Seine Schultern hängen schlapp herunter, sein Schritt ist schlurfend. „Kaputt“ sei er, sagt Iker Romero auf dem Weg in die Kabine und strahlt dazu. Wie die spanische Sonne eben strahlt. So wird Romero bei der Teamvorstellung der Füchse Berlin immer tituliert. Ihn umgibt einfach so viel Positives, diesen iberischen Handballprofi, der in der dritten Saison in Berlin spielt. Und nie war der Kapitän so wertvoll wie heute.

Dass die Berliner nach einem 26:23 gegen Lemgo nun zum ersten Mal in der Klubgeschichte das Final Four um den deutschen Pokal in Hamburg (12./13. April) erreicht haben, war vor allem auch sein Verdienst. Gemeinsam mit Torhüter Petr Stochl, der in Weltklasseform auch die schwierigsten Schüsse parierte, wurde das fast unmöglich Scheinende doch möglich gemacht. Schließlich mussten die Füchse nicht nur auf drei verletzte Rückraumspieler verzichten, kurzfristig meldete sich auch noch Nationaltorwart Silvio Heinevetter (Grippe) krank.

Seine Erkennungsmelodie ist „Eviva Espana“

Der Stimmungstitel „Eviva Espana“ wird jedes Mal eingespielt, wenn Romero ein Tor schießt. Gegen Lemgo dudelte das Lied neunmal. Neun Tore, nicht schlecht für einen nicht mehr ganz so Jungen. „Mein Körper ist vielleicht ein bisschen alt, der Kopf aber nicht“, erklärt der 33-Jährige mit einem Grinsen. Natürlich tun die Knochen weh. Seit 18 Jahren ist er Profi, fünf Operationen hat er hinter sich.

Iker Romero, mit Spanien 2005 Weltmeister und 2008 mit Silber bei den Olympischen Spielen dekoriert, ist auf der Zielgeraden seiner Zeit bei den Füchsen. Im Januar hatte er sich mit Geschäftsführer Bob Hanning zusammengesetzt. Der Klub plant künftig ohne ihn. Nach dem 24. Mai, dem letzten Bundesligaspieltag, ist Schluss. Bei der Abwägung zwischen Aufwand und Ertrag kam der Klub zum Ergebnis, ihm keinen neuen Vertrag anzubieten. Für seine Rückraumposition ist dann Paul Drux, 19, vorgesehen.

Seine persönliche Zukunft lässt er offen

In vielen Spielen war der Spanier in dieser Saison von Trainer Dagur Sigurdsson nur noch sehr dosiert eingesetzt worden. Doch dann kam die „Seuche“: Sven-Sören Christophersen, Pavel Horak und Paul Drux sind verletzt und werden auch in den kommenden Wochen fehlen. Es kam zu Romeros Comeback. „Es ist klasse, dass ich wieder viel spiele“, sagt er, „aber es ist natürlich schade, dass ich von den Verletzungen anderer profitiere.“

Sind die Füchse ohne Romero, ohne „Eviva Espana“ überhaupt vorstellbar? Der Spanier selbst hat immer gesagt, „dass ich gern noch geblieben wäre“. Wie sieht denn seine Zukunft aus? Nach der überragenden Partie gegen Lemgo lässt er im Interview mit Sport1 durchblicken, dass noch alles offen sei. „Ich habe nicht gesagt, dass ich nach Spanien zurückgehe. Mal sehen, was die Zukunft bringt.“

Handball-Ikone Stefan Kretzschmar frotzelt

Hanning und die Füchse wissen, was sie an ihrer spanischen Sonne haben. „Er wird aber nicht jünger“, sagt Hanning und schiebt nach, dass Romero diemomentane Belastung nicht lange wirddurchhalten können. „Iker wird sich drei Tage nicht bewegen können“, frotzelt Sport1-Experte Stefan Kretzschmar.

Das Thema Romero wird bei den Füchsen zumeist mit einem Augenzwinkern behandelt. Ob er in der Kabine nicht gleich mit Romero über eine Vertragsverlängerung gesprochen habe, wurde Hanning gefragt. Der Geschäftsführer konterte schlagfertig: „Es ging dabei um einen langfristigen Vertrag aufgrund seiner Entwicklungsmöglichkeiten...“ Aber so richtig lustig dürfte Hanning das Ganze nicht finden.