Handball

Jung-Fuchs Drux zwischen Abitur und Bundesliga

Nach der EM-Pause treten die Füchse am Mittwoch bei Frisch Auf Göppingen an. Gegen die Schwaben steht auch der 18-jährige Paul Drux im Kader. Trainer Sigurdsson schwärmt: „Er hat großes Potenzial.“

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Die Planänderung erlaubte keinen Aufschub. Also packte Paul Drux im Trainingslager der A-Jugend in Naumburg rasch seine Sporttasche und fuhr zurück nach Berlin. „Das Profiteam ist im halblinken Rückraum geschwächt, daher ist Paul jetzt für die nächsten drei Wochen komplett an die Bundesligamannschaft ausgeliehen“, erklärt Geschäftsführer Bob Hanning die Maßnahme. Heute Abend läuft der Youngster dann mit den Füchsen beim Start in die Rückserie bei Frisch Auf Göppingen auf.

Sieben Spiele in 21 Tagen

Für die Füchse gilt es, nach 41 Tagen Liga-Pause, die durch die EM entstanden war, rasch wieder in die Erfolgsspur zurückzufinden. Sieben Profis weilten bei den Titelkämpfen in Dänemark. „Wir müssen wieder in die Sicherheitsspur gelangen und aus der Selbstverständlichkeit heraus Spiele gewinnen“, fordert Hanning. Die Voraussetzungen sind nicht ganz leicht, in gerade einmal vier Trainingseinheiten hatte Chefcoach Dagur Sigurdsson seinen Mannen geschlossen auf dem Parkett, „daher müssen wir noch dringend am Zusammenspiel arbeiten“, sagt der Isländer.

Noch immer schmerzt Trainer und Manager die schmachvolle 22:23-Niederlage vor der EM-Pause bei Aufsteiger Eisenach (Hanning: „Das darf nicht passieren“), auch der nachfolgende Sieg über Balingen (30:29) gelang nur äußerst knapp. „Wir sind zuletzt geschwommen, das müssen wir jetzt unbedingt abstellen“, sagt Hanning.

Ein Erfolgserlebnis in Göppingen würde enorm helfen, haben die Füchse im Februar doch ein hartes Programm vor sich. Sieben Spiele stehen in den kommenden 21 Tagen an, und die Ziele sind klar formuliert: In der Bundesliga erneut für den europäischen Wettbewerb qualifizieren, im EHF-Cup das Final Four Mitte Mai in Berlin sowie erstmals die Endrunde im deutschen Pokal erreichen. „Wir wollen unseren Traum leben und zweimal das Final Four erreichen“, sagt Hanning, der Manager sagt aber auch: „Das ist ein brutales Programm und wird ein ganz heißer Tanz.“

Horak gegen Ex-Klub angeschlagen

Seinen ganz persönlichen großen Traum erlebt jetzt schon Paul Drux. 2011 kam der 1,92 Meter große Rechtshänder vom Liga-Konkurrenten VfL Gummersbach nach Berlin. Seither ging es für ihn nur noch bergauf. Zweimal wurde er unter Trainer Hanning Deutscher Meister mit der A-Jugend, in der vergangenen Saison debütierte der Rückraumspieler in der Profimannschaft und lief mit ihr dreimal in der Champions League auf. Drux gehört zum Kader der Jugendnationalmannschaft, für die er in 31 Länderspielen 87 Tore erzielte. Er gilt als eins der größten Talente in Deutschland. Oder wie Sigurdsson sagt: „Er hat großes Potenzial.“

Seit Anfang Januar trainiert Drux beim Profiteam bereits voll mit, er wird dort von Kapitän Iker Romero und Co. unter die Fittiche genommen. Vor allem Romero erklärt dem Jungfuchs immer wieder, wie er das Spiel liest und verrät dem 18-Jährigen Tricks für den Liga-Alltag. Nach und nach soll er die Rolle Romeros bei den Füchsen übernehmen, denn der Vertag des Spaniers läuft im Sommer aus und wird nicht verlängert. Dass Drux heute Abend im Profikader steht, war freilich nicht so vorgesehen. Aber Nationalspieler Sven-Sören Christophersen (Knie) ist noch immer nicht einsatzfähig, und Pavel Horak plagt sich seit der EM mit einer Fersenverletzung, der Einsatz des Tschechen bei seinem Ex-Klub Göppingen ist offen.

Druck ist mitten im Lernstress

Hanning reist heute nach Göppingen und wird den Einsatz von Drux genauestens beobachten. Stolz sei er auf die enorme Entwicklung, die der Junge genommen habe. „Es ist beachtlich, mit welcher Souveränität Paul in der A-Jugend die Mannschaft führt, er ist eine wahre Spielerpersönlichkeit geworden“, sagt Hanning und sieht sich in seiner Linie, auf junge deutsche Spieler zu setzen und diese weiterzuentwickeln, bestätigt.

Drux selbst kommt mit dem Druck bestens klar. „Ich bin noch jung und genieße das alles. Ich bin noch lange nicht zufrieden, werde weiter hart an mir arbeiten.“ Das tut er auch für die Schule, immerhin stehen die Abiturklausuren an. Ohne die Kooperation des Schul- und Leistungssportzentrums Berlin (SLZB) aber wäre der Handball-Stress kaum zu bewältigen. Drux: „Die Schule hilft uns sehr.“