Wenn Bob Hanning, der Geschäftsführer des Handball-Bundesligisten Füchse Berlin, über die Teilnahme seines Klubs am EHF Cup spricht, fallen große Worte. Es ist die Rede von einer „Riesenchance, den ersten Titel zu holen“. Der Verein könne „Geschichte schreiben“. Die Füchse setzen voll auf Europa. Für das Unternehmen Titelgewinn ist der Klub schon mal in Vorleistung getreten. Es war Hanning ein besonderes Anliegen, die Vierer-Endrunde des unter der Champions League angesiedelten Pokal-Wettbewerbs nach Berlin zu holen. Am 17. und 18. Mai werden die besten vier Klubs in der Max-Schmeling-Halle um den Cup kämpfen.
Gut drei Monate vor der Veranstaltung sind bereits 5300 Tickets verkauft, 1500 Karten sind von der European Handball Federation (EHF) für die teilnehmenden Teams noch geblockt – bleiben nur noch etwa 2500 Karten übrig. „Mit einem solchen Zuspruch zu diesem frühen Zeitpunkt hatte ich nicht gerechnet“, sagt Hanning. Das klingt sehr gut, doch die ganze Sache hat einen Haken: Die Mannschaft von Trainer Dagur Sigurdsson muss sich erst noch für das Final Four qualifizieren.
Die Endrunde wird in Berlin stattfinden
Ein Selbstläufer ist das nicht. In einer Vierergruppe mit Chambery Savoie (Frankreich), Sporta Hlohovec (Slowakei) und HCM Constanta (Rumänien) müssen sich die Berliner als Sieger durchsetzen, auch als einer der drei besten Zweiten erreicht man das Viertelfinale. Wobei der ausrichtende Klub, entsprechend der EHF-Regularien, dieses Viertelfinale überspringt und direkt in die Endrunde einzieht.
„Die Endrunde in eigener Halle zu spielen, erhöht natürlich die Sieg-Chance“, sagt Hanning. Doch er warnt auch: „Wir müssen Schritt für Schritt machen.“ Und der erste Schritt steht am Sonntag (17.15 Uhr, Schmeling-Halle) mit dem Heimspiel gegen die Franzosen an. Chambery dürfte der stärkste Gegner in der Gruppe sein. Im französischen Spitzenteam stehen die in der Bundesliga aus ihrer Zeit beim HSV bekannten Gille-Brüder, Bertrand und Guillaume. Hanning holte einst die beiden nach Hamburg, als er noch dort das Sagen hatte. Linkshänder Alix Nyokas und Torhüter Cyril Dumoulin kehrten erst gerade als Europameister von den Titelkämpfen in Dänemark zurück.
Pavel Horak hat den Cup schon zweimal gewonnen
Was wäre, wenn... Mit dem schlimmsten Szenario, Mitte Mai könnte die Finalrunde in der Schmeling-Halle ohne die Füchse stattfinden, will sich bei den Berlinern niemand befassen. Aber es steht viel auf dem Spiel. „Wir tragen erst einmal das finanzielle Risiko.“ Die Füchse müssen Geld in die Hand nehmen. Eine Summe im mittleren sechsstelligen Bereich kostet das ganze Spektakel. Wobei der Gastgeber auch die Prämien für die teilnehmenden Teams erwirtschaften muss. Mit den Füchsen als einem der Teilnehmer ließe sich die Veranstaltung natürlich ganz anders refinanzieren. In Abstimmung mit der EHF sind die Berliner jetzt mittendrin in der Akquise von Partnern. Die TV-Rechte sind ebenfalls auf dem Markt. Auch hier hängt viel davon ab, ob die Füchse Mitte Mai dabei sein werden oder nicht.
Umso wichtiger ist ein Sieg am Sonntag. Dabei sind bei den Füchsen auch die angeschlagenen Bartlomiej Jaszka und Pavel Horak. Letzterer hat gute Erfahrungen mit dem EHF Cup: 2011 und 2012 holte der Tscheche mit Frisch Auf Göppingen den Pokal.





