Zuerst sollte mal der Jüngste beschreiben, wie er das Debüt des Ältesten erlebt hatte. Paul Drux, 19, kam dabei gleich ins Schwärmen. „Er hat eine unglaubliche Präsenz auf dem Feld“, sagte das größte deutsche Handball-Talent nach dem 32:23 (18:11) der Füchse Berlin über den Bergischen HC, „der steht erst mal da, und dann kommt keiner vorbei.“ Ein viel schöneres Kompliment kann man einem Abwehrchef schwerlich machen. Weil Drux mit seiner Meinung nicht allein stand, darf der Einstand von Kasper Nielsen, 39, als sehr viel versprechend gesehen werden. Der Däne hatte in seinem ersten Bundesligaspiel seit über sechs Jahren ebenfalls viel Spaß: „Schon als ich in die Schmeling-Halle gelaufen bin, diese Superstimmung gefühlt habe“, sagte Nielsen, „dann haben wir auch noch gewonnen, zwei Punkte, das ist okay.“

Enttäuschung schnell verfolgen

Es war schon ein bisschen mehr als okay. Erleichterung sprach aus vielen Füchse-Kommentaren. „Es war wichtig, dass wir wieder das Gefühl für Siege bekommen“, sagte Trainer Dagur Sigurdsson. Die Enttäuschung nach dem missglückten Saisonstart in Göppingen war verflogen. Und auch der Isländer fand lobende Worte für seinen neuen Spieler: „Kasper ist körperlich sehr stark. Es war ein sehr guter Start für ihn. Das gibt uns Sicherheit.“

Eine Zitterpartie wurde es so nie gegen den Bergischen HC – anders als in der Personalie Nielsen. Am Freitagmittag kam zwar die telefonische Nachricht vom europäischen Verband EHF, dass die Spielgenehmigung für den Ersatz des verletzten Denis Spoljaric da sei. Allein: Es fehlte noch die schriftliche Bestätigung aus Dänemark. Die kam zum Glück nachmittags, gerade noch rechtzeitig. „Wir hatten nicht viel Zeit“, sagte Sigurdsson. Erstaunlich, wie gut die neue Abwehr trotzdem gleich harmonierte. Nielsen, der 2008 von der SG Flensburg-Handewitt in seine Heimat zurückgekehrt war, wollte das nicht überbewerten: „Es ist ja nur Handball. Da kann man nicht so viel anders machen, als ich es gemacht habe.“ So spricht jemand, der es eben kann.

Hanning warnt vor übertriebener Euphorie

Bei aller Freude über den neuen Abwehrorganisator gab es weitere positive Aspekte. Sigurdssons Lob umfasste deshalb das gesamte Team: „Es war insgesamt ein sehr gutes Spiel von uns. Konzentration, Einstellung, alles war tiptop.“ Es sei erfreulich, dass die Mannschaft jetzt zusammenfinde: „Darauf können wir aufbauen.“ Außerdem fand er nicht nur freundliche Worte für Nielsen. „Es ist schön, dass die Neuen gut ins Spiel gefunden haben.“ Gemeint war Peter Nenadic, ebenfalls nachverpflichtet für den verletzten Spielmacher Bartlomiej Jaszka. Der Serbe bot nicht nur wegen seiner sieben Tore eine überzeugende Vorstellung. „Es gilt für beide Neuen: Das könnte funktionieren“, sagte Füchse-Geschäftsführer Bob Hanning. „Aber wir sollten jetzt nicht zu euphorisch werden.“ Der VfL Gummersbach wird am nächsten Sonntag (15 Uhr) ein härterer Prüfstein werden als der Bergische HC.