Tabelle fort.

Dabei hatte es eine Halbzeit lang ganz und gar nicht so ausgesehen. Dass die Schwaben mit gestärktem Selbstbewusstsein anreisen würden, war klar nach den unerwarteten Erfolgen gegen THW Kiel und HSV Handball. Mit einer recht offensiven, aber keinesfalls überharten Verteidigung versuchten sie, den Berlinern den Schwung zu nehmen. Die Füchse zeigten Wirkung: Flugs lagen sie mit 1:4 zurück. Wen sie nicht in den Griff bekamen, war der bereits 35-jährige Grieche Alexandros Vasilakis, der Linkshänder traf in der ersten Halbzeit fünf Mal.

„Wir hatten schon Respekt vor denen, es war sehr zäh“, sagte Berlins Nachwuchsstar Paul Drux, und er meinte damit allein den ersten Durchgang. Erstmals beim Stand von 7:6 durch einen Treffer von Fabian Wiede (17. Minute) gingen die Gastgeber in Führung. Kurz darauf bestand bei zwei dicht aufeinanderfolgenden Zeitstrafen gegen die Balinger die große Möglichkeit davonzuziehen. Doch kleine Fehler, Unaufmerksamkeiten mit großer Wirkung verhinderten dies. „Wir haben uns zu oft verrannt und zu einfache Gegentore bekommen“, sagte Drux. So gingen die Süddeutschen mit einem kleinen Vorsprung in die Halbzeit. Die Füchse hechelten ihrem Kontrahenten über weite Strecken immer hinterher.

„Wir haben uns förmlich in einen Rausch gespielt“

Nach der Pause jedoch bot sich ein ganz anderes Bild. „Da haben wir eine richtige Klatsche gekriegt“, fand Balingens Trainer Markus Gaugisch. Sein Gegenüber Dagur Sigurdsson sprach vom „Besten, was wir von dieser Mannschaft in der Zusammensetzung bisher gesehen haben“.

Stochl stand wie eine Wand, doch auch die zuvor noch nicht so sichere Abwehr ließ jetzt kaum noch einen freien Wurf zu. Das war der Schlüssel zum klaren Resultat. Aus einem 12:13-Pausenstand wurde so ein 25:16 bis zur 49. Minute – 13:2 Tore für die Füchse also. „Wir haben uns förmlich in einen Rausch gespielt“, freute sich Kreisläufer Jonas Thümmler.

Beste Werfer bei den Füchsen, die jetzt viele Konter erfolgreich abschlossen, waren Petar Nenadic (7 Tore), Konstantin Igropulo, Fredrik Petersen und Drux (je 5) sowie Mattias Zachrisson (4).

Stochl ist der Mann des Tages

Und der Held des Tages? „Ja, ja, freut mich, dass alle sagen, ich hätte gut gehalten“, sagte Petr Stochl. Aber der 38-Jährige ist lange genug dabei, um über den Tag hinaus zu schauen. „Ich sehe in dieser Saison eine große Entwicklung“, stellte er fest, „die jungen Spieler sind viel mehr in die Mannschaft integriert. Wir sind so gut besetzt.“ Deshalb habe er auch nach der ersten Halbzeit noch ein gutes Gefühl gehabt. „Denn wir können jetzt wirklich 60 Minuten das Tempo durchziehen.“ Und einen starken Gegner wie die Balinger förmlich überrennen.