Handball

Füchse Berlin müssen wieder in den Alltag zurückfinden

Nach dem historischen Pokalsieg vor einer Woche wurde beim Berliner Handballklub ausgiebig gefeiert. Gegen Gummersbach soll der Schalter allerdings umgelegt werden.

Foto: Martin Rose / Bongarts/Getty Images

Pokalsieg und kein Ende. Wenn die Füchse Berlin am Sonntag (17.15, Sport1) in der Schmeling-Halle zum Bundesligaspiel gegen den VfL Gummersbach antreten, ist das historische Ereignis immer noch gegenwärtig. Der Pokal, den Kapitän Iker Romero eine Woche zuvor in Hamburg in Empfang genommen hat, wird vor der Partie noch einmal gebührend den mehr als 8000 Zuschauern präsentiert.

Das Aufeinandertreffen mit dem Handball-Altmeister aus dem Bergischen Land stellt den Endpunkt einer Woche dar, die als „Feierwoche“ in die Klubgeschichte eingehen wird: Der Triumph am vergangenen Sonntag mit den anschließenden Feierlichkeiten, am Montag, dem Tag seines 29. Geburtstages, lud Konstantin Igropulo das Team zum Essen ein. Am Dienstag war man gemeinsam bei der „Spiderman“-Premiere zu Gast, am Donnerstag wurden die Fans zu Bratwurst und Erfrischungsgetränken nach „Füchse-Town“ eingeladen – etwa 1000 Anhänger kamen.

Bleibt die Frage: Wann ist eigentlich Schluss mit lustig bei den Füchsen?

Trainer Dagur Sigurdsson hat die vergangenen Tage zwar ebenfalls in vollen Zügen genossen, er sagt aber mit Blick auf das Spiel gegen Gummersbach auch: „Es ist ein gewisser Spagat.“ Am Donnerstag wurde zwar erstmals wieder trainiert, jedoch durften da die Fans zugucken, so richtig ernst wurde es erst am Freitag wieder. Es gehe nun darum, so der Trainer, „wieder die Kurve zu kriegen.“

Leicht wird das nicht. Nachdem die Mannschaft mit unglaublicher Leidenschaft den ersten Titel in der Klubgeschichte geholt hat, ist natürlich die Anspannung erst einmal abgefallen. „Absolut menschlich“ sei das, sagt Geschäftsführer Bob Hanning. Aber es ist eben auch so, dass das Leben und die Saison weitergehen. „Der Motor darf nicht ausgehen“, erklärt Hanning. Ein komplettes Hochfahren „ist dann sehr schwierig“.

Weiterer Triumph im EHF-Pokal ist möglich

Also muss die Mannschaft jetzt möglichst schnell wieder in den Alltag zurückfinden, vom Feier- in den Arbeitsmodus umschalten. Wobei Hanning den Mannen um Romero noch großzügig einen kleinen Aufschub gewährt: „Am Sonntag halte ich noch den Mund, egal was passiert.“ Doch danach müsse der Fokus wieder voll auf den Sport gerichtet sein. „Neuer Hunger“ müsse entstehen.

Er wolle sich nun wahrlich nicht mit Bayern München vergleichen, aber das Phänomen, dass nach dem Erreichen eines Zieles die Spannung erst einmal weg ist, war in der Fußball-Bundesliga beim Champions-League-Sieger deutlich zu beobachten.

Drei Jung-Füchse machen Abitur

Doch wie die Bayern haben auch die Füchse noch einiges vor. „Wir haben die historische Chance, noch einen Titel zu gewinnen“, sagt Hanning. Am Wochenende 17./18. Mai findet in der Schmeling-Halle das Vierer-Endturnier um den EHF-Pokal statt. Dem ersten nationalen Titel könnte gleich ein weiterer auf europäischem Parkett folgen. Hanning weiß, dass alles Appellieren von außen nichts nutzt. „Das muss bei jedem von innen heraus kommen.“

Für ein Trio bei den Füchsen ist der Alltag allerdings schon wieder sehr schnell eingekehrt. Jonas Thümmler, Paul Drux und Fabian Wiede stehen gerade mittendrin im Abitur. Sie haben andere Sorgen, da konnte sowieso nur mit gebremstem Schaum gefeiert werden. Sigurdsson hat aber mit Blick auf die komplette Mannschaft keine Bedenken, dass alle wieder in die Spur kommen: „Dafür werde ich schon sorgen.“