Handball

Bundesliga spielt verrückt - Jeder kann nun jeden schlagen

An den ersten Spieltagen der Saison war nichts wie gewohnt. Kiel, Hamburg oder die Füchse Berlin kassierten Niederlagen, Außenseiter wie Balingen drängen nach vorn. Die Schwaben sind diesen Sonntag zu Gast in Berlin.

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Verrückte Handball-Bundesliga: Der Deutsche Meister und hohe Titelfavorit THW Kiel liegt nur auf Platz sechs der Tabelle. Der HSV Handball, vor gut einem Jahr immerhin Champions-League-Sieger geworden, steht gar auf einem Abstiegsplatz und hat von bisher fünf Spielen keines gewonnen. Die Füchse Berlin empfangen am Sonntag (17.15 Uhr) in der Schmeling-Halle HBW Balingen-Weilstetten. Eine klare Angelegenheit für den deutschen Pokalsieger? Mal abwarten: Die Gäste aus der Kleinstadt im Zollernalbkreis sind immerhin Tabellendritter, die Füchse aktuell -neunter.

Sportlich schon abgestiegen

Mag der 27:21-Sieg des TBV Lemgo gegen Kiel zum Auftakt der Saison eine Sensation gewesen sein – die größte Überraschung bieten bisher die wackeren Balinger. Sie waren eigentlich einer von drei sportlichen Absteigern der vergangenen Spielzeit. Dann schien der HSV Handball pleite zu sein, war es dann wieder doch nicht und durfte in der Liga bleiben. Die Schwaben hatten sich derweil schon auf ihr neuntes Jahr in der Bundesliga eingestellt, klagten sich ihren Platz im Oberhaus ein und zeigen nun, dass sie ihn redlich verdient haben.

Auch sie haben dem stolzen THW mit 22:21 ein Schnippchen geschlagen. Am vergangenen Mittwoch wurde mit dem gleichen Resultat der ungeliebte HSV nach Hause geschickt. Sicher haben die Balinger ihre gute Platzierung auch dem Umstand zu verdanken, dass sie bereits vier Heimspiele, aber nur eine Auswärtspartie absolviert haben. Und die ging mit 20:31 in Melsungen deutlich verloren. Dennoch ist die Euphorie groß. „Ein geiles Erlebnis“, jubelte Markus Gaugisch nach dem Coup gegen Kiel. Der 40-jährige Trainer gilt als einer der Hauptgründe für den unverhofften Erfolg.

Grieche Alexandros Vasilakis ist ein gefährlicher Schütze

Er hatte das Balinger Urgestein Rolf Brack im Dezember 2013 nach fast zehn Jahren abgelöst. Als das Überleben in der Bundesliga gesichert war, wurde die Mannschaft neu aufgestellt. Gaugisch, erstmals hauptverantwortlich in der Bundesliga, bekam neun neue Spieler, und das Team scheint sich schnell gefunden zu haben. Stützen sind nach wie vor die Brüder Martin und Wolfgang Strobel sowie der Kreisläufer Christoph Theuerkauf, wie Martin Strobel ehemaliger Nationalspieler. Von den Zugängen hat der aus Katar zurückgekehrte 35-jährige Grieche Alexandros Vasilakis am besten eingeschlagen, im wörtlichen Sinne, denn er ist ein extrem gefährlicher Schütze. „Zum ersten Mal haben wir einen richtigen Shooter“, jubelt Gaugisch.

Auch seinem Kollegen Dagur Sigurdsson nötigen die bisherigen Vorstellungen des Underdogs Respekt ab. „Sie haben einen eindrucksvollen Start hingelegt“, sagt der Isländer. Insgesamt sei die Saison bisher „ein bisschen ungewöhnlich, mit erstaunlichen Ergebnissen. Aber das ist das Schöne an der Bundesliga. Es scheint so, als ob jeder jeden schlagen kann.“

Paul Drux ist gewarnt vor der Härte des Gegners

Der Füchse-Trainer weiß sehr wohl um die besonderen Stärken Balingens. „Sehr robust, sehr körperlich“, erklärt er, „es ist sehr schwer, gegen sie zu spielen.“ Zwar haben die Berliner von 14 Vergleichen noch keinen verloren. Aber schon die letzten beiden Heimspiele endeten mit jeweils nur einem Treffer Vorsprung für den Favoriten. Dabei ging es teilweise heftiger zur Sache, als es sich bei einem Handballspiel gehört. Der 19-jährige Paul Drux, Shooting-Star der Füchse, weiß deshalb genau, worauf es am Sonntag ankommt: „Es ist wichtig, sich nicht verprügeln zu lassen.“ Damit die Bundesliga nicht schon wieder verrückt spielt.