Es gibt nur wenige Klubs, die – egal, in welcher Sportart, – schon mal in einem Final-Four-Turnier der europäischen Königsklasse gestanden haben, aber noch nie unter den letzten Vier des nationalen Pokals. Die Berliner Handball-Füchse gehören zu dieser seltenen Spezies – noch. Heute wollen sie diese Besonderheit in ihrer kurzen und erfolgreichen Biographie beheben. Gegner ist um 20.15 Uhr (Sport1 live) der TBV Lemgo, gespielt wird das Pokal-Viertelfinale. Wer das Parkett der Schmeling-Halle als Sieger verlässt, fährt zum Final Four nach Hamburg (12./13. April).

Ein Heimspiel im Viertelfinale gegen den Tabellenachten der Bundesliga – so günstig waren die Voraussetzungen, „ein Stück Vereinsgeschichte“ zu schreiben und sich den Traum von der Final-Four-Teilnahme im DHB-Pokal“ zu erfüllen, wie es Bob Hanning nennt, noch nie. Allerdings habe „zwar der Losgott in diesem Jahr ein gutes Händchen gehabt, dafür aber der Verletzungsteufel richtig zugeschlagen“, klagt der Füchse-Manager. Mit den langzeitverletzten Rückraumspielern Sven-Sören Christophersen, Pavel Horak und Paul Drux gleich drei Ausfälle auf einer Position zu haben, sei einfach „Mist“.

Für seine Mannschaft sind die Voraussetzungen vor diesem bedeutenden Spiel auch aus anderen Gründen alles andere als ideal. Die Zeit zur Vorbereitung war nach der aufwändigen Reise nach Constanta in Rumänien, wo die Füchse im EHF Pokal mit einem 31:31 die Tabellenführung in ihrer Gruppe behaupteten, nicht gerade üppig.

Kiel und HSV schon ausgeschieden

Zudem erlitt Kreisläufer Jesper Nielsen (Rippenprellung) in Constanta eine Rippenprellung. Torwart Silvio Heinevetter bekam einen Ball an den Kehlkopf. Auf der Habenseite steht allerdings der Heimvorteil. Iker Romero weiß, dass eine intensive Atmosphäre im Fuchsbau sein Team beflügelt. „Wir haben einige verletzte Spieler, umso mehr brauchen wir unsere Fans, um unseren Traum wahr zu machen“, sagte der Kapitän.

Auch Hanning setzt auf diesen Faktor. Für ihn sind die Lemgoer, die am vergangenen Wochenende aus Göppingen die Punkte mitnahmen, „das Überraschungsteam des Jahres“, das „eindrucksvoll bewiesen“ habe, dass es nicht zu den Abstiegskandidaten zu zählen ist. Andererseits habe sein Team auch keinen Grund zu übergroßem Respekt: „Wir sind auf keiner Position schlechter und auf einigen sicherlich besser besetzt“, erklärt Hanning.

Im Falle eines Sieges könnte dann eventuell gleich ein neues Kapitel Geschichte geschrieben werden. Eines, das sich dann auch auf dem Briefkopf verewigen ließe. Sechs Mal sicherte sich in den vergangenen acht Jahren der THW Kiel den Titel, schied jedoch in diesem Jahr gegen die Rhein-Neckar Löwen aus. 2006 und 2010 gewann der HSV Handball den Pokal, unterlag in diesem Jahr aber in eigener Halle Frisch Auf Göppingen. Die Füchse spüren sicherlich: Wenn nicht jetzt, wann dann?