Die Freude sprudelte nur so heraus aus Paul Drux. „Wir sind als Team über uns hinausgewachsen“, jubelte der 19-jährige Rückraumspieler der Füchse Berlin. Soeben hatte er gemeinsam mit seinem Berliner Teamkollegen Fabian Wiede und der deutschen U20-Handball-Nationalmannschaft den Titel bei der Europameisterschaft in Linz gewonnen. Allerdings stand erst nach hartem Kampf der 26:24 (13:11)-Endspiel-Triumph über Schweden fest. „Ein unfassbarer Kampf, ein richtiger Krimi“, sagte der 1,92 Meter große Hüne, der auf seiner Position Rückraum links auch noch zum besten Spieler des Turniers gewählt wurde, „jetzt wird aber erst mal gefeiert.“

Schon der dritte Titel

Der so viel versprechende deutsche Nachwuchs hat einen wahren Siegeszug hingelegt und alle sieben Spiele in Linz gewonnen. Für die Schützlinge des Trainer-Duos Markus Baur und Axel Kromer war es nach 2004 und 2006 der dritte EM-Titel einer U20-Auswahl des Deutschen Handballbundes (DHB).

Nach dem Halbfinalerfolg gegen Spanien (35:29) begannen die Deutschen selbstbewusst und zogen auf 4:0 davon. Auch in der Folge hatte die DHB-Auswahl die Begegnung meistens im Griff, auch wenn die Schweden ein schwerer Gegner waren. In der zweiten Halbzeit setzte sie sich zunächst wieder auf vier Tore ab. Doch die Schweden, die schon in der Hauptrunde gegen Deutschland verloren hatten (25:28), kämpften sich auf 19:20 heran. Vier Minuten vor dem Ende gingen sie beim 24:23 sogar erstmals in Führung, aber die DHB-Auswahl behielt die Nerven und setzte sich auch dank einer starken Leistung von Torhüter Christopher Rudeck (Flensburg) am Ende durch.

Bundesliga-Erfahrung als Plus in engen Spielen

Schon mit dem Finaleinzug hatte sich die deutsche Mannschaft die Qualifikation für die U21-WM im kommenden Jahr gesichert. Auch dort wird mit ihr zu rechnen sein. „Der Erfolg ist hochverdient“, freute sich Bob Hanning, in Personalunion Geschäftsführer der Füchse Berlin und DHB-Vizepräsident. Außerdem hat er als Trainer mit Berliner Talenten wie Drux und Wiede bereits Deutsche Meisterschaften mit der A- und B-Jugend der Füchse gewonnen. Inzwischen haben sie langfristige Profiverträge beim Berliner Handball-Bundesligisten.

Deshalb war Hanning von ihrer Leistung auch nicht überrascht: „Das kann man von diesen Spielern erwarten“, sagte er und übte sogar leise Kritik: „Die Mannschaft hat ihre klare Dominanz nicht über die gesamte Distanz gehalten und es unnötig spannend gemacht.“ Drux betonte den Wert der Bundesligaerfahrung bei einem solchen Turnier: „Zum Glück haben wir viele im Team, die in der stärksten Handball-Liga der Welt spielen. Das zeigt sich in so engen Spielen.“

Vielleicht werden sich die Erfolge beim Nachwuchs bald auch wieder im Männer-Nationalteam niederschlagen, das in den vergangenen Jahren einen ziemlichen Absturz erlebt hat.

BM