Handball

Füchse-Trainer Sigurdsson vor dem großen Wurf

Der Deutschen Handballbundes sucht einen neuen Trainer für die Nationalmannschaft. Der Füchse-Coach Dagur Sigurdsson hat die besten Chancen auf den Job - und er würde dann beide Positionen ausfüllen.

Foto: Oliver Hardt / Bongarts/Hardt

Der eine Kandidat hat abgesagt, ein anderer bewirbt sich offensiv um das zu vergebene Amt, und der dritte im Bunde hüllt sich in Schweigen. Die Suche nach einem neuen Bundestrainer für die Auswahl des Deutschen Handballbundes (DHB) biegt auf die Zielgerade ein, und kurz vor der offiziellen Ernennung hat das Karussell der Kandidaten noch einmal kräftig Fahrt aufgenommen. So steht seit Dienstag fest, dass Ljubomir Vranjes von Champions-League-Gewinner SG Flensburg-Handewitt nicht die Nachfolge von Martin Heuberger als Männer-Coach antritt. „Der DHB wollte mich, aber ich habe nicht ja gesagt. Die Belastung wäre sehr hoch gewesen, und dazu bin ich nicht bereit“, sagte Vranjes der deutsch-dänischen Tageszeitung „Flensborg Avis“.

Die Absage des Erfolgstrainers bringt nun Füchse-Coach Dagur Sigurdsson umso mehr in eine aussichtsreiche Position, die deutsche Auswahl künftig zu betreuen – mit dem großen Ziel, wieder den Anschluss an die Weltspitze zu schaffen und 2020 olympisches Gold zu gewinnen. Bereits in der vergangenen Woche war der Isländer als heißer Kandidat für die Heuberger-Nachfolge gehandelt worden, Sigurdsson selbst aber hält sich bei derlei Spekulationen vornehm zurück. „Kein Kommentar“, wiederholte der Isländer auch am Dienstag seine defensive Haltung, „ich habe dazu nichts zu sagen.“ Der 41 Jahre alte Sigurdsson befindet sich derzeit mit dem Füchse-Team in der intensiven Vorbereitung auf die neue Saison, die für die Berliner am 19. August mit dem Supercup gegen den deutschen Rekordmeister THW Kiel beginnt.

Auch Baur kommt in Betracht

Auf einer Welle des Erfolges schwimmt gerade Markus Baur. Am Sonntag gewann der frühere Weltklassespieler mit der deutschen Auswahl bei der U20-EM die Goldmedaille, jetzt ließ der Weltmeister von 2007 seine mündliche Bewerbung um den Cheftrainer-Posten folgen. „Fakt ist, dass der Bundestrainerjob eine superinteressante Stelle ist, auch eine Riesen-Chance und eine Riesen-Herausforderung“, sagte Baur beim TV-Sender Sport1 und bezeichnete sich im nächsten Atemzug als „einer, der Herausforderungen liebt“. Der 43-Jährige ist damit wohl der letzte noch verbliebene Gegenkandidat zu Top-Favorit Sigurdsson. Einen prominenten Befürworter hat Baur schon. So twitterte Handball-Ikone Stefan Kretzschmar, einst Weltklasse-Linksaußen beim SC Magdeburg: „Meine Stimme hast Du.“ Baur betreut neben dem DHB-Nachwuchs zurzeit auch den Schweizer Double-Sieger Kadetten Schaffhausen. Bob Hanning, als Vizepräsident des Handballbundes mit der Bundestrainersuche betraut, schätzt Baur sehr für dessen Arbeit und räumt auch ein, dass Baur in Betracht käme.

Trotz Baurs Bewerbung gilt Sigurdsson als großer Favorit für das Amt des Bundestrainers. Der Isländer würde in Doppel-Funktion (Füchse und DHB) agieren. Die Entscheidung soll in den nächsten zwei Wochen fallen. „Es sind nur noch letzte Details zu klären. Aber die letzte Etappe eines Berges ist ja bekanntlich immer die schwierigste“, sagte DHB-Präsident Bernhard Bauer. Eine Doppelfunktion jedenfalls ist für den Verband kein Problem. „Wir sind offen für alle Lösungen, die uns weiterbringen“, so Bauer, „entscheidend ist die Kompetenz des Trainers.“