Handball-Bundesliga

Ein Wandervogel setzt in Berlin zur Landung an

Rückraumspieler Petar Nenadic hat sich bei den Füchsen schnell eingelebt. Bislang ist der serbische Nationalspieler bei keinem seiner Klubs länger als zwei Jahre geblieben. Das könnte sich nun ändern.

Foto: Bernd Wende Sportfoto / pA/DPA/

Petar Nenadic lässt sich nicht aus der Reserve locken. Nein, er selbst wolle nicht über seine Leistung urteilen, sagt der neue Rückraumspieler der Füchse Berlin, dazu sollen doch bitte andere Stellung beziehen. Nachfragen entlocken dem 28 Jahre alten Serben nur ein schüchternes Lächeln, verlegen wandert sein Blick an die Decke. Für einen kurzen Augenblick scheint er drauf und dran, sich doch noch über seine ersten Spiele in der Handball-Bundesliga auszulassen. Aber er bleibt doch standhaft: kein Kommentar.

Wenn es nicht gerade um seine sportlichen Qualitäten geht, kann Nenadic dagegen durchaus sehr mitteilsam sein. „So langsam kenne ich mich in Berlin ganz gut aus“, sagt er. Die Alltagswege zwischen der Trainingshalle und seiner Wohnung am Potsdamer Platz haben sich inzwischen eingeschliffen, Sehenswürdigkeiten wie das Brandenburger Tor oder die Siegessäule sind längst abgearbeitet.

Auch der deutschen Sprache nähert er sich langsam an. „Guten Tag“ kommt ihm schon fast akzentfrei über die Lippen. Dass er einen Deutschkurs macht, ist für ihn eine Selbstverständlichkeit, allein schon aus Respekt gegenüber den handelnden Personen im Verein. Wenn Trainer Dagur Sigurdsson über Handball spricht, verstehe er fast alles, sagt Nenadic. Und falls es doch mal hapert mit dem Verständnis, bittet er einen Kollegen um Übersetzungshilfe. Mit Iker Romero, den er aus gemeinsamen Tagen beim FC Barcelona kennt, spricht er Spanisch.

Nenadic hat die Erwartungen erfüllt

Nenadic hat sich gut eingefügt bei den Füchsen. „Petar hat gute Spiele gemacht“, sagt sein neuer Coach mit Blick auf den Saisonstart. Nach den ersten zwei Partien ist der gebürtige Belgrader, der von sich selbst sagt, er müsse sich noch an das hohe Tempo gewöhnen, mit 13 Treffern bester Torjäger der Füchse. Von Euphorie ist Sigurdsson trotzdem weit entfernt, schließlich müsse Nenadic erst mal ankommen in der Liga. „Es werden noch andere Situationen auf ihn zukommen“, mahnt der Isländer. Schon das nächste Heimspiel gegen den VfL Gummersbach am Sonntag (15 Uhr, Schmeling-Halle) dürfte eine härtere Prüfung werden.

Trotzdem: Nenadic hat die Erwartungen bislang erfüllt. Nach dem Ausfall von Spielmacher Bartlomiej Jaszka, der wegen einer Schulter-OP bis zum Ende des Jahres pausieren muss, wurde das Angriffsspiel bewusst auf den neuen Rückraum-Allrounder zugeschnitten. Dass Nenadic den bisherigen Dreh- und Angelpunkt im Spiel der Füchse nicht eins zu eins ersetzen würde, war von vornherein klar, schließlich ist er ein anderer Spielertyp als Jaszka. Dafür wurden vor allem Tore erwartet – und die liefert Nenadic bis zum jetzigen Zeitpunkt zuverlässig.

Mit großen Fußstapfen kennt sich der 1,98-Meter-Mann ohnehin gut aus. Vater Velibor führte die Handballer von Roter Stern Belgrad jahrelang als Kapitän aufs Feld und spielte in den 80er-Jahren eine Saison in Minden; Nenadics Mutter war erfolgreiche Basketballerin. Zwei beeindruckende Sportkarrieren, die der Sprössling offenbar mehr als Ansporn denn als Bürde empfand. Er selbst kann heute 63 Einsätze im Nationalteam vorweisen.

Berlin könnte zur neuen Heimat werden

Ohne Sport scheint im Hause Nenadic ohnehin nichts zu gehen. Verheiratet ist der Rechtshänder mit der serbischen Volleyball-Nationalspielerin Jelena Nikolic, die derzeit in Aserbaidschan unter Vertrag steht. Gemeinsam haben sie einen eineinhalb Jahre alten Sohn. Bruder Drasko hält die Familientradition ebenfalls aufrecht, er spielt seit vergangenem Jahr für die SG Flensburg-Handewitt. Über die Bundesliga hatte er schon kurz nach seiner Ankunft geschwärmt.

Petar Nenadic geht es nun nicht anders. Wenn er von Berlin und den Füchsen erzählt, kommt er ins Schwärmen. Ein Umstand, der sich als Glücksfall erweisen könnte. Denn bislang galt der Serbe, der in Berlin einen Vertrag bis Saisonende hat, als Wandervogel. „Ich mag nun mal neue Herausforderungen“, sagt Nenadic, der bei den Füchsen seine achte Profistation absolviert.

Länger als zwei Jahre hielt es ihn nirgendwo. Weder in Barcelona, wo er mit Verletzungsproblemen kämpfe, noch im dänischen Holstebro oder in Polen bei Wisla Plock. Das könnte sich nun ändern. Auch, weil Nenadic ein Sehnsuchtsziel erreicht hat. „Die Bundesliga ist für mich wie die NBA“, sagt er. Es ist die stärkste Liga der Welt. „Berlin könnte ein Ort sein, an dem ich länger bleibe.“